Ritsch, ratsch – willkommen in der Vorweihnachtszeit!

Weihnachtszeit

So macht die Vorfreude auf das große Fest großen Spaß! Mit diesem außergewöhnlichen Adventskalenderbuch Nicht nur zur Weihnachtszeit von Heinrich Böll lässt sich die Zeit bis zum 24. Dezember bestens vertreiben. Die Edition Büchergilde hat die 1952 erschienene Satire jetzt neu herausgebracht und dabei grandios von Ingeborg Schindler illustrieren lassen und in Szene gesetzt. So ist ein richtig kleines Schauspiel entstanden, dem der Leser jedem Tag im Dezember bis zur Heiligen Nacht schmunzelnd folgen kann.

boell2© Illustrationen (3) Ingeborg Schindler/Edition Büchergilde

Ans Lesen ist am Anfang allerdings erst einmal nicht zu denken, denn die Doppelseiten sind noch unbeschnitten und verbergen die Geschichte. Daher blättere ich als Erstes durch das Buch und bin gleich von den bildgewaltigen Illustrationen fasziniert. Ingeborg Schindler hat die satirische Geschichte exzellent in ihre Bilder übertragen. Manche sind unheimlich schräg, wie das Motiv vom 17. Dezember mit den Organen als eingerahmte Bilder. Rechts davon erstreckt sich ein kleines Labor. Was mag das bedeuten? Die Auflösung folgt, sobald man die Seite freigelegt hat, aber verraten wird an dieser Stelle ohnehin nichts, den Kern der Geschichte sollt ihr erfahren.

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Alles dreht sich um Tante Milla, die im Jahre 1947 beim Abschmücken des Weihnachtsbaumes einen hysterischen Anfall erleidet. Sie schreit danach fast eine ganze Woche lang, aber keiner kann helfen. Weder Psychologen noch Neurologen, nur eine Dosis Luminal bringt die Sechzigjährige für einige Stunden zur Ruhe. Das Problem jedoch bleibt erhalten wie festgeklebte Kaugummifetzen in einer Schuhsohle. Onkel Franz hat schließlich die zündende Idee – einfach und komisch zugleich. Nun, diese lasse ich mal schön im Buch. Dafür ist der Dezember da, in dem ihr diesen tollen Kalender lesen könnt. Ritsch, ratsch – jeden Tag eine kleine Portion, die zum Schmunzeln einlädt. Ritsch, ratsch – jeden Tag eine weitere Doppelseite mit dem Cutter oder der Schere aufreißen. Ritsch, ratsch – jeden Tag mindestens einmal ganz laut lachen.

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Heinrich Böll und Ingeborg Schindler erzählen den nahenden Weihnachtswahnsinn aus einer herzerfrischenden Perspektive. Nicht romantisch, sondern ein bisschen hämisch, ironisch und leicht verrückt. Genau das wollte Heinrich Böll mit seiner Persiflage erreichen: Den Weihnachtswahnsinn auf die Schippe nehmen. Ingeborg Schindler hat sich diesem Wunsch so brillant angenommen, dass dieses Adventskalenderbuch in seiner Genialität strahlt wie ein Weihnachtsstern. Obwohl die Geschichte schon über 50 Jahre alt ist, ist sie dennoch zeitgemäß und deshalb immer noch ein großer Lesespaß. Wie heißt es in dem Vorwort so schön: „Lebkuchen, Spekulatius, Weihnachtsschokomänner und Lichter überall… diese Dinge gehören zu der herrlichen Weihnachtszeit! Nein, quatsch zur Spätsommerzeit.“ In diesem Sinne, eine frohe Böll’sche Vorweihnachtszeit!

Heinrich Böll/ Ingeborg Schindler: Das Adventskalenderbuch. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Edition Büchergilde, 2013, 112 Seiten, 17,95€.

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