Ein Ereignis: Harry Rowohlt liest Mark Twain.

Er war noch gar nicht da und doch ahnte ich bereits, dass etwas Wunderbares auf mich zuschweben würden. So Etwas, an das ich mich noch lange mit einem Lächeln erinnern würde. Die Rede ist von einem Abend der besonderen Art.

Der Aufbau-Verlag hatte zur Preview eingeladen. Harry Rowohlt las „Meine geheime Autobiographie“ von Mark Twain. Ja, der Harry Rowohlt, den ich aus der Lindenstraße kenne, der Mann mit dem Riesenbart, an dem ich gern mal ziehen möchte. Neben ihm befand sich eine weitere wichtige Person, ohne die wir dieses bedeutende Werke auf Deutsch gar nicht lesen könnten: der Übersetzer Hans-Christian Oeser. Er zeigte ein Exemplar vom amerikanischen Original. Dabei blieb mir der Mund offenstehen: Dieses Buch war größer als ein Ziegelstein. Die Autobiographie, die auf Wunsch des Autors erst 100 Jahre nach seinem Tod erscheinen durfte, enthält im amerikanischen Original neben seinen Aufzeichnungen auch zahlreiche Fußnoten und weiterführende Informationen. Der Aufbau Verlag macht es uns viel leichter. Dieses Werk wird in nun auf Deutsch zwei Büchern erscheinen, die in einem Schuber zusammenfinden. Einmal die persönlichen Berichte von Mark Twain, dazu ein Band mit den wichtigen Daten.

Hans-Christian Oeser und Harry Rowohlt.

Hans-Christian Oeser und Harry Rowohlt waren ein eingespieltes Team. Der Übersetzer lieferte Informationen zu Mark Twain, Harry Rowohlt las im Anschluss Passagen aus dem Buch vor und zog dabei gern kleine Anekdoten aus dem Ärmel, bei denen sich das Publikum in eine lachende Welle verwandelte. Ein beeindruckendes Schauspiel war das Vorlesen! Plötzlich verwandelte sich der starke Mann in einen kleinen Jungen, der mit seinen Armen und Händen herumwirbelte. Sie waren seine Kraftbomben, die ihn ins Schwitzen brachten, so dass er bald sein Angeberjacket – wie er das Kleidungsstück selbst bezeichnete – ausziehen musste.

„Meine geheime Autobiographie“ ist ein wahres Feuerwerk! Ich hatte das Gefühl, als würde Mark Twain direkt neben mir stehen und aus seinem Leben erzählen. Jeder Satz war ein Abenteuer, manchmal sehr nachdenklich, ein anderes Mal erheiternd oder verführerisch. Die Autobiographie sprüht vor Leben und ich wollte hineinkriechen. Nicht zuletzt auch durch Harry Rowohlt, der dem Buch eine eigene Stimme gegeben hat, einen Ton, der noch lange im Ohr summte. Zeit zum Innehalten boten die Blues-Musiker Dieter Faber auf seinen beiden Gitarren und Steve Baker auf seiner Mundharmonika. Die Kraft der Mundharmonika war beeindruckend. Der ganze Körper zitterte, eine Gänsehaut prickelte an meinem Pullover und ich flog direkt ins Amerika vergangener Jahre.

Fotos (2): Reno Engel, Aufbau Media.

