Sabine Dörlemann über das Verlegen.

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Der Dörlemann Verlag wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Chapeau, Chapeau! Ich stelle mich in die Reihe der Gratulanten und spreche meine Glückwünsche aus. Der Dörlemann Verlag ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich noch genau, als ich vor drei Jahren Tanz der seligen Geister von Alice Munro in den Händen hielt. Für mich war dies die erste Publikation aus dem kleinen Schweizer Verlag. Die Schönheit des Buches verschlug mir regelrecht den Atem. Der hochwertige und liebevoll gestaltete Leineneinband entzückte mich im höchsten Maße. Von da an war es um mich geschehen, der Dörlemann Verlag zählte zu meinem engsten Verlagskreis, den ich seitdem begleite. Mittlerweile habe ich einige Titel aus dem Verlag gelesen und jedes Buch konnte mich durch seine hohe literarische Qualität überzeugen, nebst der wundervollen Gestaltung natürlich. Jeder Schritt – sei es der Newsletter, die Bücher, das Gesamtverzeichnis – verströmt die Liebe für besondere Bücher.

Anlässlich des Dörlemann Verlagsjubiläums habe ich die Verlegerin getroffen. Ich freue mich sehr, dass sich Sabine Dörlemann Zeit genommen hat.

SD_092_Barbara DietlFoto: Barbara Dietl

Klappentexterin: Wie wird man Verlegerin?
Sabine Dörlemann: Das ist natürlich bei jedem anders. Bei mir war das so, dass ich lange Jahre als Lektorin tätig war, zunächst beim Haffmans Verlag in Zürich und danach beim Ammann Verlag. Nachdem ich sieben Jahre beim Ammann Verlag war, wollte ich erst einmal eine längere Pause machen und auf Reisen gehen. So habe ich meine Stelle als Lektorin gekündigt und bin dann zur Übersetzerin Swetlana Geier gefahren, um mich von ihr zu verabschieden. Wir hatten uns über die Arbeit angefreundet. Sie hat mich dann gefragt: „Was machen Sie, wenn Sie wiederkommen?“ Ich habe ihr geantwortet, das wüsste ich noch nicht; es wird sich schon was ergeben. Daraufhin hat sie gesagt: „Ja, dann müssen Sie einen Verlag gründen!“ Natürlich spielt jeder einmal mit dem Gedanken, einen eigenen Verlag zu haben. Die zweite Frage ist, ob man sich das traut und wie das dann ist. Dadurch, dass mir Swetlana Geier das in den Kopf gesetzt hat, wurde der Gedanke auf einmal realistisch und auch durch die Tatsache, dass einem jemand das auch zutraut. Auf meinen Reisen habe ich darüber nachgedacht und lange mit meinem Kollegen Mike Bierwolf zusammengesessen – der Hersteller und Graphiker ist. Ich habe ihm gesagt: „Wenn du die Herstellung übernimmst, dann mache ich das und gründe meinen Verlag.“ Seine Antwort lautete, er würde das schon machen, aber er wolle nach Taiwan gehen, weil seine Frau dort lebt. Wir haben das trotzdem zusammen ausprobiert, waren gespannt, wie das übers Internet klappt und – es funktioniert super. So ist das alles ins Rollen gekommen.

