Leben wir in einer genormten Literaturwelt?

Wie ein Maulwurf habe ich gegraben. Und es war sehr schwierig, positive Beispiele von jungen Autoren für euch zu finden, die vor ihrem Debüt nicht das Schreiben studiert haben. Vielleicht war ich auch einfach nur auf dem falschen Hügel, aber in den meisten Biographien von jungen Literaturschaffenden stoße ich entweder auf ein Studium am Literaturinstitut in Leipzig oder in Hildesheim.

Schnell kamen dabei Fragen auf. Geht das eine nur mit dem anderen? Wie kommt es, dass heute so viele junge Autoren die Schreibschulbank gedrückt haben? Es liege vielleicht auch an der guten Ausbildung dieser Institute und der Erfolg gibt ihnen recht, erfahre ich von einer Lektorin aus einem großen Publikumsverlag. Eine andere Stimme fragte mich: Haben früher so viele geschrieben und wurden publiziert? Ist heute nicht alles durchgeplanter? Gibt es nicht mehr durchorganisierte Lebensläufe und immer weniger Möglichkeiten, auszubrechen? Am Ende frage ich mich ernsthaft: Sind wir eine genormte Welt, vor der auch die Literatur nicht verschont bleibt?

Josef Haslinger ist ein österreichischer Schriftsteller und lehrt seit 1996 als Professor an dem renommierten Literaturinstitut Leipzig. Ich bin durch den LitBlog WORDS ON A WATCH auf ein interessantes Interview bei ZEIT online gestoßen und habe einige richtungsweisende Antworten erhalten. Dort erfuhr ich, weshalb es heutzutage zum schriftstellerischen Erfolg beiträgt, das Schreiben studiert zu haben. So berichtet Josef Haslinger davon, dass es im 20. Jahrhundert Autorenverbände und Zeitschriften gegeben hat, in denen sich die Autoren mit schriftstellerischen Arbeiten auseinander setzen konnten. In den Gruppen und Zeitschriften ist man die Texte durchgegangen und hat Schwachstellen diskutiert. Damals galt es auch als Anerkennung, wenn man in einem der Autorenverbände aufgenommen wurde. Heute gibt es das nicht mehr. Durch den Niedergang eben jener Vereinigungen und Zeitschriften, ist eine Lücke entstanden, die das Literaturinstitut Leipzig auffangen will. Jährlich bewerben sich 600 junge Autoren in Leipzig – genommen werden aber nur 20. Hat man es erst einmal geschafft, geht man durch eine eiserne Schule, denn die Studenten müssen auch sehr harte Kritik einstecken.

Nun nehme ich die Aussage der Lektorin wieder auf. Der Erfolg gibt dem Institut recht. Eine Vielzahl der Absolventen haben gute Bücher geschrieben. Ich denke dabei an Clemens Meyer, Judith Zander, Juli Zeh, Sasa Stanisic, Kristof Magnusson und gestehe ehrlich: Ihre Werke haben mich begeistert, jedes auf seine Weise. Sie sind radikal, aufrüttelnd, sensibel und bemerkenswert. Eindrucksvoll haben sie sich in meinen Geist gebrannt. Nur habe ich sie nicht gefunden, sondern sie haben mich gefunden. Das ist u.a. durch eine gute Werbung der Verlage geschehen oder auch die eine auffallende Präsenz in den Medien. Wer weiß, ob ich ohne das Aufsehen jemals auf diese Bücher gestoßen wäre.

Dennoch finde ich es auf der anderen Seite mutig, dass einige Verlage jungen Autorinnen mit einem großen Auftritt unterstützen. Immerhin ist das Buchgeschäft hart. Jährlich erscheinen hunderte Novitäten durch die sich tausende Buchhändler kämpfen. Da ist es manchmal schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sicherlich laufen bekannte Schriftsteller von allein und landen nicht selten in der Spiegel- Bestsellerliste. Das ist für junge, unbekannte Autoren eher schwieriger, und das wissen die Verlage. Wer gibt ihnen die Garantie, dass sie am Ende mit dem jungen Autor Erfolg haben werden?

Was passiert aber mit all den anderen Autoren, die es nicht nach Leipzig oder Hildesheim schaffen? Auch sie leben für ihren Traum vom Schreiben. Und sie sind nicht schlechter. Wenn man das Schreiben für sich entdeckt hat, bleibt es in einem drinnen. Es schlägt mit dem eigenen Herzen im Gleichklang, und zu ihm setzt sich der Wunsch, auch irgendwann ans Tageslicht kommen zu können. Das eigene Werk ist das Ergebnis einer Arbeit von Monaten oder gar Jahren. Da ist es eine Auszeichnung das Schaffen in den Händen zu halten und in Buchhandlungen liegen zu sehen. Welch ein Glück! Mehr als das. Es ist ein Teil des Lebens und wertvoller als ein Goldbarren.

Dort draußen sitzen etliche junge Menschen, die nichts anderes wollen, als zu schreiben. Einige lassen sich nicht abschrecken und machen weiter. Und auf so einen Autor bin ich gestoßen. Er ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es auch ohne Leipzig und Hildesheim möglich ist, ein erfolgreicher junger Autor zu sein. Wer es ist und wie er es geschafft hat, verrate ich euch demnächst.

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35 Gedanken zu “Leben wir in einer genormten Literaturwelt?

