Buchmesse – (M)ein kritischer Rückblick.

Bücher, Bücher… wohin das Auge reicht und dazwischen jede Menge Menschen, große und vor allem kleine. Damit meine ich zahlreiche Schulklassen, die sich auf der Leipziger Buchmesse lautstark in den Massen bewegt haben. Die Zukunft des Buches ist demnach gesichert, wenn ich an die vielen interessierten Jungen und Mädchen zurückdenke, die neugierig zwischen all den Ständen herumgeschlendert sind. Manchmal sind sie mir aber schon ein bisschen auf die Nerven gegangen mit ihrem Geschubse und Gekreische.

Zu meinem liebsten Ort gehörte vor allem Halle 5. Dort präsentierten sich einige junge, unabhängige Verlage. Die Stände waren meist nicht größer als ein paar Quadratmeter. Doch so klein sie waren, so großherzig waren die Menschen, mit denen ich dort ins Gespräch gekommen bin. Sie hatten offene Ohren für das, was man gesagt und gefragt hat. Noch auf der Hinfahrt habe ich in einem Leipziger Radiosender gehört, dass die kleinen Verlage es immer schwerer haben, sich im großen Buchhandlungskettenuniversum durchzusetzen. Gerade die Messe sei für sie eine besondere Chance und die haben sie großartig genutzt.

Die größeren Verlage hatten da schon mehr Fläche. Hier und da traf ich auf bekannte Gesichter. Bei diogenes konnte ich Astrid Rosenfeld persönlich für das schöne Buch „Adams Erbe“ meine Hochachtung aussprechen. Dies nahm sie mit freundlichen Worten entgegen. Und sie ist wirklich so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das sind immer wieder besondere Buchzaubermomente, die all das Laute und Schnelle einer Messe unter einer Glocke ersticken.

Ja, laut und schnell geht es auf einer Buchmesse zu. Was habe ich erwartet? Etwas anderes. Komm runter von deinem Wolkenkuckucksheim, liebe Klappentexterin, höre ich einige Geister rufen. Das bin ich nach dem Besuch wahrlich. Autsch! Tat das weh und nun bin ich ein wenig desillusioniert. Ich habe an einigen Ständen eins vermisst: Das Lächeln. Stattdessen blickte ich in kalte Gesichter und blieb im Abseits stehen, habe die Verlagsmenschen lange beobachtet, denn ein Fünkchen Hoffnung schlummerte doch in meiner romantischen Ader. Pustekuchen! Es blieb kalt. So schnappte ich mein Herz und floh woanders hin. Jetzt weiß ich, so reichhaltig wie die Buchwelt ist auch die Verlagswelt. Dennoch freue ich mich sehr über die zauberhaften Momente und puste die Eiswinde weg.

Und was ist mit den ganzen Büchern? Ich wollte euch viele Tipps mitbringen, liebe Leser. Nur ist es so: Die Buchmesse hat ein wenig etwas von einem Jahrmarktbesuch. Es ist bunt und schillernd, flimmernde und blitzende Bilder tanzen vor den Augen. Entweder man springt hinaus und schreibt alles auf und man bleibt drin gefangen und genießt. Dieses Mal habe ich mich für die zweite Variante entschieden. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür.

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19 Gedanken zu “Buchmesse – (M)ein kritischer Rückblick.

    1. Liebe Charlene,
      und das Ergebnis lautet: Deckungsgleich. Sollen wir uns nun freuen oder darüber nachdenken? Ich entscheide mich für die Freude und lasse die Gedanken einfach lautlos in meinen Büchern verschwinden.
      LG
      Klappentexterin

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  1. Ja, ich persönlich finde Messen ziemlich anstrengend. War ja selbst letztes Jahr mit meinem Verlag auf der Frankfurter Buchmesse und fühlte mich völlig durch den Wind schon nach einem halben Tag.
    Mir gehen auch ein bisschen die Besucher auf die Nerven – ich weiß nicht wie schlimm das in Leipzig jetzt mit diesen Cosplayern war. Es ist halt alles sehr groß und unübersichtlich und wie du schreibst – die wahren Schätzchen sind eher unscheinbar und man braucht viel Glück insgesamt, auch wirklich das zu finden, was man sucht (im Sinne von positiven Kontakten und Erfahrungen).