Der Dörlemann Verlag feiert in diesem Monat sein zehnjähriges Bestehen. Wie fühlen Sie sich? Gab es Höhepunkte, die Sie mir verraten möchten?
Da ist ein Gefühl des Stolzes. Wir sind in der Zwischenzeit gewachsen. Es gibt jetzt außer Mike Bierwolf auch Mitarbeiterinnen: Wir haben eine Lektorin für Schweizer Literatur, eine Volontärin und seit 1. Juli eine Vertriebsfrau. Es macht schon Spaß und ist zufriedenstellend, aber die Verlagsgeschichte nach außen sieht erfolgreicher aus, als sie nach innen ist. Zwischendurch war es schon auch Heulen und Zähneklappern. Gerade am Anfang war es wahnsinnig anstrengend, auch wirklich alles zu bedienen. Ich meine, wir hatten großes Glück, dass Elke Heidenreich unser erstes Buch in ihrer damals noch taufrischen Lesen!-Sendung besprochen hat. Zur Frankfurter Buchmesse war der Messeschwerpunkt Russland und sie hat als Erstes in dieser Messesendung Ein unbekannter Freund vorgestellt. Danach ist das Buch gleich auf Platz 13 der Spiegel-Bestsellerliste geklettert. Natürlich war das toll, doch die Arbeit, die das mit sich bringt, war enorm. Wir haben rund um die Uhr arbeiten müssen. Zwischendurch gab es durchaus auch Flauten, wo wir vor uns hingedümpelt sind. Das war eher schwierig. Nach so einem Erfolg kommt ein Tiefpunkt. Doch im Großen und Ganzen haben wir das gut hingekriegt.

Was waren die besonderen Herausforderungen, denen Sie sich stellen mussten?

Sagen wir mal so, das Hoch war der Spiegel-Bestsellerplatz, wo es wahnsinnig viel Arbeit gab. Das fing mit der Frage an: Wo treibt man das Geld für einen Nachdruck auf? Das sind auf einmal andere Dinge als die, denen man sich sonst stellen muss. Außerdem ist da die Frage: Was macht man nachher? Man muss sich sagen: „Das nächste Programm wird ganz normal werden, diesen Erfolg kannst du jetzt nicht wieder erwarten.“ Und man muss in einen normalen Trip zurückfinden. Wenn man so einen Sprint hinter sich hat, ist das natürlich schwierig, das Tempo ein bisschen zu drosseln und zu sagen, wir möchten das jetzt noch die nächsten Jahre machen. Wir arbeiten nicht rund um die Uhr, sondern versuchen, mit unseren Kräften zu haushalten. Das sind eigentlich auch persönliche Herausforderungen.

Sie und Mike Bierwolf haben das am Anfang alles allein gemacht?
Genau, am Anfang gab es noch jemanden, der uns frei in der Presse unterstützt hat. Eigentlich habe ich alles organisiert – bis auf die Herstellung. Ja, das ist natürlich schon viel Arbeit und ziemlich anstrengend. Wir hatten und haben freie Handelsvertreter, die unsere Bücher im Handel anbieten. Doch alles andere habe ich mit Mike Bierwolf bewerkstelligt.

Da waren bestimmt auch einige 24-Stunden-Arbeitstage mit dabei…
Am Anfang hatte ich mein Arbeitszimmer zu Hause. Mit der Zeit fingen die Vorschauen an, sich im Wohnzimmer zu stapeln, bis wir dann gesagt haben: Wir brauchen noch ein bisschen Privatleben. Jetzt muss der Verlag ausziehen. Es war schon eine aufregende Zeit.

Ihr Verlag veröffentlicht Bücher jenseits des Mainstreams. Woher kam der Impuls?
Wenn man einen Verlag gründet, sollte man sich genau überlegen, was man machen möchte. Man sollte sich ein Profil erstellen. Beim Ammann Verlag habe ich auch deutschsprachige und zeitgenössische Literatur betreut. Das, was ich abgesagt hatte, wollte ich nicht in meinem eigenen Verlag annehmen. Das war eine pragmatische Entscheidung. Es gibt so viele ungeborgene Schätze der Weltliteratur, die man noch entdecken kann. Ich ziehe einen schönen Klassiker einem schlechten zeitgenössischen vor. Es ist wichtig, sich zu einem unverwechselbaren Verlag zu entwickeln. Ungefähr zur gleichen Zeit hat Heinrich von Berenberg seinen Verlag gegründet. Er hat sich auf Sachbücher konzentriert. Am Anfang haben die Bücher alle ungefähr 120 Seiten gehabt. Es gibt beim Berenberg Verlag ebenfalls ein ganz klares Profil. Und genau das macht es für die Buchhändler einfacher zu sagen: „Das ist ein toller Verlag, der macht das und das. Und das ist ein toller Verlag, der macht das und das. Wenn ich mich für das interessiere, gucke ich mir das an und wenn ich mich für das interessiere, dann das.“ Gut, Buchhändler interessieren sich erstmal für alles, auch für die Leser.