  1. Hmm! Das ist ein schöner Artikel, doch ich denke, dass wir eher in einer manipulierten Literaturgesellschaft leben durch Buchhandlungen, die nur bestimmte Bücher von Verlagen, die es sich leisten können, in ihre Filialen stellen! So werden Bestseller schon geprägt, weil ein richtiges GUTES Buch eines kleines Verlages gar keine Chance hat! 😉
    So etwas finde ich schlimmer, aber was du angesprochen hast, ist ein sehr interessanter Aspekt 🙂
    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Charlousie,
      danke für deine Wortmeldung! Das ist ein großer Apparat, den du angesprochen hast, eins bestimmt das andere… eine Endlosschleife, die ganz schwindelig macht. Kleine Verlage können sich oftmals auch nicht eine große PR-Maschine leisten etc. oder werden gar nicht erst in Buchhandlungen angeboten. Ich finde es ebenso schade. Dennoch wird es immer Liebhaber geben, die auch Bücher aus kleinen Verlagen kaufen, weil sie das Besondere schätzen.

      Liebe Grüße
      Klappentexterin

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  2. In Hildesheim – einstmals meine allererste Studienbewerbung – zerplatzte meine Jugendillusion. Bestimmt war es besser so und kreativ im Schreiben bestimmt nicht meine Berufung. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie einen Roman der dortigen Absolventen las?!

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      1. Weil ich mich nun, 8 Jahre später, auf der Seite des Konsumenten eher zu Hause fühle als auf der des Produzierenden. Aber ich glaube, dass anderen Träume nachhaltig zerstört werden, erfahren sie derlei Ablehnung.

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    1. Wenn es dir so besser geht, dann ist alles okay, wenngleich ich doch neugierig bin, was passiert wäre, wenn… Aber die Hauptsache ist, dass du zufrieden bist wie es ist.
      Wünschen wir den anderen Schreibenden den Mut, der durch solche Absagen arg ins Schwanken gerät, trotzdem weiterzuschreiben und an den großen Traum, die innere Bestimmung zu glauben.

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  3. liebe klappentexterin,

    danke für den klugen artikel. er weckt hoffnung und ganz viel traurigkeit.
    ich habe auch versucht, einen verlag für mein kleinen roman zu finden, erfolglos. und literaturwettbewerbe gewinnen mittlerweile auch nur noch autoren, die entweder studiert haben oder eben auf poetryslams lautstark ihre texte performen.
    die heutige literaturmaschinerie ist kommerziell geworden wie alles andere auch.
    deshalb danke an dich, daß du die seele in den texten und büchern erkennst und kundtust!
    liebe grüße von ilona.

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    1. schön, dass sich das mal wieder öffentlich fragt!

      Es ist wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Der Kaiser ist nackt!
      … Im Märchen hatte ein Kind als erstes den Mut, das laut auszuprechen.

      Die deutsche (Nachwuchs-) Literatur ist bis auf wenige Ausnahmen weitestgehend genormt. Durch Schreibschulen, feige Verlage und nachplappernde Feuilletonisten.

      Etwas polemisch aber treffend formuliert es der Blogger Don Alphonso (FAZ) in seinem Beitrag „Das Versagen des heiligen Feuilletons deutscher Nation vor dem Westviertel“ den er während der „Hegemann-Affäre“

      „Jahrelang mühte sich das heilige Feuilleton deutscher Nation ab, aus den Schreibschulen des Landes vom Open Mic über das Literaturinstitut in Leipzig bis in die Klagenfurter Abgründe neue junge, weibliche Literaturhoffnungen zu entdecken, die sog. Germanistinnenliteratur schrieben. Geschichten von und über junge Frauen mit Modeproblemen vom Ekzem über die Kotzbrechsucht und Magersucht bis zu anderen Auslösern für wortkarge, aber angeblich tief gründende Innerlichkeit. Das heilige Feuilleton deutscher Nation jubelte, die Prinzesschen wurden bepreist, durften Stipendien geniessen und wurden nach zwei Jahren spätestens durch neue Prinzessinnen mit neuen Figuren und neuen Krankheiten ersetzt, deren Bücher auch niemand lesen wollte.“

      http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/02/20/das-versagen-des-heiligen-feuilletons-deutscher-nation-vor-dem-westviertel.aspx

      Den von der hermetisch abgeschlossenen Welt der Nachwuchsliteraten ausgeschlossenen Talente sei die Lektüre ‚Tippgemeinschaft‘ (DLL) empfohlen. Dort lässt sich mühsam erlesen, wie die meisten der NachwuchsautorInnen mit ganz lauwarmem Wasser kochen.