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    1. Liebe Friederike,
      jetzt kann ich dir das sehr nachempfinden. Vor einigen Tagen hätte das noch anders ausgesehen. Da kommt vieles zusammen: die vielen, vielen Menschen, das Geschnatter, das Geschubse, Hektik… Vielleicht verliert man da schon mal schnell das Lächeln? Die ungewöhnlichen Wesen fand ich entzückend. Sie machen aus mir immer ein kleines Mädchen und schaffen es, dass ich – wenn auch nur für wenige Sekunden – aus dem Messestrom herausschwimme. Schätzchen sind ein kostbares Gut, die nicht an der Oberfläche zu sehen sind, sondern sich versteckt halten. Doch es gibt sie, wenn man die Äuglein weit genug aufmacht, aufklappt und dann später glücklich drüber lacht…

      Viele Grüße
      Klappentexterin

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  2. Schön ist dein Bericht! Ja, in Halle 5 wären wir uns – nachdem was du geschrieben hast wahrscheinlich auch begegnet. Aber leider war ich nicht da!

    Gerade die kleineren Verlage veröffentlichen meiner Meinung nach viele interessante Werke, die man oftmals in der Buchhandlung leider kaum, bis gar nie vorfinden wird. Eigentlich ziemlich schade, weil dadurch eventuell einige zauberhafte Momente (so wie du es so schön ausdrückst) unentdeckt bleiben würden. Mit der Verlagswelt kenne ich mich nicht aus, aber deine Gespräche müssen höchst interessant gewesen sein. So freue ich mich über die schönen und weniger über die kalten Momente, die du in Leipzig hattest.
    Liebe Grüße u. ein schönes Wochenende wünsche ich dir.

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    1. Liebe Tanja,
      danke für deinen schönen Kommentar und das gemeinsame Teilen. Irgendwie muss es sie noch geben, die kleinen Perlen, die nicht offensichtlich auf der Straße liegen.

      Viele Grüße zum sonnigen Sonntag
      Klappentexterin

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  3. Interessanter Rückblick!
    Sobald größere Menschenmassen durch Hallen ziehen und man aufpassen muss, dass man sich nicht gegenseitig über den Haufen läuft, kann es immer anstrengend werden. So habe ich auch viele Messen in Erinnerung. In Leipzig war ich schon länger nicht mehr.

    Bei Lesungen live dabei sein zu können finde ich schon schön, im kleineren Rahmen ist das aber auch angenehmer. Wenn man dann im Anschluss den Autor noch persönlich kennen lernen darf, ist das toll, finde ich.
    Die Kulturzeit in 3Sat sendete gestern live von der Buchmesse. Es ging ums Geld, Kapitalismus und die Finanzkrise. Unter anderem wurde auch der Berlin Verlag erwähnt, auf dessen Schicksal Du ja mit Deinem offenen Brief hier aufmerksam machtest. Die Reaktion war sehr vorsichtig und das Thema ging schnell wieder auf andere Dinge über, wie die Buchpreisbindung. (Ich musste bei der Sendung an Deinen Beitrag denken, in der Mediathek gibt es noch viele andere Berichte von der Buchmesse).

    Schön finde ich, wenn bei Buchmessen auch Kunstausstellungen wie z.B. die schönsten Illustrationen aus Büchern oder auch die schönsten Bücher präsentiert werden. Wenn es also nicht nur um die Autoren und Verlage geht, sondern auch die Arbeiten anderer Leute, wie die der Illustratoren, gewürdigt werden. War dahingehend in Leipzig etwas zu sehen?

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    1. Danke für deine Wortmeldung! Ich hatte die Illusion, dass so ein komisches Messe-Massen-Gefühl bei Büchern nicht entstehen kann. Bücher, die Welt der Phantasie und Spannung. Wie sie uns aus dem wirklichen Leben gerne hinaustragen und sich manchmal wie kleine Schutzpanzer vor dem grauen Alltag stellen, Böses abwehren und Gutes durchlassen. Aber wie gesagt, es war nur eine Illusion oder ein Wunschdenken. Nun bin ich ja aufgewacht.