Wie finden Sie Ihre außergewöhnlichen Literaturschätze?

Das ist ganz unterschiedlich. Zum einen kannte ich am Anfang schon relativ viel, von dem ich dachte: „Das müsste man mal machen. Das wäre toll!“ Zum anderen kommen Vorschläge von Übersetzern. Ich denke hier z.B. an Nella Larsen mit Seitenwechsel. Da ist die Übersetzerin – Adelheid Dormagen – auf mich zugekommen und hat mir den Text vorgeschlagen. Ich fand ihn wunderschön und wir haben das Buch zusammen gemacht. Manchmal treten Agenturen an mich heran und empfehlen mir Bücher, zum Teil auch von Titeln, die sie gar nicht vertreten. Sie machen das einfach aus Spaß bzw. weil sie Freude daran haben und sagen: „Das könnte zu dir passen.“ Und dann gibt es natürlich ein großes Netz von Freunden, die in aller Welt publizieren, z.B. in Dänemark, England, Frankreich, die sagen: „Ich mache dieses Jahr diese drei Titel oder diese drei Autoren.“ Und wo ich sage: „Oh Martha Gellhorn, das ist auch etwas, was ich mal gelesen habe und ganz toll fand.“

Nach welchen Maßstäben suchen Sie ein Buch aus?
Eigentlich im Großen und Ganzen, ob es mir gefällt. Das hat schon viel mit Bauchgefühl zu tun. Der Verlag ist mein Steckenpferd oder mein Baby – wie immer man das nennen will. Daher erscheinen wirklich nur die Bücher, die ich gut finde. Wobei das sehr unterschiedliche Bücher sein können. Von einem barocken Patrick Leigh Fermor, der sehr ausufernd schreibt, bis hin zu einer sehr trockenen, sehr skandinavischen Helle Helle. Das Spektrum ist eigentlich relativ groß.

Was unterscheidet ein gutes Buch von einem schlechten?
Das finde ich jetzt ganz schwierig zu sagen. Ich merke das gerade dann, wenn man mit anderen über Literatur spricht oder in Jurysitzungen zusammen sitzt. Meistens ist man sich über die Qualität eines Textes schnell einig, aber ob man es dann mag oder nicht, ob man es liebt oder nicht, ist dann reine Geschmackssache. Manche finden Texte ganz toll und ich kann nur sagen, dass ich die literarische Qualität des Textes sehe, aber es ist irgendwie nicht meins. Über Geschmack kann man nicht streiten.

Wo liegen Ihre Verlags-Schwerpunkte?
Ich habe von Felicitas Hoppe zum zehnjährigen Jubiläum einen sehr schönen Glückwunsch erhalten. Sie hat geschrieben: „Reisen und Lesen bis ans Ende der Welt.“ Das ist ein sehr schöner Satz, der zum Programm passt. Es geht darum, die Welt in Büchern zu entdecken, auch die literarischen Klassiker – hauptsächlich des 20. Jahrhunderts – die bei uns noch nicht entdeckt sind, neu oder das erste Mal auf Deutsch zu übersetzen. Mittlerweile publizieren wir auch zeitgenössische Autoren, die in ihren Ländern zu den Klassikern gehören, wie Dag Solstad in Norwegen oder Helle Helle in Dänemark. Autoren, die vorher nicht ins Deutsche übersetzt worden sind oder wie bei Helle Helle, von der vorher nur ein einziges Buch ins Deutsche übersetzt worden ist. Wir begleiten dann auch die Autoren. Unterdessen veröffentlichen wir zeitgenössische deutschsprachige Autoren, wie z.B. Henriette Vásárhelyi mit immeer und Jens Steiner mit Carambole. Das war auch ein tolles Erlebnis, als Jens mit seinem ersten Roman auf die Longlist vom Deutschen Buchpreis gekommen ist. Henriette Vásárhelyi ist eine deutsche in der Schweiz lebende Autorin, die mit ihrem Debüt immeer mit dem Studer/Ganz-Preis ausgezeichnet worden ist und jetzt im Herbst bei uns erscheint. Das freut mich besonders, weil ihr Manuskript mein Favorit war. Ich sitze in der Studer/Ganz-Jury. Den Preis gibt es alle zwei Jahre und die Rechte der Erstveröffentlichung wandert von Verlag zu Verlag. Wir dürfen die nächsten drei Werke veröffentlichen. Der Preis richtet sich an unveröffentlichte Bücher.