      Deshalb: Nicht aufgeben. Weiter schreiben.
      Auf „dass nichts bleibt, wie es war!“

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    2. Das betrübt mich, liebe Ilona. Wieviele Verlage hast du denn angeschrieben? Einige bekannte Autoren haben auch einst etliche Absagen bekommen, bevor man ihr Buch verlegt hat.
      Das Kommerzielle zieht ja alles nach sich. Man bedenke allein die Haltbarkeit der Bücher. Heute noch beliebt, morgen schon vergessen. Das Kommerzielle raubt auch ganz schön viel von dem Mut, andere Wege einzuschlagen. Nun wir werden es nicht ändern können, aber wir können uns darin einrichten und in die Buchwelt tauchen, die uns glücklich macht.
      Liebe Grüße, Klappentexterin

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  4. Ganz verblüfft war ich, als ich deinen Beitrag entdeckte, grübelte ich in letzter Zeit doch über fast das gleiche Thema: Herrschen durch all diese Creative-Writing-Kurse und -Bücher heutzutage nicht vollkommene Gleichförmigkeit und genormte Qualitätsstandards in der Literatur, wenn jemand bestimmen kann, wie man zu schreiben hat, was richtiges und falsches (oder zumindest gutes und weniger gutes) Schreiben ist? Sind da überhaupt noch Ausreißer möglich, andersartige Experimente?
    Schrieb man früher hingegen tatsächlich impulsiver, origineller, mehr aus dem Inneren und der eigenen Einstellung und Wirklichkeitssicht heraus, weniger genormt? Ich zumindest habe diesen Eindruck. Wenn man den ein oder anderen Klassiker zur Hand nimmt, dann mag dieser nicht heutigen Standards gerecht werden, mag keinen Spannungsbogen und keine nachvollziehbare Charakterentwicklung aufweisen und doch umhüllt ihn ein Glühen der Einzigartigkeit, des Genies, des großen Künstlers. Findet man so etwas in der heutigen genormten Literaturwelt noch? Muss ich nur genauer suchen?

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    1. Liebe Lena, ich finde deine Beobachtung interessant. Ich habe mir die Frage mit der Norm der Literatur gestellt, nachdem ich einige Bücher von jungen Autoren gelesen und mich im Internet dazu belesen wollte. Die Geschichten selbst finde ich schon vielfältig, nur die Lebensläufe ähneln sich immer im besagten Punkt.
      Früher schrieb man anders, weil der Buchmarkt auch anders funktionierte. Ich habe bereits oben bei Ilona angesprochen, dass ich heute immer wieder über die sogenannte Haltbarkeit von Büchern geschockt bin. Heute noch gefragt und morgen schon vergessen. Dadurch, dass immer mehr Bücher auf den Markt finden, steigt der Druck bei den Verlagen und weiter geht es an die Autoren. Anders kann ich es mir nicht erklären.
      Liebe Grüße, Klappentexterin

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  5. Hildesheim hat mich damals eingeladen und dann habe ich es doch nicht geschafft. Das war auch gut, sonst wär mein Leben ja nicht so, wie es ist ;). Daher bin ich aber sehr gespannt, wen du gefunden hast, der sich diesem Sog entziehen konnte…

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  6. Liebe Klappentexterin,

    da hast Du ein wirklich heikles Thema angesprochen, mit dem Du vielen Gebauchpinselten böse übers Ego stapfen kannst und bei dem viele Schreiber mit gebrochenem Herzen sich im Geiste an Deiner Schulter ausweinen werden. (Wenn Du meiner Webseite aufrufen solltest, wirst Du übrigens feststellen, dass ich eher zu den letzteren gehöre – aber ich will mal versuchen, meine Tränen zurückzuhalten und mich um ein möglichst objektives Bild bemühen.)
    Wenn Du Menschen aus dem Literaturbetrieb fragst, ob sich ein gutes Buch am Ende immer durchsetzen wird, werden Dir vermutlich 99 bis 100% der Interviewten antworten: Ja, am Ende schon – entgegen allen Normen und Moden und ökonomischen Vorgaben (das ist jedenfalls meine Erfahrung aus den letzten 20 Jahren).
    Das ist jedoch eine Antwort, die in Wahrheit der Substanz entbehrt. Denn der Literaturbetrieb spricht per definitionem nur von Büchern, die sich durchgesetzt haben oder deren Kampf um Durchsetzung so öffentlich wahrgenommen wird, dass genauso gut gesagt werden könnte, sie hätten sich bereits durchgesetzt. Anders ausgedrückt: Über vergessene und übersehene Autoren und Bücher kann es keine Diskussion geben, eben weil diese vergessen und übersehen wurden. Der Literaturbetrieb weiß nichts über die Rückseite des Mondes, auf dem er lebt. Und den meisten Mitgliedern des Literaturbetriebs ist vermutlich wohler bei dem Gedanken, dass auf der verborgenen Seite auch gar nichts Lohnendes zu finden ist – oder das wenige Lohnende schon seinen Weg auf die erdzugewandte Seite unseres Trabanten finden wird -, als zuzugestehen, wie zufällig in vieler Hinsicht ist, welcher Krater auf die Erde der Normalsterblichen hinüber leuchtet – und welcher eben nicht. Vermutlich fühlen sich die meisten Menschen einfach besser, wenn sie in der Gewissheit leben,
    – sich den wirklich relevanten Aspekten ihres Berufs und ihres Berufsfelds zu widmen,
    – ihr Berufsfeld wirklich zu überschauen und
    – kompetent beurteilen zu können, was den Zutritt zur Erdseite des Mondes verdient und was zu recht für immer unsichtbar bleibt.
    Das ist ein normaler psychologischer Mechanismus, die Unkalkulierbarkeit aus unserem Alltag zu verbannen – und vor uns selbst (und anderen) zu rechtfertigen, dass wir (und all die anderen) aus guten Gründen die Position und Bedeutung haben, die wir gesellschaftlich einnehmen (im Guten wie im Schlechten).
    Wer mag schon den Zufall in der eigenen Biographie?
    Und wie wundervoll, wenn es Institutionen gibt – oder sich solche schaffen lassen -, die all unsere klugen Überlegungen und Begründungen wieder und wieder bestätigen und immer folgerichtiger erklären. Das tut schließlich jedem gut. Und eigentlich wäre es ja auch am schönsten, wenn es in Wahrheit gar keine Rückseite des Mondes gäbe – oder doch nur als schmalen Saum, aus dem von Zeit zu Zeit kleine Entdeckungen auf die erdzugewandte Seite herüber schwappen, um eine Prise Salz in die Suppe unserer Erkenntnis zu streuen.
    Noch dazu, wo es das Leben so viel einfacher machte, wenn alle darin übereinstimmten, dass es die Terra incognito hinter dem Mondhorizont gar nicht gibt. Den Zufall und das Unbeherrschbare und die mediale Begabung der Autoren und das rote Haar von Alexa Hennig von Lange, mit dem in Zeiten der Popliteratur mal eine literarische Würdigung aufgemacht wurde, und die Willkür und das Gemauschel und die Abhängigkeiten und die schon zeitliche Überforderung und die persönlichen Vorlieben in den Jurys der Institute und Preise und Verlage. Wenn Leipzig und Hildesheim Licht spenden, lässt sich das alles viel einfacher ertragen. Und am Ende wird sich das alles ja ohnehin schon herausmitteln. Oder, aus Lektorensicht gesprochen (und das sind auch nur arme Menschen, die um ihren Lebensin- und -unterhalt fürchten): Wo ein gutes Buch herkam, da werden schon noch andere sein, was soll ich durch die Dunkelheit irren? So funktioniert ein Goldrausch nun einmal. Und jeder Finanzberater sagt dasselbe – und (fast) jeder Verlagsleiter auch. Und trinkt abends sein Bier mit den drei kolportierten Bertelsmann-Managern, die sich mal gemeinsam die Kante gaben, weil sie alle „Harry Potter“ auf dem Schreibtisch gehabt und für unwürdig befunden hatten.
    Und es werden doch wirklich viele tolle Bücher gedruckt.

