Die unvollständige Longlist.

longlist_2014Nun ist sie also da – die Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis. Und die Klappentexterin ist sehr überrascht. Um nicht zu sagen: enttäuscht. Weil dieses Gefühl schon länger in mir reifte, sobald eine neue Liste veröffentlicht wird, möchte ich nun endlich meine kritischen Gedanken kundtun.

Der Buchpreis wurde seinerzeit ins Leben gerufen, um den Buchverkauf anzukurbeln. Und der Buchverkauf findet vorwiegend im stationären Buchhandel statt. Dort stehe ich täglich und beobachte seit geraumer Zeit die Entwicklung des Buchpreises. Gerate oft in Verlegenheit, wenn mich die Kunden nach meiner Meinung zu den Nominierten oder Siegertiteln fragen. Meist kann ich nur mit den Schultern zucken. Das ist oft unangenehm, ich vermisse das Leuchten aus den Büchern. Und ich vermisse die Leichtigkeit, denn auch die kann großartig erzählt sein.

Sicherlich ist der Anspruch hoch, den besten Roman des Jahres zu küren. Eine herausfordernde Tätigkeit, der ich großen Respekt zolle. Und trotzdem ist irgendwas nicht so, wie es sein sollte. „Mir fehlt einfach die Vielfalt, die wir in der Literatur finden. Zuletzt waren die meisten Titel echt deprimierend“, sagt mir ein Buchhändler Kollege. Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Eine Handvoll Buchhändler bestätigen mir das Gleiche. Und so komme ich zu der Feststellung: Wir, die an der Front stehen, sind nicht wirklich grün mit dem Deutschen Buchpreis, da kann doch was nicht stimmen, oder?

Okay, alles ist Geschmackssache. Bücher verbinden und polarisieren. Das ist gut so. Gerade das macht die Literaturwelt zu einem spannenden Epizentrum der Gedanken und Diskussionen. Nur warum finde ich das nicht in der Longlist des Deutschen Buchpreises? Wie oben angesprochen, ist es die Vielfalt, die die Literaturwelt erst wirklich ausmacht. Es darf gezittert, gelacht, geseufzt, gezweifelt werden. Es darf schwer sein oder leicht, überdreht und verrückt. Doch die Listen ähneln sich im Gros, dort finde ich viel zu viel Düsternis und ganz viel Kopf. Das führt mich zu der Überlegung: Vielleicht hängt die Auswahl auch mit der Jury zusammen? Nur zwei Buchhändler sitzen zwischen fünf Kritikern. Wo sind Wirkende aus Literaturinstitutionen? Und was ist mit den Bloggern? Sie sind etablierte und ernstzunehmende Kritiker, die sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Kritikform entwickelt haben. Die Blogger gewinnen zunehmend an Bedeutung, ach, was heißt gewinnen, sie sind längst ein festes Bindeglied zwischen Buch und Leser geworden. Viele Verlage haben das Potential der Online-Rezensenten erkannt. So werden Blogger in die Verlage oder zu wichtigen literarischen Veranstaltungen eingeladen. Die Leser schätzen die Blogger vor allem wegen der greifbaren Nähe zu den Büchern und die einfache, leicht verständliche Sprache. Wir schreiben nicht von oben herab, werfen Fremdwörter in die Besprechungen, sondern schreiben gerade heraus. Die Literaturwelt ohne Blogs? Heute undenkbar! Daher die Frage: Warum dieses Organ bei solchen wichtigen Entscheidungen nicht mit einbinden? Die Welt ändert sich täglich, wie die Arten der Literaturkritik. So muss in diesem Bereich auch einiges neu überdacht und hinterfragt werden.