Ihre Bücher zeichnen sich neben der hohen literarischen Qualität auch durch die Gestaltung aus. Wie gelingt Ihnen das auffallend schöne Design Ihrer Werke?
Mike Bierwolf und ich arbeiten seit langer Zeit zusammen. Wir haben uns 1993 im Haffmans Verlag kennengelernt, wo er eine Typographieausbildung absolviert hat. Später habe ich ihn zum Ammann Verlag nachgeholt. Wir sitzen immer zusammen, denken uns etwas aus und sind der Meinung, dass schöne Inhalte auch schöne Formen haben sollten.

Mein erstes Dörlemann-Buch, das ich in den Händen hielt, war „Tanz der seligen Geister“ von Alice Munro. Wie ist es Ihnen gelungen, die Rechte für diesen Erzählband zu bekommen? Normalerweise erscheint Alice Munro im S. Fischer Verlag.

Ich habe herausgefunden, dass es diese Erzählungen noch nicht auf Deutsch gab und war total verblüfft, dass dieser Band noch nie bei uns erschienen ist. Da ich mit den Fischer Leuten befreundet bin, habe mit ihnen gesprochen und sie gefragt: „Wie sieht es denn bei euch aus? Wollt ihr das Buch herausbringen? Oder dürften wir das?“ Sie meinten, sie publizieren immer die neuen Werke und sie hätten nichts dagegen, wenn sie den Erzählband als Taschenbuch herausbringen können. Dann bin ich auf die Agentur zugegangen und die war damit einverstanden. Es ist wirklich schön, wenn man eine seiner Lieblingsautorinnen, die bereits auf Deutsch erschienen ist, noch publizieren kann, vor allem ihre ersten Erzählungen.

Sie waren in diesem Jahr auch bei „Kleine Verlage am Wannsee“ dabei – und das nicht zum ersten Mal. Was gefällt Ihnen an dieser Veranstaltung?
Ich finde das ganz toll! Wir haben als Verlag selten die Möglichkeit, mit den Lesern in Kontakt zu treten. Einerseits finde ich klasse, dass man direkt Feedback bekommt und man hört, was die Leser schön finden oder Fragen, die sie stellen wie: „Warum macht ihr eigentlich die Leseproben nur die ersten Seiten? Manchmal ist da noch das Impressum drin. Das interessiert uns nicht.“ Dann muss man erstmal erklären, warum das Impressum aufgeführt werden muss. Es ist der Rechtenachweis. Es werden viele verschiedene Dinge angesprochen. Manche Leser fragen uns, warum die Bücher so teuer sind. Wir erklären, dass unsere Bücher hochwertig ausgestattet sind, dass das säurefreies und nicht holzhaltiges Papier ist, dann das Lesebändchen; die Prägung ist teuer, die Schildchen werden auf die Leinenbände mit der Hand draufgeklebt und solche Dinge. Wir verkaufen vor Ort Bücher und der Verkauf dort macht richtig viel Spaß. Was ich auch sehr angenehm finde, ist das Treffen der Kollegen, mit denen man sich immer bestens austauschen kann. Wir sind mittlerweile fast so etwas wie ein kleiner Wanderzirkus. In München und Hannover gibt es so was Ähnliches in den Literaturhäusern.