    Also:
    Leben wir in einer genormten Literaturwelt?
    Natürlich.
    Ist das gut so?
    Wir leben doch nicht hinter dem Mond.
    So richtig wirklich doll gut?
    Es ist zumindest sehr schön, auf der „richtigen“ Seite.
    Und die andere werden wir ja niemals sehen.
    Sei sie nun menschenleer oder überbevölkert.

    Jan

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    1. Hallo Jan,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Der Mond ist ein schönes Bild, was gleichzeitig frustriert und traurig macht, weil ich weiß: Es geht auch anders, wenn ich in die Vergangenheit blicke und mir dort einzelne Literaturschaffende anschaue. Aber wir leben nun mal heute. Heute gibt es am Freitagabend mindestens drei Talkshows gleichzeitig mit immer denselben Gesichtern, die natürlich alle dieselben Bücher geschrieben haben, mehr oder weniger. Alle kuscheln miteinander und kontroverse Gedanken werden gar nicht erst ausgesprochen, manchmal vielleicht, aber hauptsächlich bleibt das alles ein weichgespültes Geschwafel. Ich drifte vielleicht von dem eigentlichen Thema ab, aber das gehört alles zusammen… und lässt auch den einseitigen Mond erklären, den ich überhaupt nicht mag. Wie gut, dass es Bücher gibt, in denen es sogar zwei Monde gibt.
      Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin – trotz allem – viel Freude am Schreiben! Liebe Grüße, Klappentexterin

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  7. „Clemens Meyer, Judith Zander, Juli Zeh, Sasa Stanisic, Kristof Magnusson.“ Ich füge weitere hinzu: Thomas Pletzinger, Susanne Heinrich, Thomas Klupp.

    Das ist doch das wichtigste Kriterium, das einzig relevante Argument. Das sind nämlich vier DLL-Absolventen, die es geschafft haben, Bücher zu veröffentlichen, vier von vielen, aber schon diese vier zeigen, dass von einer „genormten“ Literatur nicht einmal im Ansatz die Rede sein kann. Die Bücher könnten kaum unterschiedlicher sein – sprachlich, inhaltlich, strukturell. Daran genormt ist rein gar nichts.

    Und dafür gibt es auch einen sehr simplen Grund, der bei all den Diskussionen um die sog. „Institutsliteratur“ so gut wie niemals genannt wird. Die Art und Weise wie dort mit Texten und Autoren umgegangen wird. Alle Berichte und Kritiken, die ich über das DLL und Hildesheim lese, sind mit einem Außenblick geschrieben. Keiner von dieser Leuten hat mal ein Seminar ein Semester lang besucht. Also widmet sich auch niemand den Lese- und Besprechungsprozessen innerhalb der Schule, die von den Autoren niemals eine bestimmte Richtung, geschweige denn Norm, fordern. Die Besprechungen und das Lektorat sind niemals „angleichend“ oder nach dem Markt ausgerichtet, sondern immer zu jedem Text frisch ausgelegt. Die Dozenten holen die Texte dort ab, wo sie als einzelne, ganz individuelle Werke stillistisch und inhaltlich stehen. Keine Diskussion gleicht der anderen, höchstens darin, dass die Studenten selbst bestimmte Lesepräferenzen haben, und gelegentlich Dinge von einem Text fördern, die ihrem – legitimen – Geschmack mehr entsprechen. Da es aber natürlich irre viel Geschmäcker gibt, ist auch das eigentlich eher produktiv.

