Fee Katrin Kanzler über Götter.

                                         CIMG50561 (Foto: Wolfgang Tischer)

Fee Katrin Kanzler wurde 1981 geboren. Die junge Autorin hat Philosophie und Anglistik in Tübingen und Stockholm studiert. 2001 wurde sie zum Treffen junger Autoren in Berlin eingeladen. 2007 war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses. Fee Katrin Kanzler erhielt im gleichen Jahr den Förderpreis für Literatur der Stadt Ulm. Sie lebt derzeit im Süden Deutschlands, unterrichtet Philosophie und Englisch, zeichnet, spielt und schreibt. „Die Schüchternheit der Pflaume“ ist ihr Debüt.

Klappentexterin: Der römische Dichter Ovid bezeichnete den Bernstein als „Tränen der Götter“. Und weil die Götter in Ihrem Roman eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielen, kann ich mir die Frage nicht verkneifen: Besitzen Sie einen Bernstein?
Fee Katrin Kanzler: Da muss ich enttäuschen, nein. Aber Ovid habe ich im Lateinunterricht immer gemocht.

Haben Sie vielleicht persönliche Götter, an die Sie glauben?
Auch hier muss ich verneinen. Zu Göttern habe ich ein eher ironisches, spielerisches Verhältnis. Menschen sind mir wesentlich wichtiger.

Die Ich-Erzählerin fühlt sich den Göttern nahe und fürchtet sie gleichermaßen. Woher kommt diese Ambivalenz?
Die Götter benutzt sie als Erklärung für viele Zusammenhänge, die sie nicht versteht. Was ja recht menschlich ist. Warum sie unbedingt Musik machen muss, nichts anderes tun will, zum Beispiel, erklärt sie sich so, oder wohin ihr Zwillingsbruder verschwunden ist. Die Götter als eine Art herzloses Machtfigurenkabinett, fähig, sie mit allem zu beschenken, was sie sich wünscht, aber ihr auch alles wegzunehmen.

Ist die Protagonistin ein verlorenes Götterkind, ein Wesen, das nicht richtig in die Welt passt? Oder ist sie einfach nur verträumt?
Verlorenes Götterkind, so etwas geistert sicher in ihrem Kopf herum. Sie ist vor allen Dingen jung und selbstverliebt. Was sie noch nicht realisiert hat: So richtig passen doch die wenigsten in die Welt. Wir schustern uns so unsere Provisorien zusammen, um mit dem Leben klarzukommen. Ihr Provisorium sind unter anderem ihre Götter.

Ihr Roman versetzte mich in eine Art Schwebezustand. Es gab keine großen Explosionen oder Kanten, an denen ich mich gestoßen habe. Stattdessen wärmende Wortbilder und ein angenehmer, ruhiger Ton. Wollten Sie Ihre Leser schweben lassen?
Das überrascht mich. Eigentlich dachte ich, dass Formulierungen wie »ein Musikstück wie ein Transrapid« oder eine Stadt als »Wanderdünen aus Bordsteinen, Mänteln, Frisuren, Hausecken und im Wind fliegendem Müll« doch eine gewisse Kantigkeit haben. Was es aber natürlich in meinem Buch nicht gibt, ist Action, obwohl, eher im Hintergrund der Handlung, öfter mal etwas in die Luft fliegt. Ich wollte meine Leser vor allem sensibilisieren, vielleicht übersensibilisieren, für kleine Dinge, und für Sprache. Die Sprache, ihr Rhythmus und Klang, ist in meinem Buch fast schon ein eigener Charakter.

Die Musik ist ein wichtiger Baustein im Leben Ihrer Romanheldin. Was bedeutet für Sie Musik? Spielen Sie sogar selbst ein Instrument oder singen?
Ja, ich tue all das, aber autodidaktisch und ziemlich dilettantisch und selten. Ich bin froh, dass ich nie, wie meine Erzählerin, davon leben musste. Das stelle ich mir sehr hart vor, dieser Berufung zu folgen. Darüber hinaus ist Musik für mich aber absolut lebenswichtig, sei das nun Gabriel Fauré, irgendeine Punkband aus den Neunzigern oder frisch gemixte Clubmusik. Ich lasse mich sehr leicht von Musik mitnehmen.

Ihre Sprache hat mich verzaubert. Wie lange haben Sie an ihr gefeilt?
Lange. Ich schreibe Sätze sehr oft um. Ganz penibel, bis mir alles in den Kram passt.

Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie Geschichten erzählen möchten?
Muss sehr früh gewesen sein. Als ich noch nicht schreiben gelernt hatte, habe ich Bildergeschichten erzählt und manchmal meine Mutter gebeten, etwas daneben zu schreiben. Ich hatte auch einen eigenen kleinen Theaterfundus mit alten Klamotten, Faschingsutensilien, Spielzeugwaffen und die wurden zum Aufführen aller möglichen Geschichten verwendet. In der Pubertät kamen dann die ersten Gedichte und irgendwann wurden sie brauchbarer, und dann auch Kurzgeschichten und schließlich der Roman.

Ist die Fee in Ihrem Namen Kunst oder gehört sie immer schon zu Ihnen?
Die gehört dazu, schon sehr lange, ein Spitzname aus früher Kindheit, noch bevor ich wusste, was Kunst eigentlich ist. Mir ist der Name so vertraut wie ein Vorname.

Und zu guter Letzt möchte ich natürlich wissen: Schreiben Sie an einem neuen Roman?

Ich habe da einen Stoff im Auge, verrate aber nichts. Das Territorium muss ich erst mal selber erkunden.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Fee Katrin Kanzler weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

PS. Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, dann besucht sie einfach hier.

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3 Gedanken zu “Fee Katrin Kanzler über Götter.

  1. Herzlichen Dank für dieses schöne Interview, das ich sehr sehr gerne gelesen habe. 🙂
    Bedanken möchte ich mich auch für den Hinweis auf die Homepage der Autorin, auf die ich eigentlich nur einen kurzen Blick werfen wollte, in die ich dann aber eine ganze Weile versunken war.
    Viele Grüße
    Mara

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