Wir haben die positive Stimmung am Wannsee wahrgenommen. Das war total schön.
Wir machen ja alle gegen den Markt Bücher. Wenn man so will, ist das ein bewusster Akt, dem Mainstream etwas entgegen zu setzen. Wir sind leidenschaftliche Überzeugungstäter. Und ich glaube, deswegen kommt da einfach eine andere Dynamik rein. Also, alle Verlagsleute, die ich kenne, machen das mit einer gewissen Leidenschaft, aber es ist schon was anderes, ob man bei einem großen Publikumsverlag die Bücher machen muss, die ziehen und sich verkaufen, und wo man vielleicht alle zwei bis drei Jahre mal einen Titel einschmuggeln kann, den man privat ganz toll findet. Das ist dann immer so eine Spaltung. Wir hingegen sind mit dem ganzen Herzen, mit der ganzen Person dabei, weil wir das machen können, was wir wollen, ohne dass wir wahnsinnig viele Kompromisse eingehen müssen. Gut, klar müssen wir auch Kompromisse machen, ohne die geht es bei uns auch nicht.

Pro Jahr erscheinen immer mehr Bücher. Diese Flut an Neuerscheinungen ist immens, so dass man keinen Überblick mehr hat. Die Haltbarkeit von Büchern ist sehr geschrumpft. Hinzu kommt das medienorientierte Leseverhalten. Doch die Bücher aus Ihrem Verlagshaus oder anderen Kleinverlagen leben anders und länger, stimmt das?
Ja, aber trotzdem sind die Bücher leider auch diesem Halbjahreszyklus unterworfen. Das merken wir genauso stark. So verkaufen sich erst Bücher richtig gut und von einem Tag auf den anderen ist es plötzlich vorbei. Dann geht mal ein Buch im Monat oder zwei. Das liegt auch ein bisschen daran, dass die Buchhändlungen überschwemmt werden. Sie müssen die neuen Titel von den großen Häusern nehmen, dabei nach dem eigenen Überleben gucken, sie kommen nicht daran vorbei. Das gerät schnell in Vergessenheit und ich bedauere es sehr. Das größte Problem sind die großen Verlage, die verstopfen im Prinzip den Markt. Da ist die Strategie nicht das Buch an sich, sondern zum Teil werden auch Bücher publiziert, um Platz in der Buchhandlung zu besetzen. Nicht in einer kleinen Buchhandlung, sondern bei Thalia oder Hugendubel. Dort geht es um Raum für den Verlagsumsatz. Das ist natürlich schwierig, wenn so viel auf die Buchhändler und Leser einströmt.

Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Sabine Dörlemann aus?

Das ist eine gute Frage. (Lacht.) Meistens stehe ich morgens auf, lese meine Mails und die Zahlen – ganz wichtig! Ich arbeite morgens ein, zwei Stunden zu Hause, bis ich dann um 10 Uhr im Verlag bin. Ab 10 Uhr habe ich Besprechungen mit den Mitarbeitern und wir erledigen einfach das Tagesgeschäft. In der Regel arbeiten wir bis sechs, halb sieben. Am Abend gehe ich nach Hause, esse mit meinem Mann und dann lese ich. Also, es hört sich nicht so aufregend an. Das ist hauptsächlich auch ein Bürojob. Die Lesephasen, die in den Abend fallen, sind immer am schönsten.