    Wenn also jemand einen geradelinigen Text über eine Magersucht schreibt, dann wird das anders behandelt, als wenn jemand experimentelle Lyrik raushaut. Dass dann der Magersuchtstext auf dem Markt bessere Chancen haben wird, als das Experiment, das hat absolut nichts mit der Schule zu tun. Das hat etwas mit den Forderungen des Markts an sich zu tun. Und der Markt sind nicht die Schulen, sondern die Verlage, Thalia und die Leser. Wie viele Leser wird Lyrikband mit absurden Reimen und Sprachzerstörung haben? 200. Inklusive der Familie des Autoren. Der Magersuchtstext wird 20000 haben.

    Dazu kommt, und auch das wird immer schlichtweg ausgeblendet, dass in Biel und am DLL niemals dieselben Dozenten unterrichten. Es gibt 2-3 feste, der Rest ist immer nur für 1-2 Semester da. Wie soll da denn überhaupt Genormtheit und Gleichsinn entstehen? Jeder von diesen Dozenten bringt eine eigene Poetik mit, eigene Werte, Vorbilder, Ideen und Diskussionsansätzen. Das weiß man von außen natürlich auch nicht, aber denselben Text bei Michael Lentz und bei Juli Zeh besprechen zu lassen wird immer zu unterschiedlichen Ergebnissen und Kritiken führen.

    Warum? Weil Literatur so ist. Weil Literatur dort, wo sie entsteht, ganz egal, wo sie entsteht, immer Meinungen hervorufen wird, immer diskutabel sein, immer Kritik einstecken wird müssen und immer immer noch einen Stück besser geschrieben werden kann. In diesem Sinne sollten wir froh sein über die wenigen Schulen, die wir haben. Sonst hätten wir die o.g. Autoren nicht, und keinen von ihnen würde ich in der Literaturlandschaft heute missen wollen. Es geht doch nur um gute Bücher. Gute Sätze machen. Wo und wie das geschieht, das ist völlig gleichgültig.

    Die Amerikaner haben hunderte von solchen Schulen. Dort beschwert sich absolut niemand über die Resultate. Warum? Weil das Zeug einfach gut ist. Weil diese Schulen Nachdenken über Literatur fördern, nicht nur über die eigene, sondern über Geschichte und Geschichten. Weil dort auch der experimentelle Lyriker ernst genommen wird und weil das Mikrokosmen des Austauschs sind, die die Autoren sonst ja kaum noch woanders haben.

    Es wäre wirklich wirklich grandios, wenn die Leute das Klischee von Genormtheit mal sein lassen konnten, oder zumindest darüber nachdenken, ob sie die volle Einsicht in das Thema haben, bevor sie den Mund öffnen. Viel davon ist Frust: Nicht angenommen worden sein, oder es – trotz Schule – nicht „geschafft“ haben. Das ist schade, aber das ist im Gesamtbild irrelevant. Man hat es nicht geschafft, weil einem die Intensität nicht zugesagt hat, mit der da um sich geholzt wird. Man hat es nicht geschaftt, weil man einen Scheißjahrgang abgekriegt hat, in dem alle nur saufen wollten. Oder: man hat es nicht geschafft, weil man einfach nicht gut genug war. Die Garantie, dass ein Buch nach der „Schule“ rauskommt, die hat absolut niemand.

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Hierzu möchte ich sagen, dass ich weder die Arbeit der Literaturinstitutionen noch die Werke einiger Absolventen in Frage stelle. Mir ist beim Thema „Junge Literatur“ lediglich aufgefallen, dass ich vorrangig nur auf junge erfolgreiche Autoren gestoßen bin, die das Schreiben studiert haben und so ist dieser Text entstanden.
      Viele Grüße, Klappentexterin

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  8. „Leben wir in einer genormten Literaturwelt“ nach meinem Empfinden als Konsumentin und Leserin, JA! Das hat aber nichts damit zu tun, das ich denke, das die Autoren genormt sind, sondern sehe das eher – und da stimme ich meinem Vorredner zu – mit einem kritischen Blick auf den deutschen Buchmarkt.
    Das fängt schon auf der Buchmesse an. Beispiel Leipzig: die größten Verlage zeigen auf größter Fläche die wenigsten Bücher. Dort werden 10 Meter hohe Wände aufgebaut, in denen maximal 5 unterschiedliche Neuerscheinungen ausgestellt sind. Meistens von Autoren die auch jeder kennt. Dort ein Buch zu entdecken, dass von einem unbekannten Autor stammt? Fehlanzeige. Die Buchmesse, die ich seit 6 Jahren regelmäßig besuche, wird für mich immer langweiliger.
    Weiter geht es in die Buchhandlungen vor Ort. Viele kleine Buchhandlungen gibt es nicht mehr. Stattdessen wird die Innenstadt von den Bücher-Hugendubel-Palästen dominiert. Betritt man diese Tempel, wird man förmlich von ganzen Bücherstapeln eines einzigen Titels erschlagen. Fragt man eine Verkäuferin nach einem Titel jenseits dieser Marketingaktionen, muss man Glück haben, noch eine ausgebildete Buchhändlerin, die selber gerne liest, zu finden.
    Und wenn man nun denkt, aber Online werde ich fündig, dann wird man bitter enttäuscht. Habt ihr euch schon einem die Vorschlagslisten bei Amazon angeschaut? Das spannende an diesen ist, dass diese nicht Bücher vorschlägt, die inhaltlich zu denen passen, die man zuletzt angeschaut hat, sondern das alles Titel der angeblichen Bestsellerlisten sind. Ich habe dort noch nie ein Buch gesehen, was nur andeutungsweise zu dem vorhergesehenden Titel gepasst hätte.
    Wie soll hier ein unbekannter Autor jemals eine Chance bekommen, wenn der Buchmarkt ausschließlich gewinn- und umsatzorientiert ist? Wie viele Bestseller mag es geben, die zwar gekauft wurden, weil es en vogue war diese im Regal stehen zu haben, aber spätestens nach Seite 30 in die Ecke gelegt wurden?
    Fazit: ich würde hier weniger den kritischen Blick auf Absolventen eines Literaturinstituts werfen, sondern auf die, die uns vorschreiben, was wir kaufen und lesen sollen.

