13. internationales literaturfestival berlin – Mein persönlicher Auftakt.

So vielfältig und aufregend die Welt der Literatur auch ist, am Ende schreibt doch das Leben die schönsten Geschichten. Genau solche durfte ich am vergangenen Donnerstag bei einer besonderen Veranstaltung des 13. internationalen literaturfestivals erleben.

priya_ocelot2 © Fotos (2): ocelot

Er ist kurz nach 11 Uhr und ich sitze bei ocelot, not just another bookstore. Die Tram rattert wie gewohnt im Minutentakt am Laden entlang. An den großen herrlich dekorierten Schaufestern eilen die Menschen vorbei, einige bleiben stehen, blicken neugierig in den Laden und fragen sich vielleicht, warum wir so früh dort sitzen. Ja, auch für mich ist es ungewohnt zu dieser Tageszeit eine Lesung zu besuchen. „Ich habe meine Schwiegermutter gefragt, wann sie am liebsten Lesungen besuchen würde. Daraufhin meinte sie vormittags oder nachmittags“, berichtet Thomas Böhm, Programmleiter beim literaturfestival. Also stehen 2013 auch Lesungen und Veranstaltungen zu diesen Zeiten im Programmheft. Neben Thomas Böhm sitzt zunächst nicht Priya Basil, die an dem Donnerstag ihren Auftritt hat, sondern ein „special guest“, wie Thomas Böhm ankündigt. Ihr Name ist Stojanka Illgner. Die ältere Dame wird ihr Gedicht Unser Computerkurs vorlesen – als kleinen Nachtrag zur Aktion „Berlin liest“. Genau hier beginnt die erste schöne Geschichte.

stojanka

Stojanka Illgner tauchte am Tag der Eröffnung des 13. internationalen literaturfestivals um 10 Uhr im Foyer der Berliner Festspiele auf. Sie wollte im Rahmen der Veranstaltung „Berlin liest“ etwas vorlesen. Thomas Böhm bat sie um 16 Uhr wiederzukommen, doch Stojanka Illgner erschien erst um 16.30 Uhr und war leider zu spät. Das konnte Thomas Böhm nicht stehen lassen. Da kam ihm eine großartige Idee. Er fragte Stojanka Illgner, wo sie in Berlin wohne – und siehe da! – das Schicksal war auf ihrer Seite. Sojanka Illgner lebt nicht weit von ocelot, not just another bookstore entfernt und so lud Thomas Böhm die Lyrikerin ein, ihr Gedicht in der Buchhandlung vorzutragen.

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Die zweite schöne Geschichte ist meine eigene. Ich sehe zum zweiten Mal die Autorin wieder, die mich im vergangenen Jahr mit ihrem Roman vollkommen begeistert hat. Ich treffe sie nicht irgendwo, sondern an einem Ort, wo ich gern bin, genauso gern wie in meinen Lieblingsbüchern. Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an meine Priya Basil-Beiträge, sie können hier und dort noch einmal nachgelesen werden. Die Logik des Herzens war mein absolutes Lesehighlight 2012. Die Wiedersehensfreude war dementsprechend groß. Dieses Mal widmet sie sich vorrangig dem Essay 81 Gedanken zur Weisheit und über das Glück der Anwesenheit alter Menschen, den sie für das literaturfestival verfasst hat. Während sie englische Auszüge vorträgt, liest ihr Partner Matthias Fredrich Auf der Horst deutsche Passagen vor. Im Anschluss daran sollte das besagte Buch auch noch seinen Auftritt haben.

Das 13. internationale literaturfestival berlin hat im Rahmen des Wissenschaftsjahrs „Die demografische Chance“ unter dem Titel Weltweisheit – Kulturen des Alterns zehn internationale SchriftstellerInnen eingeladen, über ihre persönlichen Erfahrungen und den Umgang mit dem Alter in ihren Kulturen zu schreiben. Priya Basil wurde 1977 in London geboren und ist in Nairobi aufgewachsen. Ihr Großvater hat die Autorin über das Alter und die Weisheit nachdenken lassen. Vor allem seine Frage hat viel in ihr angestoßen. „Warum bin ich noch hier? Ich bin doch nutzlos.“ Entstanden sind kluge, nachdenkliche und bewegende Gedanken. Einige von ihnen sind erhellend und ziehen ein Lächeln aus dem Gesicht. Nachzulesen ist der Essay in den nächsten Tagen auf der Internetseite vom literaturfestival. Bislang konnte ich ihn dort nicht entdecken, aber ich werde meine Augen offen halten und euch Bescheid geben, sobald ich den Beitrag aufgespürt habe. Versprochen! Das Lesen lohnt sich sehr! Noch bis zum 13. September finden Veranstaltungen des Projekts Weltweisheit statt. Nähere Informationen findet ihr an dieser Stelle.

Für mich war dies ein besonderer Auftakt zum 13. internationalen literaturfestival berlin. Ich danke allen für diesen schönen literarischen Donnerstag und freue mich auf weitere Begegnungen und Veranstaltungen beim diesjährigen literaturfestival!

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12 Gedanken zu “13. internationales literaturfestival berlin – Mein persönlicher Auftakt.

  1. Lesungen sind immer etwas Einmaliges (obwohl für den Autor vielleicht nicht 😉 aber man erfährt so vielmehr über das Buch, die Intension des Autors, über den Autor selbst. Am Rande erlebt auch immer wieder die eine oder andere Anekdote oder wie Du eine liebenswerte Geschichte. Ich freu mich auf den literarischen Herbst. Jetzt häufen sich wieder die Lesungen und ich bin gespannt auf all das was kommt.
    Danke für deinen Bericht!

    Liebe Grüße von der Bücherliebhaberin
    Vera

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    1. Das sind sie, liebe Vera, einmalig, besonders, wahre Gänsehauterlebnisse… unvergesslich, für jeden anders, aber schön. Stimmt, jetzt häufen sie sich, der September ist auch mir reichlich gefüllt. Ich wünsche dir ebenfalls eine spannende, literarische Lesungszeit!

      Alles Liebe,
      Klappentexterin

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  2. Ich danke dir für diesen schönen und sehr persönlichen Bericht über diese spannende Lesung – ich wäre ja gern dabei gewesen. Lesungen am Vormittag ist übrigens eine tolle Erfindung, ich würde auf jeden Fall hingehen!

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  3. Mir fällt grad auf das ich schon ewig bei keiner Lesung mehr war. Die letzte war glaub ich Manfred Krug. mmmh, vielleicht sollte ich mal mein Leseverhalten überdenken..denn zuhörn is auch sehr schön…vorgelesen bekommen, das war früher immer so schön..

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