Im vergangenen Jahr gab es einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Bei dem Blogprojekt „5 lesen 20“ haben fünf Bloggerinnen die Longlist vorgestellt. In diesem Jahr moderiert eine Bloggerin, Caterina von SchöneSeiten, die Fanpage vom Deutschen Buchpreis. Zudem hat sich ein Komitee bestehend aus Claudia von dasgrauesofa, Mara von Buzzaldrins Bücher sowie die Bücherliebhaberin vom glasperlenspiel13 zusammengeschlossen, um den diesjährigen Deutschen Buchpreis im Netz ein Gesicht zu geben und u.a. zu Diskussionen anzustoßen. Das sind Wege, über die ich mich sehr freue. Weiter so, lieber Deutscher Buchpreis!

Nicht alles auf der aktuellen Longlist löst Kopfschütteln aus. Es sind durchaus große Namen und interessante Romane dabei. Ich freue mich über „Kruso“ von Lutz Seiler und „Zwei Herren am Strand“ von Michael Köhlmeier. Aber wo ist Nino Haratischwili, die mit ihrem Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ ein beeindruckendes Epos von über 1300 Seiten darlegt und dies in einer wunderbaren Sprache, leicht und gleichzeitig kraftvoll erzählt. Steven Uhly fehlt mir ebenfalls, dessen Roman „Königreich der Dämmerung“ am 25. August erscheint. Und wo sind die unabhängigen Verlage? Vier sind es in der aktuellen Liste, das ist mitnichten sehr überschaubar und enttäuschend. Und warum finden sich in der Longlist Titel, die bereits im Frühjahr auf der Longlist des Leipziger Buchpreises standen? Fragen über Fragen, die ich nicht beantworten kann, aber trotzdem in den Raum werfe, um meiner Enttäuschung Ausdruck zu geben.

So bleibt am Ende das schwere Gefühl der Enttäuschung. Doch gleichzeitig keimt da die Hoffnung in mir auf, ein zartes Pflänzchen zwar, aber es ist da. Ich hoffe inständig, dass der Deutsche Buchpreis die Kritik von draußen, sei es von Bloggern oder einiger Zeitungen, ernst nimmt und sich selbst reflektiert, Wir Buchhändler würden das sehr würdigen wissen! Und einige LeserInnen sicherlich ebenfalls.

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18 Gedanken zu “Die unvollständige Longlist.

  1. Liebe Klappentexterin,

    ich danke dir sehr für diesen interessanten Diskussionsbeitrag, dem ich nur in Teilen zustimmen kann. Das, was du beschreibst, habe ich vor allen Dingen im letzten Jahr beobachtet, wo mit Clemens Meyer und Reinhard Jirgl, mit Olaf Kühl und Terezia Mora, dicke Brocken auf der Longlist standen, die ganz sicherlich keine leichte Kost gewesen sind. In diesem Jahr empfinde ich die Liste anders und leicht und ich glaube, dass Köhlmeier und Klüssendorf, Stanisic und Steinfest sich gut verkaufen lassen – ich bin aber natürlich auch keine Buchhändlerin. Ich glaube, auch wenn ich mich sehr auf das Buch freue, dass sich der Roman von Nino Haratischvili nicht besser verkaufen würde – für das gemeine Publikum sind Preis und Seitenzahl dann doch eher abschreckend.

    Ich finde das zählen von Frauen oder von jungen Autoren oder von Indieverlagen immer schwierig. Es werden schließlich Bücher nominiert, keine Verlage und auch keine Geschlechter. Das Ziel sollte ja nicht eine in allen Facetten ausgewogene Longlist sein, sondern eine Longlist der besten Bücher und dass das immer auch eine Frage des Geschmacks ist, ist unbestreitbar. Bestimmte Bücher fehlen sicherlich, mir fehlt auch Olga Grjasnova, Monika Held oder auch Robert Seethaler, aber alles in allem bin ich dieses Jahr zufrieden.

    Ich habe heute mit meinem ersten Longlistbuch angefangen, dem Allesforscher und Steinfest und bin gespannt!

    Liebe Grüße
    Mara

    P.S.: Ich stimme dir was die Erweiterung der Jury betrifft, zu. Ich würde mich sicherlich nicht zieren, wenn man mich fragen würde. 😉

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    1. Liebe Mara,
      ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar. Wie geschrieben, gehen die Meinungen auseinander und das ist äußerst interessant. Die Definition von Leichtigkeit ist ein Beispiel dafür. Ich meine mit Leichtigkeit nicht immer so schwere Themen wie z.b. bei Klüssendorf. Wo siehst du dort Leichtigkeit?