    Und noch ein Nachsatz: mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass Verlage viel mehr Zeit und Geld in die Gestaltung des Covers (die teilweise wirklich toll sind) und in die Marketingaktion inkl. Klappentext stecken, als in einen ordentlich ausgebildeten Lektor, der die deutsche Sprache beherrscht und ein Mindestmaß an Allgemeinbildung beherrscht. Ich bekomme jedes mal einen Würfelhusten, wenn die Erdbeeren im August gepflückt werden oder der Wal als Fisch bezeichnet wird.

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    1. Liebe Jana, vielen lieben Dank für deinen aufrüttelnden Kommentar! Er lässt tief in die Verlagswelt blicken, stimmt mich zornig, macht mich traurig und schleudert etliche Fragezeichen in den Kopf: Wann hat dieser Wandel eingesetzt? Wird er immer so fortbestehen? Werden die Menschen das weiterhin mit sich machen lassen? Wie groß ist die Menge, die sich nicht einfach so abfertigen lassen will? Und was passiert mit den Autoren, die sich nicht in die massenkonforme Leserschaft pressen lassen will? Lieben Gruß, Klappentexterin

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    2. Ja, was die Bücherläden betrifft, muss ich dir leider zustimmen. Ich arbeite gerade nebenbei selber in einem dieser fünfstöckigen Bücherpaläste und musste feststellen: Viele Kunden suchen genau das. Viele wollen gar keine Geheimtipps, kleine Perlen, die man durch Zufall entdeckt hat und weiterempfehlen möchte. Wozu auch, wenn Autor XYZ nach demselben Schema schon zehn Bücher geschrieben hat – da nimmt man doch lieber das elfte, auch wenn es dasselbe in Grün ist, als sich auf etwas Neues, Unbekanntes einzulassen. Richtige Literaturgenießer, die stundenlang stöbern oder gar den Buchhändler irgendetwas anderes fragen als „Wo ist denn das neue von Kerstin Gier?“, gibt es kaum noch.

      Aber der Ehrlichkeit halber muss man eben auch sagen – die meisten Buchhändler sind nicht so, wie ich mir das früher vorgestellt habe. Ich hatte wirklich die Illusion, dass man diesen Beruf ergreift, weil man am liebsten nur lesen würde, sich die Bücher zuhause stapeln und man sehnsüchtig durch die Buchhandlungen streift. Die Realität sieht leider anders aus…einer meiner Kollegen kann bis heute „Anna Karenina“ nicht richtig aussprechen und hatte keine Ahnung, dass es neben „Faust“ auch noch „Faust 2“ gibt. In seiner Freizeit liest er bestenfalls Mangas. Da muss man sich auch nicht wundern, wenn die Kunden immer anspruchsloser werden.

      Die Verlage und Autoren befriedigen einfach nur die Wünsche der Käufer. Es gibt ein sehr interessantes Buch von Holger Noltze, das sich mit einem ähnlichen Phänomen in der Musik beschäftigt: „Die Leichtigkeitslüge“. Es beschäftigt sich mit der aktuellen Lage der klassischen Musik, die heutzutage aufgrund ihrer Komplexität nahezu als unzumutbar gilt. Genau das gilt auch in der Literatur. Niemand möchte sich anstrengen. Die meisten wollen ein Buch, das sie ganz nett unterhält, aber bitte nichts, was herausfordert oder wo man gar nachdenken muss. Das ist einfach zu anstrengend. Aber oft verpasst man dadurch die lesenswertesten Bücher, die, deren Inhalt man auch noch nach Jahren kennt, die nicht beliebig austauschbar sind und völlig sinnleere Titel tragen.

      Ich bewundere die Autoren und Verlage, die nach wie vor gegen den Mainstream und Bestseller wie „Smaragdgrün“ und Co. ankämpfen. Aber solange die Leser nicht anders wollen, wird es immer ein Kampf gegen Windmühlen bleiben. Gerade bei großen Verlagen frage ich mich immer wieder: Warum geht ihr kein Risiko ein? Gerade ihr könnt es euch doch leisten, auch völlig unbekannten Autoren eine Chance zu geben. Aber sowas läuft dann immer unter „nicht kommerziell“. Schade. Und von Amazon-Empfehlungen wollen wir gar nicht erst anfangen…da brauch ich mir einfach nur die Spiegel-Bestsellerliste danebenlegen, das tut’s auch.