Lesen Sie dann Bücher oder Manuskripte?
Ich lese auch Manuskripte, aber zu Hause lese ich eigentlich lieber Bücher, vor allen die internationalen Publikationen, um Ausschau zu halten. Ich bin ja immer auf der Suche. Manuskripte lese ich im Büro und wenn ich darin hängen bleibe, dann nehme ich es mit. Was ich auch ganz schön finde – das muss ich jetzt einfach sagen – Manuskripte auf dem iPad zu lesen, da muss man nicht immer die Papierberge mit sich herumschleppen. Wir machen ja auch eBooks. Das ist übrigens eine häufige Frage: „Wo ihr so schöne Bücher herstellt, produziert ihr auch eBooks?“

Zu allen Titeln?

Das kommt manchmal auf die rechtliche Situation an. Es kann den Fall geben, dass man keine Rechte für eBooks erwerben kann, weil der Autor verstorben ist und die Erben das nicht wollen. Es kommt auf den Vertrag an, ob die eBook-Rechte mit enthalten sind oder nicht. Dann ist es zudem davon abhängig an, ob man sie als Nebenrecht wahrnimmt oder als Hauptrecht. Nebenrecht wäre z.B. ein Taschenbuchrecht. Je nachdem, ob man das eBook an jemanden anderen gibt oder das selber macht, wird es anders abgerechnet. Daher ist es wichtig, dass man Verträge macht. Wir haben mittlerweile für fast alle unsere Bücher eBook-Verträge. Es ist auch einfach eine Frage des Hinterherkommens, man muss zunächst konvertieren und dann das ePub veröffentlichen. Ich finde die Entwicklung bei uns sehr interessant. Wir haben letztes Jahr im 1. Quartal 10,- € Umsatz mit eBooks erwirtschaftet und dieses Jahr im 1. Quartal 1800,- €.

Zum Abschluss möchte ich gern wissen, welches Buch gehört zu Ihren liebsten und warum?
Natürlich sind die neuesten Bücher die schönsten, die aufregendsten und die liebsten. Ein Buch, das ich besonders ins Herz geschlossen habe, war unser allererstes Buch. Das ist was ganz Besonderes. Das ist ja auch das Schöne, eigentlich mache ich nur Lieblingsbücher. Daher kann ich dazu nicht viel sagen. Nein, ein einziges Lieblingsbuch gibt es eigentlich nicht.

Die Klappentexterin dankt Sabine Dörlemann für das schöne Interview und wünscht dem Dörlemann Verlag alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

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17 Gedanken zu “Sabine Dörlemann über das Verlegen.

  1. Ein toller Verlag, der tolle Bücher macht. Dass dahinter auch eine tolle Frau mit viel Mut, Intelligenz und Neugierde steckt, wußte ich bislang nicht. Danke für das Interview – das macht mir den Verlag jetzt noch sympathischer! Birgit

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    1. Liebe Birgit,
      herzlichen Dank für deine geteilte Begeisterung! Das macht Freude und lässt mich glücklich lächeln. Schön, dass dir der Blick hinter die Kulissen genauso wie mir gefallen hat.

      Herzlichst,
      Klappentexterin

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  2. Ein wunderbares Interview 🙂 Den Dörlemann Verlag kannte ich bisher noch gar nicht. Jetzt werde ich aber mal Ausschau halten, nach diesen besonderen Büchern.
    LG, Katarina 🙂

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  3. Liebe Klappentexterin,
    vielen Dank für das tolle Interview. Ich habe den Verlag auch erst vor kurzem entdeckt und wusste natürlich – bis zu Deinem Interview – gar nichts über die Hintergründe und vor allem nicht, dass es den Verlag erst 10 Jahre gibt. Ich habe noch ein wunderschönes Buch hier liegen, das mich, als jemand, der es liebt, in den Ferien in den Alpen zu wandern, ganz besonders anspricht, denn der Einband zeigt nicht nur eine Übersichtskarte, sondern auch die einzelnen Wanderungen, die Schrifsteller, die beim Literaturfestival in Leukerbad sind, dort unternehmen und zum Anlass nehmen, um die kleine literarische Form zu erproben. Und alleine solch ein toller Bucheinband zeigt wirklich die Liebe zum Buch und zur Literatur. Und nach Deinem Interview werde ich jetzt natürlich noch viel genauer schauen, was es beim Dörlemann Verlag so alles zu entdecken gibt.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Liebe Claudia,
      ich danke dir für deinen ausführlichen und begeisterten Kommentar! Dann wirst du bald die erste Bekanntschaft mit einer Publikation aus dem Verlagshaus antreten. Es ist ein schönes Buch mit kleinen feinen Geschichten. Von dem Literaturfestival wusste ich vor dem Buch gar nichts. Nun wünsche ich dir viel Freude beim Lesen!