      Es stimmt schon, dass die Auswahl im letzten Jahr noch herausfordernder und nicht immer wirklich gut verkäuflich war. Wobei das ja wieder von Standort zu Standort verschieden ist. Maria von ocelot hat es aber sehr schön gesagt, dass man Titel aus verschiedenen Gründen seinen Kunden empfehlen kann. Entweder, weil er auf der Liste steht oder weil man einfach von ihm begeistert ist. Und das schöne als Buchhändlerin ist ja, dass man seine Stammkunden hat, die einem vertrauen. Daher werde ich dieses Jahr auch mindestens zwei Titel aus der Longlist lesen. Sicherlich werden nie alle Herzensbücher in der Liste auftauchen, das ist auch nicht mein Anspruch oder Wunsch. Und die Listen haben den großen Vorteil, dass die Menschen auf diese Art auf Bücher aufmerksam werden, an die sie sich nie herangetraut hätten. Aber gleichzeitig bergen sie in sich die Gefahr, dass sie wieder abgeschreckt werden.

      Ich fange nächste Woche mit „Kruso“ an und bin gespannt. Dir weiterhin viel Freude mit deinem Longlist-Titel!

      Herzlichst,
      Klappentexterin

      PS: Ich würde mich auch nicht zieren, wenn man micht fragen würde. 😉

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      1. Ich schalte mich kurz in dieses Gespräch ein, liebe Mara und liebe Klappentexterin. Was du, Mara, über Nino Haratischwilis Werk sagst, kann ich gut nachvollziehen – aber ich hoffe, dass du nicht Recht behältst. Würde ich Frau Haratischwili nicht schon vom „Sanften Zwilling“ kennen und hätte ich nicht die Leseprobe gelesen, wäre wohl auch ich skeptisch. Noch dazu der Preis: fast 30 Euro – das ist schon allerhand. So weit die Fakten. Aber dann gibt es ja die Begeisterung des Feuilletons und der Buchhändler – und die haben hoffentlich die Macht, den Leser zu überzeugen und über den eigenen Schatten zu springen.

        Und klar sind die ‚äußeren‘ Kriterien erst einmal abschreckend und lassen an ein unzugängliches Werk à la Jirgl oder Mora denken. Aber was Haratischwili in ihrem Roman macht, ist meiner Meinung nach so viel ‚massentauglicher‘ (ohne das abwertend zu meinen). Ich finde nach wie vor, es ist eine großartige und erstklassig geschriebene Familiensaga, die zwar durchaus schwere Themen behandelt (und das nicht zu wenig, schließlich hat die georgische und/oder sowjetische Zeitgeschichte derer viel zu bieten), aber dennoch im Vordergrund eine bewegende Geschichte erzählt: die einer zum Unglück verdammten Familie. Ein – wenn man mal die Seitenzahl außer Acht lässt – sehr zugänglicher Stoff, wie ich finde. Deshalb hoffe und glaube ich, dass Das achte Leben durchaus Chancen beim Publikum hat. Es muss nur erst darauf aufmerksam werden.

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  2. Das Gefühl, dass die Longlist meistens sehr verkopf daherkommt, hatte ich die letzten beiden Jahre auch. Da stimme ich also total mit dir überein und auch ich habe bemerkt, wie schwierig es ist, den Kunden im Buchhandel für den Buchpreis zu sensibilisieren und zu interessieren. Interesse haben oft nur die, die ohnehin literarisch begeistert sind und in den letzten beiden Jahren gab es auch wenige Bücher in der Auswahl, von denen ich gesagt hätte, dass es eine Schande wäre, wenn sie nicht an Mann oder Frau gebracht werden. Das empfinde ich dieses Jahr, trotz des offensichtlichen Fehlens einiger wichtiger Stimmen, nicht so. Da ist zugänglichere Lektüre dabei und Schwereres, Witziges und eher Gesetztes. Insofern: Die diesjährige Longlist beurteile ich zwar anders, deine ganz grundsätzlichen Gedanken zum Buchpreis kann ich aber teilen!

