Ein Klagelied über das sich selbst erhaltende Literatursystem.

Annina Luzie Schmid betreibt die beiden Blogs GIRLS CAN BLOG und WORDS ON A WATCH. Die Bloggerin ist auch junge Autorin und verfasst literarische Werke. Wie bereits berichtet, bin ich bei ihr auf ein Interview mit Josef Haslinger gestoßen. Sie hat selbst dazu auf WORDS ON A WATCH einen kritischen Beitrag auf Englisch verfasst. Für die Klappentexterin gibt es ihre Gedanken zum Thema der Schreibschulen wie das Literaturinstitut Leipzig heute auf Deutsch.

„Ich langweile mich (und wahrscheinlich auch Euch Leser) mit dem ewig gleichen Klagelied über das sich selbst erhaltende Literatursystem, das sich nicht trauen kann, Neues zu probieren. Und zwar fehlt ihm nicht nur der Mut dazu, sondern es wird ihm auch die Grundlage für Experimente entrissen, indem das Schreiben zunehmend durch Schulen homogenisiert und professionalisiert wird. Ein Josef Haslinger vom Deutschen Literaturinstitut in Leipzig kann mir lange von dem Streben nach Originalität seiner Schüler erzählen, die er auf einen Markt vorbereitet, der Leute wie Helene Hegemann für eben jene (fälschlicherweise zugeschriebene) feiert – gut nur, dass sie keine Autorenfabrik seiner Art besucht, sondern sich selbst beigebracht hat, wie man literarische, oder soll ich lieber sagen: Lebenserfahrung zusammenklaubt. Josef Haslinger darf nicht vergessen, dass Schulen wie seine erst zum Niedergang der Autorengruppen geführt haben, nicht umgekehrt, indem sie nämlich, bildlich gesprochen, im Namen ihrer Schüler frankierte Umschläge auf die Lektorentische der Verlage senden. Und was will eine Autorin mehr, als ihr Werk in chicem Einband veröffentlicht sehen? Die Holschuld der Lektoren hat sich in eine Bringschuld seitens der mit solcherlei Prozessen völlig überforderten Jungautoren verwandelt; das ist die einzige Marktlücke, die eine Schreibschule schließt. Es geht um eine Effizienzsteigerung in der Auflagenproduktion, einen doppelten Boden für Verlage, die gar nicht mehr wissen, wo sie – mangels fähiger Autorengruppen und aufgrund von aus dem Kulturetat rationalisierten literarischen Zeitschriften – noch nach wahren Talenten suchen sollen.“

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