Ein Freund, ein guter Freund…


Es ist jedes Mal ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn mir ein Buch die Sprache raubt. Ich möchte so viel schreiben und tauche in ein tiefes Schweigen, das mich wie eine dicke Strickjacke umarmt. Die Macht der Geschichte ist einfach zu groß und hält mich fest im Arm. Leise sitzen wir da und schauen uns lächelnd an. „Luke und Jon“ von Robert Williams ist so ein Buch. Ich bin durch einen Artikel auf Spiegel Online auf das Debüt gestoßen und wusste sofort: An einen Buchhändler, der in der Mittagspause eine Jugendgeschichte aufschreibt, möchte ich nicht vorbeilaufen. Die Entscheidung war Gold wert.
Der junge Engländer erzählt in seinem Roman auf eine warmherzige Art über zwei Außenseiter, denen das Schicksal hart zusetzt. Für Luke hat gerade das andere Leben angefangen, ohne seine geliebte Mutter. Die ist nach einem Verkehrsunfall gestorben. Als wäre das nicht schon schlimm genug, eskaliert die finanzielle Situation der Familie. Luke und sein Vater müssen in eine andere Stadt ziehen und finden außerhalb, auf einem Berg, ein heruntergekommenes Haus. An einem regnerischen Tag erreichen sie die neue Heimat und überfahren fast einen Jungen. Es folgen kurze Schockmomente und dann ist er fort. Bald kommt der regnerische Schatten namens Jon zurück, und es beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft. Jon lebt bei seinen Großeltern, die keine Kraft mehr haben, das Haus zu bewirtschaften. Er wohnt in einem schmutzigen Loch, und wird als Ausgestoßener in der Schule gehänselt. Wie Luke für seinen neuen Freund einsteht und wie viel Kraft selbst in Menschen größter Not steckt, zeigt uns Robert Williams mit seiner feinfühligen Sprache. Er zeichnet atmosphärische Bilder und lässt uns darin aufgehen wie Blumen, die aus einem Winterschlaf erweckt werden. Dieser Autor wird zu Recht als neuer Salinger bezeichnet und sollte von jedem Heranwachsenden gelesen werden. Selbst wenn man am Ende sprachlos zurückbleibt, ist eine geballte Ladung Gefühle da, um an das Gute zu glauben.

Robert Williams.
Luke und Jon.
November 2010, 186 Seiten, 8,95 €.
Berliner Taschenbuch Verlag.

Die Klappentexterin ♥ Robert Williams:
Jemand, der in der Mittagspause so ein Werk zusammenschreibt, kann ich nur mögen. Ich bin beeindruckt von so vielem: Die Sprache, die Geschichte, der Plot – alles!

Über den Autor:
Robert Willams ist 32 Jahre alt und der Sohn zweier Bibliothekare. Er verbrachte während seiner Kindheit viel Zeit in der Stadtbibliothek einer nordenglischen Kleinstadt. Acht Jahre lang arbeitete der junge Autor als Buchhändler. „Luke und Jon“ ist sein erster Roman, mit dem er ausgezeichnet worden ist.

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6 Gedanken zu “Ein Freund, ein guter Freund…

  1. I google translated the review and it looked like a really good one. If google translation tricked me and I look silly, well so is life. But if not, thank you very much.
    (a writer isn’t supposed to comment on reviews and I haven’t before, but sometimes it’s good to break the rules)
    Rob Williams

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  2. Die Klappentexterin dankt für eure Kommentare und freut sich, dass dieses Buch noch weitere Leser bekommen wird. Gerade euch beiden wird es sehr gefallen.

    Dear Rob Williams,
    thanks a lot for your comment! I’m really happy about your words and that you broke the rules! I wish you all the best and hope to read more from you soon! Greetings from Berlin.

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  3. Wieder ein Buch, um das ich schon länger herumschleiche. Aber nach deinen Worten, muss ich es auf jeden Fall auch haben. Beeindruckend, wie du es schaffst, so Lust auf ein Buch zu machen.
    Liebe Grüße,
    Mondscheinblume

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