      Danke für deinen Hinweis zur Kulturzeit. Da werde ich mich mal in der Mediathek umschauen. Gestern Abend habe ich es dann doch geschafft, Literatur im TV nicht zu verpassen. Das war eine interessante Diskussionsrunde auf 3sat. Hast du es gesehen?
      Die Kunstaustellungen hatte ich so gar nicht vor Augen und kann dir daher gar nicht sagen, inwiefern sie gewürdigt worden. Ein interessanter Hinweis von dir.

      Liebe Grüße
      Klappentexterin

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      1. Ich habe jetzt nach Ende der Messe noch ein paar Bilder gesehen, wo es schon wirklich sehr voll aussah. Das bedeutet dann immer Stress. Etwas kleiner wirkt meistens familiärer und gemütlicher. Die großen Messen bleiben trotzdem das Vorbild, obwohl man selbst das gar nicht immer für so erstrebenswert erachtet. Aber wie schon festgestellt wurde, geht es ums Geschäft.

        Die Diskussionsrunde habe ich nicht gesehen, werde das aber dann demnächst nachholen. Die schönsten Kinderbücher aus aller Welt und eine Ausstellung der besten Illustrationen habe ich letztes Jahr gesehen, das hat mir sehr gefallen.

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  4. Hallo liebe Klappentexterin,

    ich bin durch Zufall auf deinem Blog gelandet und finde ihn wirklich wunderschön. Sowohl äußerlich als auch das, was ich bisher inhaltlich gelesen habe. Aus diesem Grund habe ich dir auch hier: http://tinkerfairysbibliothek.wordpress.com/2011/03/19/mein-2-award/ einen Award weiter gegeben.
    Ich hoffe, du bist damit einverstanden, wenn ich deinen Blog mit meinem verlinke.

    Liebe Grüße

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  5. Meine Liebe, ich kann Dich gut verstehen. Ich hatte ebenfalls die Illusion als ich das erste Mal auf der Buchmesse war (es war allerdings Frankfurt), dass ich Zeit und Muße hätte, in den Schätzen zu stöbern. Leider war dem nicht so, nur hecktisches Treiben und so furchtbar viele Menschen. In Frankfurt wohl noch schlimmer als in Leipzig, hab ich mir zumindest sagen lassen, da ich in Leipzig bisher noch nicht war. Auch ich war erstaunt über die Anziehung der Bücher, denn mit diesen Massenansammlungen hatte ich nicht gerechnet. Auch die Autoren gingen im Massengedrängel unter. Von vielen Lesungen wurde man auf der Internetseite der Buchmesse gar nicht im Vorfeld informiert. Ich muss gestehen, ich war froh, wieder nach Hause fahren zu können. Kaufte mir auf dem Heimweg ein Stück Kuchen und setzte mich mit einen Kaffee gemütlich an den Tisch, um zu schmökern. Sicherlich ist so eine Messe eine Erfahrung, dennoch ziehe ich Buchläden zum Stöbern oder auch das Internet, um Tipps zu erhalten, vor.

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    1. Liebe Sonni,
      Frankfurt stelle ich mir noch voller, hektischer und lauter als Leipzig vor. Was die Leipziger Buchmesse aber vor allem auszeichnet, ist das Programm drum herum. Die vielen Lesungen in der Stadt. Vielleicht fahre ich nochmal dorthin, nicht um die Messe zu besuchen, sondern die Lesungen.
      Viele Menschen sind am Ende einer Buchmesse enttäuscht, weil sie dort das nicht finden, was ihnen oft die geliebten Bücher schenken: Ruhe. Du hast es ja so schön beschrieben, dass du mit Zeit und Muße stöbern wolltest, dir stattdessen das hektische Treiben dazwischen funkte.
      Kuchen und Kaffee hört sich aber großartig nach so einem anstrengendem Tag an. Das werde ich mir merken.