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      1. Liebe Marie,
        ich danke dir für deine Wortmeldung, die mir voll und ganz aus meinem Herz spricht! Genau wie du beobachte ich diese Szenarien. Ich glaube, dass die anderen Kunden die kleinen Buchhandlungen aufsuchen. Es gibt sie noch. Die Buchpaläste haben eher etwas von einem Supermarkt, wenn ich das überspitzt sagen darf. Alles sieht gleich aus, ob hier in Berlin oder in Hamburg, dir springen überall Bestseller entgegen. Der Mut und die Neugier auf etwas vollkommen Anderes werden direkt am Eingang abgenommen.
        Sobald ich hingegen eine unabhängige Buchhandlung betrete, begegne ich auch einer Vielzahl anderer Bücher. Aus diesem Grund glaube ich nicht daran, dass die Kleinen eines Tages von den Großen aufgegessen werden, weil es immer noch und immer wieder Menschen gibt, die Perlen suchen und die findet man nicht in einem Supermarkt.

        Liebe Grüße,
        Klappentexterin

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  9. „Und was passiert mit den Autoren, die sich nicht in die massenkonforme Leserschaft pressen lassen will?“

    Ich denke, man hat immerhin noch die kleineren, unabhängigen Verlage, um an Autoren und Inhalte zu kommen, die etwas abseits des Mainstream sind. Kook Books, Mairisch, Tisch 7, Blumenbar, Liebeskind etc. Natürlich möchten auch diese überleben, und brauchen also den einen oder anderen Titel, den die Masse kaufen wird/soll. Aber bei ihnen ist auch gute junge Lyrik zu Hause und einige gute Autoren, die man eben nicht bei Thalia (ohnehin unbedingt die großen Buchhandlungen meiden, und sich auf ihre „Auswahl“ keineswegs verlassen) findet.

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  10. Wenn man sich Gedanken über Literatur macht, sollte man in erster Linie den Empfänger betrachten. Kommt das Geschriebene bei ihm an? Macht er sich Gedanken über das, was er liest? Oder aber: Liest er gar nicht, sondern empfängt nur?

    Was ist denn Literatur eigentlicht?

    Leider leben wir in einer Gesellschaft, die „Literatur“ (jaha, ihr Lieben, in Anführungszeichen!) noch immer als etwas Elitäres wahrnimmt. In Deutschland ist die hochgelobte Literatur etwas Besseres, etwas für die Auserwählten. Erinnern wir uns jedoch an die Shakespeare’sche Zeit, dann wissen wir, dass dereinst Menschen für einen Penny ins Theater gingen, um unterhalten zu werden. Heute bezahlen wir 51,70 Euro GEZ-Gebühr, um täglich ins Theater gehen zu dürfen. Die Lust auf Unterhaltung (im allerweitesten Sinne) ist da.

    Literatur also ist auch Unterhaltung. Und wir lesen Literatur (im Sinne des Wortes: „Geschriebenes“), um uns zu unterhalten.

    In den United States of America hat man irgendwann einmal aufgegeben, einen Unterschied zwischen der in Deutschland so viel gelobten E-Literaturn und der U-Literatur zu machen. „Prodesse et delectare volunt poetae.“ Beides also.

    Wir reden hier doch nicht um Kaisers Kleider, sondern um Kaisers Bart.

    Leben wir in einer genormten Literaturwelt?

    Dreimal Nein!

    Natürlich finden die sogenannten „kleinen Autoren“ keinen großen Verlag. Weil es a) meistens schlecht ist, was sie schreiben und b) sich nicht verkaufen lässt (auch wenn es gut ist). Es ist ein wirtschaftliches Denken. Aber das war schon immer so.

    Wird sich also ein „gutes Buch“ (was immer das ist) jemals durchsetzen? Nein, natürlich nicht. Es findet keinen Verlag. Dann wird’s halt im Eigenverlag oder bei Frieling&Partner publiziert und verrottet dann in irgend einem Lager. Warum? Weil die Gedichte von Sandrine Hockenstein-Mahrberger einfach uninteressant sind. Weil die Lebenserinnerungen von Herbert Lohenberger zwar schön für die Leser aus Albstadt am Rhein sind, aber nicht für die Leser aus Berlin, Frankfurt und Freiburg.

    Was also wird veröffentlicht? Das Interessante, das Überraschende, das Neue. Haha! Da muss ich lachen. Auch hier gilt wieder der wirtschaftliche Faktor.

    Nein, Literatur ist nicht genormt. Vielleicht in der Veröffentlichung von Büchern. Nicht aber in der Veröffentlichung von Zeitschriften. Lest doch mal „Die Horen“, „Das Gedicht“, „Manuskripte“, „ndl“ und vielleicht sogar noch die alten Ausgaben vom „Muschelhaufen“ (falls das noch jemand kennt). Da findet ihr Literatur im allerbesten Sinne des Wortes.