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    1. Ja, liebe Frau Kollegin, das ist schon nicht immer einfach, Kunden und Longlist zusammenzubringen. Schade eigentlich! Freut mich, dass du wie Mara mit der diesjährigen Longlist zufrieden bist und wünsche dir viel Freude beim Lesen der Longlister. Weißt du schon, welche es sein werden?

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      1. Sasa Stanisic, Ulrike Draesner und Lukas Bärfuss habe ich schon gelesen. Dazu kommen sicher noch Martin Lechner, Franz Friedrich, Heinrich Steinfest. MIch reizen auch noch Michael Köhlmeier, Angelika Klüssendorf und Gudrun Leutenegger. Mal sehen, was ich so schaffe. 😉

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  3. Ja die Longlist wird und muß, glücklicherweise würde ich hinzusetzen immer vollständig bleiben und die Leute die darauf reagieren werden wahrscheinlich immer unzufrieden sein, weil der oder der Favorit, der doch unbedingt daraufsollte, fehlt. Ich wundere mich selber, daß ich heuer relativ gelassen war, als ich Donnerstagabend mit meinem Mann in einer der Buchhandlungen von Ansbach gestanden bin und die Liste durchgesehen habe, die mir die freundliche Buchhändlerin ausdruckte. Wahrscheinlich war das noch der Urlaub von dem ich gerade zurückzukommen im Begriff war, der mich so entspannt sein ließ. Marlene Streeruwitz ja das hätte ich mir gedacht und Lukas Bärfuss, sowie Sasa Stanisic und Michael Köhlmeier, daß die Katja Petrowskaja fehlte und die Karen Köhler auch hat mich dann doch gewundert, ebenso, daß ich Bücher wie die vom Martin Lechner und Michael Ziegelwanger darauf fand. Warum aber nicht?
    Ich bin keine Buchhändlerin, als ich aber 2009 in Wien versuchte dieses Longlistbüchlein zu bekommen, war ich sehr erstaunt, daß die meisten Wiener und St. Pöltner Buchhändler keine Ahnung vom dBp hatten, obwohl ja da auch immer einige österreichische Autoren draufstehen. Umsomehr war ich überrascht, daß die Buchhändlerin der R.Rupprecht-Buchhandlung genau wußte, daß die Liste erst Mittwoch bekanntgegeben wurde, sie auf ihren Tisch liegen hatte und meinte, da müße ich wegen dem Büchlein später kommen, die Kollegin hätte es aber schon bestellt.
    In der Buchhandlung lag dann der Sasa Stanisic und vom letzten Jahr noch der Jirgl auf, ob es die Streeruwitz gegeben hätte, weiß ich jetzt nicht, die Longlistbücher, sprich anspruchsvolle Belletristik lag aber weit hinten im Geschäft, vorne lagen die Kerstin Gier, die übrigen Chicklist und Regionalkrimis, was was die Leute so halt lesen wollen, die sich höchstwahrscheinlich im Duchrschnitt wie vielleicht auch die meisten durchschnittlichen Buchhändler nicht so für die Longlist interessieren. Wie ist das in Ihrer Buchhandlung? Das ist aber die Realität des Lesens, denke ich. In der erwähnten Buchhandlung gab es übrigens auch ein Werbebüchlein „Jugendliteratur für den Unterricht“ wo man nachlesen konnte, was die entsprechenden Verlage den Lehrern für die Sekundarstufe empfehlen, auch sehr interessant, denn das sind ja die Leser von Morgen.
    Ich finde die Idee des dBp sehr interessant, für Österreich wird jetzt ein solcher auch von einigen Autoren und ich glaube auch von der IG gefordert, der Nachteil ist aber auch, wie ich mich zu erinnern glaube, Sigrid Löffler einmal sagte, daß wenn man versucht die Literatur auf zwanzig Titel zu reduzieren und dann noch ein oder sechs sogenanntes Beste herausgesucht werden, immer etwas überbleibt oder die Leute sagen werden, aha, der oder die ist nicht gut, die brauche ich dann nicht lesen.
    Und es gibt eben viel viel mehr Bücher als die hundertsechzig, die die großen Verlage für den dBp einreichten und die, die für die Hot List in Frage kamen, glücklicherweise füge ich wieder hinzu und zum Glück können und dürfen wir lesen, was wir wollen und brauchen nicht nachzusehen, ob das Buch das ich mir jetzt kaufen oder ausborgen will, auf der Longlist steht. Ich lese beispielsweise jetzt Berta von Suttners „Die Waffen nieder“, ein sehr interessantes Buch, , wo die Autorin vor hundert Jahren gestorben ist und habe dank der offenen Bücherschränke, die es in Wien glücklicherweise gibt, eine so lange Leseliste, daß ich mir die zwanzig Bücher, obwohl ich es vielleicht wollte, gar nicht bestellen könnte, um sie bis Weihnachten hinunterzulesen.