      Herzlichst,
      Klappentexterin

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  6. Liebe Klappentexterin,

    mir erging es ganz ähnlich bei meiner ersten Messeerfahrung im vergangenen Jahr. Ich war weder in Leipzig noch in Frankfurt, sondern in Turin, aber die Zustände waren so ziemlich dieselben. Es hat ein wenig Bahnhofs- oder Marktatmosphäre, die Massen schoben sich durch die Gänge, alles war ungeheuer weitläufig und doch eng angesichts des Besucherandrangs, und das schöne „Schmökern“, das für Bücherliebhaber eine so typische Beschäftigung ist, fällt irgendwie schwer bei all dem Lärm und der Enge. Man sollte wohl bei einer Messe nicht den Charme eines gemütlichen Buchladens erwarten, wo Kunden und Verkäufer gemächlich ihrem Geschäft nachgehen. Das verrät ja schon das Konzept der Messe, das nicht mit „Gemächlichkeit“ vereinbar ist – offenbar auch nicht im Falle einer Büchermesse.

    Ob Enttäuschung oder nicht – eine spannende Erfahrung ist es allemal – das meine ich auch aus deinem Bericht verstanden zu haben. Gerade die Autorengespräche schaute ich mir sehr gerne an (Lesungen sind in Italien leider noch eher rar, irgendwie funktionieren die hier nicht so wie in Deutschland). Trotz all des Stress, der bei so einem Messebesuch aufkommt, möchte ich diese Erfahrung noch einmal machen, eines Tages hoffentlich auch in Leipzig oder Frankfurt.

    Lieben Gruß

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    1. Liebe ck,
      danke für deinen Kommentar! Wenn man erstmal aus seinem Wolkenkuckucksheim gefallen ist, geht man ganz anders mit der Messe um. Bücher zu verkaufen ist genauso ein Geschäft wie Lebensmittel oder Reisen zu verkaufen. Messe bleibt demnach Messe. Aber so wirklich greifen kann man es wohl erst, wenn man das Ganze erlebt hat. Vorher wollte ich es nicht glauben. Ja, ich stimme dir zu, dass es in jedem Fall eine spannende Erfahrung war, die ich nicht missen möchte. Ich hoffe und wünsche dir, dass du die Erfahrung in Leipzig oder Frankfurt machen wirst.

      Lieben Gruß
      Klappentexterin

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  7. Ich glaube man muss sich damit abfinden, dass es eine Messe ist, wie andere auch. Ziel ist dabei, neue Produkte unters Volk zu bringen und die Verkaufszahlen anzukurbeln. Leider (oder besser: zum Glück!) vergisst man diesen Umstand im Elfenbeinturm des eigenen Lese- und Bücherkosmos. Meine Erfahrungen sind da ganz ähnlich: Buchmessen sind interessant und spannend, aber mir zu wenig persönlich und zu wenig menschlich, als dass sie zum besonderen und unvergesslichen Erlebnis werden könnten. Es ist interessant zu lesen, dass es vielen von „uns“ Bibliophilen da ganz ähnlich geht.

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    1. Danke für deinen Kommentar! Ich sehe es genauso wie du, vor allem schätze ich den Satz sehr: „Es ist interessant zu lesen, dass es vielen von „uns“ Bibliophilen da ganz ähnlich geht.“

      Lieben Gruß
      Klappentexterin

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  8. *hm* alle schreiben und reden über die Buchmesse, doch leider ist sie vieeel zu weit weg von uns. Ich denke wir sollten dies nä. Jahr viell. mit einem Urlaub verbinden?! Ich finde es aber echt toll von dir, dass du dies auch mal kritisch betrachtest. Von allen anderen hört man nur das „blaue vom Himmel“ wenn man über die Buchmesse was liest. Danke für die ehrliche Meinung! Obwohl ich mir gut vorstellen kann dass es von Menschen nur so wimmelt, irgendwie möcht ichs doch mal erleben! 🙂
    lg

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    1. Danke dir für deine Wortmeldung! Erleben sollte man das in jedem Fall einmal. Auch wenn ich mir das Ganze anders vorgestellt habe, freue ich mich über die Antwort. Ich kann dir vor allem die Buchmesse mit einer Reise nach Leipzig ans Herz legen. Eine wunderschöne Stadt und es gibt dann auch zahlreiche Leseveranstaltungen. Genau das zeichnet die Leipziger Buchmesse aus.

      Liebe Grüße
      Klappentexterin

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