On the Road – unterwegs nach Südfrankreich.

Sofort möchte ich meine sieben Sachen packen und wegfahren! Das habe ich alles Edgar Rai zu verdanken. Sein Roman „Nächsten Sommer“  zündet einfach den Motor in mir an und weckt die Urlauberin. Vorerst bleibe ich aber in Berlin und berichte euch von einer verrückten Reise nach Südfrankreich.

Als Felix seinen Freunden erzählt, dass er in Frankreich das Haus seines verstorbenen Onkels geerbt hat und selbst noch nie dort gewesen ist, fragt Marc: „Und was machen wir dann noch hier?“ Am nächsten Tag bricht die Clique mit Marcs klapprigen VW-Bus in Berlin auf. Leider fehlt eine im Bunde, Zoe hat sich für ihren Geliebten entschieden.

Felix, Marc und Bernhard fahren los. Bereits die ersten Kilometer sind sehr unterhaltsam, da sich relativ schnell herauskristallisiert, dass Bernhard ein Spielverderber ist. Er ist ein Nörgler allerbester Güte, ein richtiger kleiner Muffkopf, dem man gern mal zwicken möchte. Kurz nach Berlin ist er schon in seinem Element und tobt, weil der erhitzte Auspuff zu einem Stopp auf dem Standstreifen zwingt. Bei der ersten Pause auf einem Rastplatz treffen sie auf Lilith, die aus einem Sportwagen flüchtet, weil sie keine Amore machen möchte, schon gar nicht mit Männern. Mit Liebeskummer im Rucksack ist sie auf dem Weg nach Genf zu ihrer Schwester und sitzt schon bald bei den Berliner Jungs im Bus. In Genf angekommen, meldet sich Zoe bei Bernhard, sie hat sich nun doch entschlossen, bei ihren Freunden mitzufahren, und Lilith hält es nach einer Nacht bei ihrer Schwester nicht aus und steigt wieder in den VW-Bus. Die Fahrt geht weiter und bleibt so amüsant.

Dies ist ein verrücktes Roadmovie, das wie eine kühle Sommerbrise leicht daher kommt und trotzdem an einigen Stellen auf Tauchstation geht, wenn lebenswichtige Fragen auftauchen wie die von Zoe: Was wollt ihr wirklich vom Leben? Gar nicht so einfach, denn alle Reisenden tragen Päckchen, an denen sie zu knabbern haben. Zukunftsfragen, Familiengeschichten oder Liebeskummer heißen die Gewichte, die sich zwischen die Leichtigkeit schieben. Edgar Rai schnallt mir die Schwimmflossen an und ich tauche ab in tiefere Gefilde. Das Leben verläuft nicht nach Plan, so eine Fahrt schon gar nicht, das bekommen die fünf bald zu spüren und stoßen auf ungewöhnliche Ereignisse. In einem sehr erfrischenden Ton erzählt Edgar Rai aus dem Leben von jungen Erwachsenen, die hungrig nach dem Leben sind und eine Sehnsucht in sich tragen. Sie flackert in ruhigen Momenten auf und hat etwas von einem Leuchtturm, der in der Nacht die Schwärze der See kurz schluckt.

Die Geschichte ist ein sehnsuchtsvolles Kopfkino, das Freude macht, an einigen Stellen nachdenklich den Wunsch anstößt, zu verreisen, egal wohin. Hauptsache spontan und wenn man gerade nicht solch ein Roadmovie erleben kann,  ist das Buch eine willkommene Abwechslung für den Balkon, die S-Bahn oder oder…

Edgar Rai.
Nächsten Sommer.
Mai 2011, 236 Seiten, 8,95 €.
Aufbau Taschenbuch.

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11 Gedanken zu “On the Road – unterwegs nach Südfrankreich.

  1. Das habe ich dem Liebsten für meine verlorene Wette geschenkt (ich hatte mit ihm um ein TB gewettet, dass ich in elf Monaten meinen SuB auf 40 runterkriege, klappte damals aber leider nicht, weil die Rezensionsexemplare dazwischen kamen). Ihm hat nicht nur das Cover gefallen, sondern auch das Buch. Wenn ich denn endlich mal meine ungelesenen Bücher gelesen habe, werde ich es ihm leihweise stibitzen 🙂

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    1. Liebe Bücherliebhaberin,
      Ich bin jetzt schon auf deine Leseeindrücke zu „Becks letzter Sommer“ gespannt und übe mich in Geduld. Jetzt wo du erstmal im Urlaub bist, wird deine Rezension noch ein bisschen dauern. Ja, „Nächsten Sommer“ ist ein exzellenter Anschluss! Viel Spaß damit!

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  2. „Sehnsuchtsvolles Kopfkino“ ooooooohhhhhhh jaaaa. Huch, tschuldigung, aber ich habe das Buch selber grade erst vor ein paar Tagen gelesen und fand es einfach wunderbar. Am liebsten würd ich sofort wieder meinen Rucksack packen und losreisen…

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  3. ach, das büchlein habe ich letztes jahr auch mit vergnügen gelesen (und besprochen…). es freut mich, daß es dir auch gut gefallen hat, und den garantierten fernweh-effekt, den ich spürte, hast du ja auch gemerkt!
    (übrigens, becks letzter sommer steht dem rai in keiner weise nach…. )
    verehrende grüße
    flattersatz

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    1. Welch großartiges Vergnügen, ja, du sagst es, verehrter Flattersatz. Nicht nur der Inhalt ist schön, auch das Cover macht Freude, nicht wahr? Da möchte man sofort einsteigen und ich höre schon den Motor röcheln… Freut mich, dass wir uns wieder ein Buch teilen können. (Danke übrigens für deine zweite Klammer, da kann ich nur lächelnd zustimmen. )

      Hochachtungsvolle Grüße,
      Klappentexterin

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