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    1. Ich danke Ihnen herzlich für den interessanten Kommentar! Ich freue mich, dass Sie mit der entspannten Gelassenheit des vergangenen Urlaubs die Longlist zur Kenntnis genommen haben. Sehr aufschlussreich finde ich das Büchlein mit den Leseproben zur Longlist. Auf diese Weise haben die Leser die Möglichkeit, in die nominierten Titel hineinzulesen und ein Gefühl für die Sprache des jeweiligen Autors bzw. der Autorin zu bekommen. Bei mir hat sich noch kein/e Kunde / Kundin dazu geäußert oder nach den Titeln gefragt. Der Austausch fand eher unter Kollegen oder Bloggern statt, was ich aber auch höchst interessant fand, ebenfalls den Blick in die Presse. Erfahrungsgemäßg steigt das Interesse für die nominierten Titel, wenn die Buchmesse naht und die Shortlist feststeht.

      In der Tat dürfen und können wir lesen, wonach uns es uns gelüstet. Also lassen wir uns weiterhin inspirieren, sei es durch offene Bücherschränke, die Longlist, Hotlist oder bei Gesprächen mit Freunden, Bekannten sowie Literaturinteressierten.

      In diesem Sinne noch einen schönen Sonntagabend,
      Klappentexterin

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  4. Liebe Klappentexterin,
    ohne große Worte zu machen, will ich dir zustimmen in deiner Enttäuschung. Wenn es um die 20 besten Bücher dieses Herbstes gehen soll, dann fehlen hier unbedingt einige neue Romane, wie die von Nino Haratischwili, Steven Uhly, Olga Grjasnowa, …
    Da ich schon im vorigen Jahr den Entscheidungen skeptisch gegenüber gestanden habe, war meine Enttäuschung diesmal nicht so groß und ich sehe auch das Positive, freue mich über Angelika Klüssendorf, Lutz Seiler und Thomas Hettche.
    Du sagst, dass du manchmal in Verlegenheit kommst, wenn du in der Buchhandlung um deine Meinung zu Preisträgern gefragt wirst. Unser Vorteil ist doch, dass wir immer authentisch sein dürfen. Wir dürfen mit unserer ganzen Leidenschaft unsere Liebslingsbücher empfehlen. Auch jenseits irgendwelcher Listen. Ist das nicht großartig?
    Ich könnte mir vorstellen, dass das Vertrauen in uns Buchhändler und Blogger steigt.

    Schöne Grüße, masuko

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    1. Liebe masuko,
      hab lieben Dank für deine Meinung zur aktuellen Longlist. Schön, dass du trotz aller Kritik ein Lächeln im Gesicht hast und dich ebenfalls Titel erfreuen können! Wie ist das bei euch? Fragen die Kunden explizit nach den Longlist-Titeln oder wird erst die Shortlist interessant? Oh ja, du sprichst mir aus dem Herzen – das Buchhändlerin-Dasein ist großartig! Wunderbar ist es, dass man ehrlich sein kann und so die Kunden zu Büchern führen kann, an die sie vorher nicht gedacht oder gar gekannt haben.