      Viele Grüße,
      Klappentexterin

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  4. Liebe Klappentexterin,

    ich danke dir ganz herzlich für dieses schöne und sehr lesenswerte Interview, denn ich habe erst vor kurzem mein erstes Buch aus diesem spannenden Verlag gelesen und wusste noch nicht viel über jegliche Hintergründe. Nun bin ich klüger und die nächsten Bücher aus diesem herrlichen Verlag zieren bereits meinen Nachttisch. 🙂

    Lieb Grüße
    Mara

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    1. Liebe Mara,
      ich danke dir für deine Wortmeldung! Und ich freue mich, dass ich dich mit dem Interview noch näher an den Dörlemann Verlag heranführen konnte. Dein Nachttisch darf sich glücklich schätzen!

      Sei lieb gegrüßt,
      Klappentexterin

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  5. Ein sehr interessantes und aufschlussreiches Gespräch, in dem Frau Dörlemann einen sehr sympathischen Eindruck auf mich macht, auch weil sie Schwierigkeiten nicht unter den Tisch kehrt.

    Ich finde es auch toll, dass so viel Wert auf die Form, den handwerklichen Aspekt, gelegt wird. Die hochwertigen Leineneinbände sind wunderschön und zählen für mich mit zu den schönsten Büchern, die ich besitze (die Fabre Bücher aus dem Matthes & Seitz Verlag und der Schwob aus dem Elfenbein Verlag fallen mir in dieser Kategorie spontan noch ein).

    Ich glaube, das im Interview genannte schmale Bändchen von Iwan Bunin könnte mein erstes Buch aus dem Dörlemann Verlag gewesen sein. Auf dem Bücherstapel im obigen Foto ist mir „Auf der Datscha“ von Marina Rumjanzewa ins Auge gesprungen, das ich allen an dieser russischen Institution Interessierten sehr ans Herz legen kann. Nach der Lektüre hat man bestimmt Lust bekommen, den einen oder anderen russischen Klassiker zu lesen.

    Über den Newsletter bin ich immer sehr gut über das aktuelle und kommende Programm informiert. Ich wünsche Frau Dörlemann und ihrem Verlag, dass sie noch lange und erfolgreich so schöne und interessante Bücher verlegen können.

    Viele Grüße

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    1. Hallo wortlandschaften,
      hab lieben Dank für deinen Besuch und deine persönlichen Eindrücke, die ich mit großer Freude gelesen habe. Besonders freue ich mich, dass du für dich Titel entdeckt hast, die du aus dem Verlag lesen möchtest. Iwan Bunin steht auch noch auf meiner Wunschliste. Ich wünsche eine wunderschöne lesefreudige Entdeckungsreise mit den feinen literarischen Perlen aus dem Dörlemann Verlag.

      Herzlich,
      Klappentexterin

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      1. Danke! Auswahl gibt es immer mehr als genug. Die genannten Titel habe ich schon gelesen, das war wohl nicht so geschickt formuliert. Es ist nur so lange her, dass ich nicht mehr genau weiß, welches Buch ich davon als erstes gelesen hatte. (Nicht dass es eine Rolle spielte, es war nur in Anlehnung an Deine Anekdote mit dem Munro-Buch gedacht). 😉

        Dir auch weiterhin viel Spaß bei der Lektüre!

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