Nach der Lesung war das Gewusel groß, ein Herankommen an Harry Rowohlt schien unmöglich. So wurde er gleich von einem Kamerateam umzingelt und interviewt. Mein Liebster und ich gingen daraufhin nach draußen, wollten den Abend bei einem Wein ausklingen lassen. Und dann ging alles sehr schnell. Plötzlich fand sich der Übersetzer an unserem Tisch ein und kurze Zeit später Harry Rowohlt persönlich. Ehe wir uns versahen, befanden wir uns im Gespräch und Harry Rowohlt plauderte aus seinem Leben. Dabei ließ ich es mir nicht nehmen, ihn zu fragen, wie er zur Lindenstraße gekommen ist. Es war eine Fotoaktion von der Zeitschrift „essen und trinken“. Ein Mitarbeiter rief ihn an und fragte, ob er Lust hätte, sich in einem Lokal fotografieren zu lassen, wo er bis zum Platzen essen und trinken könnte. Er wies den Anrufer daraufhin, dass er kein Promi sei, sondern vom Beruf Übersetzer und legte auf. Seine Frau kam aber mit der Idee, das „Akropolis“ aus der Lindenstraße vorzuschlagen, ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht ganz, denn es gelang der Zeitschrift, Harry Rowohlt einen Termin am Set zu arrangieren. Gesagt, getan. So fand sich Harry Rowohlt dort ein und begeisterte am Ende den Erfinder der Lindenstraße, Hans W. Geißendörfer, der ihm eine Rolle anbot. Er sagte zu, aber unter einer Bedingung: Wenn dann nur als Penner, eine Randgruppe, die bislang eher unterbesetzt war. Das ist er nun seit mehr als 16 Jahren.
Und noch etwas habe ich zu berichten: Wer es sich nicht mit Harry Rowohlt verscherzen will, sollte genau auf seine Wortwahl achten. So ist „letztendlich“ in seiner Gegenwart tödlich. Ja, dieses Gespräch war sehr aufschlussreich, interessant und äußerst amüsant – wie der komplette Abend. Ich danke dem Aufbau-Verlag und allen Beteiligten für dieses Ereignis der besonderen Art!

Harry Rowohlt schwirrte dann weg, aber Hans-Christian Oeser konnte ich festhalten. Der Übersetzer wird demnächst in einem Interview bei mir zu Wort kommen.

Und zum Schluss habe ich für euch noch wichtige Daten zum Buch:

Erscheinungstermin: 1. Oktober 2012
Einführungspreis: 49,90 €, ab. 1. Januar 2013: 59,90 €.
2 Bände im Schmuckschuber.
Band 1: Meine geheime Autobiographie, aus dem amerikanischen Englisch von Hans-Christian Oeser, mit einem Vorwort von Rolf Vollmann
736 Seiten, 46 Abbildungen, Leinen, 2 Lesebändchen
Band 2: Zusätze und Hintergründe, aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und betreut an den Universitäten München, Graz und Berlin
397 Seiten, 21 Faksimiles, Broschur, 2 Lesebändchen

Stöbern könnt ihr bereits beim Aufbau Verlag. Einfach hier klicken, schon seid ihr vor Ort und könnt auch unter dem Punkt Veranstaltungen nachschauen, ob ihr nicht bei zukünftigen Lesungen dabei sein könnt. Die Berliner sollten sich schon jetzt den 2. Dezember vormerken, dann findet die Lesung im Maxim Gorki Theater statt.

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3 Gedanken zu “Ein Ereignis: Harry Rowohlt liest Mark Twain.

  1. Liebe Klappentexterin,
    dass hört sich ja nach einem fantastischen und unvergesslichen Abend an! Ich beneide dich sehr um dieses Erlebnis, wobei ich – wenn sich Harry Rowohlt zu mir an den Tisch gesetzt hätte, wahrscheinlich kein Wort mehr herausgebracht hätte und sein Besuch dann dementsprechend kurz ausgefallen wäre.
    Ich freue mich sehr, dass du diese aufregenden Erinnerungen und Eindrücke mit uns teilst.
    Viele Grüße
    Mara

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  2. Das klingt nach einem aussergewöhnlichen Abend, liebe Klappentexterin. Schon allein Mark Twain ist ein Leseerlebnis und ich finde ihn einfach grossartig. Wenn Harry Rowohlt auch noch aus seiner Autobiographie liest, muss der Anlass erst recht umwerfend sein. Danke für deinen ausführlichen Bericht. Hat Spass gemacht hier mitzulesen.

    Liebe Grüsse
    buechermaniac

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  3. Habt vielen Dank, ihr Lieben! Eure Kommentare haben mir nochmal dieses Lächeln aufs Gesicht gezaubert, wie ich es an und nach diesem Abend hatte. Ja, vor allem das Gespräch mit Harry Rowohlt war famos. Das sind Momente, in denen man sich kneifen muss, um zu wissen, ob das, was da passiert auch wirklich wahr ist. Ganz liebe Grüße, eure Klappentexterin.

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