      Sonnige Sonntagsgrüße,
      Klappentexterin

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      1. Die meisten Kunden fragen eher nach dem Einleseheft mit den 20 Textproben zum dbp. Wir haben außerdem einen kleinen Tisch mit den bereits erschienen Titeln der Autoren Klüssendorf, Draesner, Streeruwitz, Poschenrieder e.t.c. Da wird viel gestöbert.
        Demnächst wird es außerdem einen Tisch geben mit den Titeln, die wir auf der Longlist vermissen. Da finden die Kunden dann Uhly, Haratischwili, Orths (!!), Grjasnowa, Sander, …
        Aber richtig spannend wird es erst mit der Shortlist, das stimmt schon!
        Nächtliche Sternengrüße, masuko

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  5. weiß eigentlich jemand, ob die titel, die hier und anderswo vermisst werden, überhaupt nominiert waren? gibt es die liste der nominierungen der verlage irgendwo? mir scheint das oft vergessen zu werden, dass die jury ja gar nciht frei ist in ihrer entscheidung. und vielleicht hatte der eine oder andere verlage sich von zwei anderen büchern mehr versprochen als von dem, was man persönlich so vermisst … [ich halte die nominierung durch die verlage ja auch für einen der größte fehler des dbp, aber das ist ein anderes fass …]

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    1. Soweit ich weiß, kann die Liste der eingereichten Titel nicht eingesehen werden. Aber ich gehe davon aus, dass alle, die vermisst wurden (von Haratischwili über Hermann bis Uhly), von ihren jeweiligen Verlagen vorgeschlagen bzw. von der Jury gesichtet wurden.

      Ein Verlag kann in der Regel gut abschätzen, welches Buch das Feuilleton beschäftigen wird; das gilt vor allem für bereits etablierte Autoren (wie die oben genannten), aber auch für Debütanten, die vorab schon viel Aufmerksamkeit erregt haben. Ich denke da zum Beispiel an Verena Güntner, über deren Fehlen sich Richard Kämmerlings in der Literarischen Welt beklagt hat: Sie las vergangenes Jahr beim Klagenfurter Wettlesen und bekam überaus positive Resonanz – mit entsprechend großer Spannung wird ihr Debütroman erwartet. Ein Verlag, der diese gute Ausgangssituation nicht nutzt, verspielt Chancen.

      Einziges Problem: Ein Verlag darf nur zwei Titel einreichen – mutmaßlich, um das Ganze nicht ausufern zu lassen. Verena Güntners Es bringen (Kiepenheuer & Witsch) wird eventuell nicht dabei gewesen sein. Aber dann liegt es an der Jury, bestehend aus Kritikern und Buchhändlern, also Menschen, die sich tagtäglich mit dem Buchmarkt auseinandersetzen, auch die anderen relevanten Neuerscheinungen im Blick zu haben und gegebenenfalls zusätzliche Titel anzufordern. Und das tut sie auch, wie man an der Liste sehen kann: Dieses Jahr gibt es beispielsweise drei Nominierungen aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag. Frau Güntner wird es über die eine oder andere Hürde nicht geschafft haben.

      Was ich damit sagen will: Die Tatsache, dass die Verlage die Titel nominieren müssen, halte ich nicht für ein Problem, da es dann ja immer noch die Jury gibt, deren Aufgabe es ist, die deutschsprachigen belletristischen Neuerscheinungen im Blick zu haben und unter diesen das beste Buch des Jahres zu suchen. Ihre Möglichkeiten sind dabei natürlich begrenzt, denn über 160 Bücher auf ihre Preiswürdigkeit zu prüfen hat es ohnehin schon in sich, ganz zu schweigen von all jenen, die ins Auge gefasst, aber nicht eigens angefordert wurden.

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