    Literatur findet nicht nur im so genannten „Literaturbetrieb“ statt. Literatur ist überall. Sie ist immer. Muss es ein Buch sein, um gut zu sein? Kann nicht auch nur ein Text in einem Blog (der niemals gedruckt wurde) Literatur sein? Ist nicht das, was die Klappentexterin hier jeden Tag tut, Literatur? Oder gar Literaturkritik?

    Kommt runter von euren hohen Rössern! Wenn ihr intellektuel sein wollt, dann guckt nicht arte oder EinsFestival. Dann guckt einfach gar nicht mal in den Fernseher, sondern geht auf die Straße hinaus und guckt da einfach mal hin. Wie zu Shakespeares Zeiten.

    Und mit den weisen Worten von Simon&Garfunkel schließe ich:
    „The words of the prophets are written on the subway walls“

    No offense, ihr alle, sine ira et studio,
    Dr. Ka.

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    1. Lieber Dr. Ka.,
      danke für deinen Kommentar! Hier und da gibt es jedoch Punkte, die ich anders sehe. Man schreibt aus sich selbst heraus, hat eine Idee, die sich zu einer Geschichte formt, man schreibt dies nieder und man macht dies nicht, um anderen zu gefallen. Da würde doch viel Authentizität verlorengehen, schließlich möchte man sich nicht selbst belügen.

      Gute Literatur ist nichts für Auserwählte, sie ist für jeden da. Leider fehlt vielen der Mut dazu, auch mal andere Wege zu gehen. Wir sitzen nicht auf hohen Rössern, viel mehr lieben wir die gute Literatur, sind aufmerksam, lassen uns nicht von anderen Stimmen beeinflussen und entdecken so besondere Werke.

      Ich gehe mit offenen Augen durch das Leben und beobachte genau, was sich vor meinen Augen abspielt. Sehe die müden Gesichter morgens in der S-Bahn, erhasche glückliches Vogelgezwitscher am Straßenrand und erfreue mich am mitreißendem Kindergelächter. Und weil ich so klar und neugierig durch das Leben gehe, wähle ich auch die Literatur bewusst. Manchmal liebe ich die Unterhaltung, aber im großen Ganzen, soll mich die Literatur fordern und mich berühren.

      Herzlichst,

      Klappentexterin

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  11. Solche Studiengänge sind sicher brauchbar, wenn jemand vom Schreiben leben will, Handelsware produzieren kann, die am Markt ihre Abnehmer findet. Weder in Leipzig noch in Hildesheim sollte man ein Problem damit haben, konsumiert zu werden und als Altpapier zu enden.
    Mein Verhältnis zur Literatur lässt sich nicht lehren, glaube ich. Jeder Mensch hat „seine“ Geschichte, diese niederzuschreiben sollte er sich Jahre, wenn nicht Jahrzehnte Zeit nehmen. Imre Kertesz etwa brauchte das halbe Leben, eine nie gelesene Ausdrucksweise zu entwickeln für seine Kindheit im Vernichtungslager. Dreihundert Seiten, die mit dem Literaturnobelpreis bedacht wurden.
    Mehr will ich in den Buchhandlungen gar nicht sehen, für mehr ist mir die mir geschenkte Frist auf Erden auch zu kostbar.

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  12. Wunderbare Klappentexterin,

    ich wage zu behaupten, dass wir das gleiche denken. Oder manchmal vielleicht sogar das selbe. Vielleicht sind wir nur durch die Sprache getrennt. Ein kluker (ja, „kluk“, „k-l-u-k“) Mann hat einmal gesagt, dass „the U.S. and GB are two countries divided by a big ocean“ (hahaha, jetzt hat jeder von euch erwartet, dass da „by the same language steht, gell?).

    Ja, Literatur findet statt. Immer und immer wieder. Das Schlimme ist allerdings, dass oftmals Menschen denken, sie würden etwas Gutes tun, indem sie ihre tiefsten Gedanken in unausgegorenes Gewäsch verschriften und dann aber behaupten, es sei veröffentlichungswürdig.

    Ich aber behaupte: Es ist nicht Berlin, wo das alles stattfinden tut. Muss ja nicht immer die neugelobte Hauptstadt sein, wo is. ’s cha ja au mol öbbig wo anderschde sii.

    Ich für meinen Teil lehne mich zurück in meine Gedankenwelt und meinen Speicher, der nicht auf einen USB-Stick heruntergeladen werden kann. Und ich genieße all die Gedichte und Texte, die da aktiv und passiv sitzen. Und ich werde weiterhin sammeln und abrufen.

    Denn darum geht es: Literatur ist nicht Selbstzweck. Literatur ist da, um uns zu verbessern.

    Wobei, ganz ehrlich, letztendlich wollen wir Männer doch nur die Weiber beeindrucken, oder nicht? Und, Mädels, seid mal ganz ehrlich, wollt ihr nicht einfach nur beeindruckt werden?

    Und wieder einmal schließe ich mit einem Zitat (wer hätte das gedacht), das eventuell passt und das dich, liebe Klappentexterin, wieder wunder nehmen wird, weil du nicht weißt, wo der Doktor das her holt… Von ganz hinten, meine Liebe, von ganz weit weg, von zu einer Zeit, zu der der Doktor noch literaturaffin war und jung und gut und ambitioniert:

    Gesang wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr,
    nicht Werbung um ein endlich noch Erreichtes;
    Gesang ist Dasein.

    Wortlos weiterhin,
    Dr. Ka.

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