Vive la France.

Gibt es eine deutsche Autorin, die den typischen Charme einer Französin versprüht? Ja, ihr Name ist Bertina Henrichs. Mit „Ein Garten am Meer“ hat sie mich in Berlin eingepackt und mit nach Frankreich genommen.

In Plouerbec angekommen, werde ich glückliche Zuschauerin einer entzückenden Geschichte, die in einem kleinen Küstendorf in der Bretagne spielt. Schon auf der ersten Seite höre ich den Atlantik rauschen und verliere mich in dem prächtigen Farbenspiel, das die Landschaft dem Betrachter bietet. Relativ schnell weiß ich, diesen Ort kann man einfach nur lieben wie die Menschen, die dort leben.

Wie Marthe, eine ältere Witwe, die hier einst mit ihrem geliebten Mann gelebt und ihre Kinder großgezogen hat. Nun möchte sie in Ruhe und Frieden ihren Lebensabend genießen. Ein bisschen Abwechslung findet Marthe in der Schule, wo sie Nachhilfe gibt und bei ihrer Aushilfstätigkeit in der Bibliothek. Oder Hans von Scharnbeck, ein Deutscher, der sich mit seinem Boot hier niedergelassen hat. Es könnte alles so schön sein, wenn da nicht die große Bedrohung wäre: Ein Unternehmen plant genau dort, einen großen Freizeitpark zu errichten. Erste Bewohner haben schon großzügige Angebote des Investors angenommen und ihre Häuser verlassen. Jetzt fehlt nur der kleine andere Rest, doch der widersetzt sich dem ganzen Vorhaben. So hecken Marthe und ihre Nachbarn einen Plan aus. Hartnäckig ignorieren sie die Kaufangebote, die immer lukrativer werden und verteidigen ihr geliebtes Land. Plötzlich werden aus Fremden Freunde, die nur ein Ziel verfolgen und sich gegenseitig helfen. Dabei entstehen ganz automatisch reizende Verbindungen, an die vorher so keiner gedacht hätte.

Bertina Henrichs ist ein bezauberndes Buch gelungen, das zart, lebensfroh und mutig ist. Liebenswürdig erzählt sie eine entzückende Geschichte, schafft dabei wunderschöne Bilder und holt mir die französische Küste direkt nach Hause. Und in alldem bin ich bei den Menschen, bewege mich Seite an Seite durch ihren Kampf und blicke in ihr Leben mit den Träumen und kleinen Sorgen. Es tauchen heitere Momente auf, die übermütig machen und manchmal huscht eine Melancholie dazwischen, die niemals so schwer wird, dass man glaubt davon erdrückt zu werden. Ich spreche von jener besonderen Symbiose, die Franzosen stets bravourös in ihre Geschichten umsetzen. Oder anders ausgedrückt: Ein Seufzen hier, ein Lächeln dort und daneben das besondere Glück.

Bertina Henrichs.
Ein Garten am Meer.
Februar 2011, 176 Seiten, 17,- €.
Hoffmann und Campe.

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4 Gedanken zu “Vive la France.

  1. Um ein Haar hätte ich diese Buchmesse-Entdeckung wieder vergessen.
    Schön, hier daran erinnert zu werden!
    Und wie passend, hat doch erst heute ‚Denn das Glück ist eine Reise‘ gemeinsam mit mir die Buchhandlung verlassen.

    Liebe Grüße!

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    1. Wie gut, dass ich noch rechtzeitig zur Stelle war, bevor das Vergessen zu groß geworden wäre. ; )
      „Denn das Glück ist eine Reise“ ist eine gute Freundin von dieser Lektüre, ja, sie sind sich sehr nah die beiden. Entzückende Lesestunden wünsche ich dir.

      Liebe Grüße,
      Klappentexterin

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