Goldstaubkörner zwischen den Augen.

Es ist Winter und ich tanze im feinen Sommerregen. So geht es mir jedesmal, wenn ich eine Geschichte von Gwendoline Riley lese. Sie erzeugt mit ihrer poetischen Sprache stets eine ganz besondere Melancholie, die mich glücklich macht. Es ist eine schöne Traurigkeit, der ich mich kaum entziehen kann.

Dieses Gefühl hat mich auch in ihrem Roman „Krankmeldungen“ gepackt. Die junge Autorin aus Großbritannien erzählt von Esther, die gerade von eine Reise aus New York nach Manchester zurückkehrt. Sie lässt sich treiben, vom Tag in die Nacht und von der Nacht in den Tag. Esther empfindet ihr Leben als Labyrinth, ohne Anfang und Endpunkt. So läuft sie durch Straßen, geht in die Bibliothek, schreibt in ihr Notizbuch und wärmt sich im Kino auf. Wie ein ruhiger Fluss fließt sie dahin, bis eines Abends eine große Welle über sie hereinbricht. Esther trifft in einer Bar auf den Musiker Newton und gerät in einen mitreißenden Strudel aus tobenden Gefühlen und einer brennenden Leidenschaft. Ganz anders, als sie es eigentlich geplant hatte.

Gwendoline Riley schafft beim Erzählen etwas Wunderbares. So etwas, dass man sich hinterher verträumt in den Augen reibt und kleine Goldstaubkörner hinausrieseln. Ihre Romanheldinnen sind oft Mädchen, die der Kindheit entfliehen und sich auf dem Weg befinden, erwachsen zu werden. Sie verharren auch mal mit verschränkten Armen atemlos am Straßenrand oder ertrinken fast im Gin-Glas. Gwendoline Riley erzählt uns, was in den Mädchenköpfen vor sich geht, das gelingt ihr so zart wie es sonst nur feiner Sommerregen vermag. Müttern sollte man dieses Buch nicht in die Hand drücken, Töchtern dafür um so mehr!

Gwendoline Riley.
Krankmeldungen.
Dezember 2010, 224 Seiten, 8,99 €.
Goldmann Verlag.

Die Klappentexterin ♥ Gwendoline Riley:
Ich habe die junge Autorin ausgewählt, weil sie Gefühle mit einer wunderbaren poetischen Sprache beschreibt. Ebenso mag ich ihren unaufgeregten Stil. Der feine Sommerregen küsst sanft mein Gesicht und erzählt leise von den Dingen des Lebens, die junge Menschen bewegen. Gwendoline Riley wärmt mich jedesmal auf eine ganz besondere Art.

Über die Autorin:

Gwendoline Riley wurde 1979 geboren und lebt in Manchester. Schon ihr erster Roman „Cold Water“ erhielt begeisterte Kritiken und die Auszeichnung Betty Trask Award 2002. The Guardian schrieb über sie: „Manchesters Antwort auf Charles Bukowski.“

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15 Gedanken zu “Goldstaubkörner zwischen den Augen.

  1. oh, wie schön! goldstaub, unaufgeregter stil und poetische sprache lassen mein herz schneller schlagen. dieses buch steht schon lange auf der liste der noch unbedingt zu lesenden bücher – zusammen mit „joshua spassky“.

    ein schöner essay über die junge autorin (falls nicht zu aufdringlich und du ihn ohnehin nicht schon kennst: http://www.sf-magazin.de/essay–britische-jung-autorin-gwendoline-riley,172.html)

    liebe grüße,
    monika

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  2. „Manchesters Antwort auf Charles Bukowski.“
    Ich muss zugeben, dieser Satz zerstört alles, was deine eigene Rezension an Eindrücken aufgebaut hat. Ich habe nichts gegen Bukowski (ich denke, ich kenn die allermeisten seiner Bücher und schätze sie.. ), aber an „Goldstaubregen“ und einen „feinen Sommerwind, der mich küsst“, erinnert er mich nicht…. 😉

    fragend-in-die-Bücherwelt-blickende Grüße
    fs

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    1. Lieber Flattersatz,

      warum denn so düster? Zerstören wollte ich eigentlich nichts. Hab nur das zusammengetragen, was ich über die Autorin finden konnte und nun habe ich einen fragend-in-die-Bücherwelt-blickenden Flattersatz. Oje! Ich habe nie Bukowski gelesen, einiges über ihn gehört und ziehe eine Parallele zu den zahlreichen Gin-Gläsern und das in den Tag hineinleben. Ein bisschen Zerstreuung hier und dort. Tja, alles andere lässt sich wahrscheinlich nur für dich durch eigenes Lesen und Vergleichen herausfinden. Hoffentlich habe ich dich nun nicht verprellt.

      Aufmunternde Grüße,
      Klappentexterin

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      1. nein, geschätzte texterin, verprellt natürlich nicht. nur bukowski (vllt sollte ich ihn mal mit einem seiner werke vorstellen…ok…) ist ein recht rüder dichter, was die sprache angeht und auch vom thema her. „goldstaubregen“ dagegen klingt poetisch (sofortige assoziation bei mir: klimt: diana), sanft, liebevoll.. dieser widerspruch in den charakterisierungen ist mir nur aufgefallen. den ich – du hast völlig recht – nur durch eigenes lesen lösen kann…

        „ach, es gibt so viel zu lesen… schlagen wir es auf!“-liche grüße
        fs
        🙂

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  3. Bei diesem Buch finde ich das Cover schon ansprechend und jetzt nach deiner Rezension bin ich auch neugierig auf den Inhalt. Bei Gelegenheit werde ich mal reinlesen und schauen, ob er Roman etwas für mich sein könnte. So langsam wird meine Liste immer länger und ich bräuchte wahrscheinlich einen ganzen Tag, um alle Bücher, die darauf stehen, anzulesen. Vielen Dank 🙂

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    1. Liebe Ada,

      lies mal rein, denn es gibt verschiedene Meinungen zu der Autorin, wie ich nun erfahren habe. Da wir aber eigentlich immer ziemlich gleich auf einer Wellenlänge liegen, glaube ich, dass du diese junge Autorin ebenso schätzen wirst wie ich. Ich lege dir ein bisschen Zeit dazu, damit du in Ruhe deine immer länger werdende Bücherliste in Ruhe ablesen kannst.

      Alles Liebe,
      Klappentexterin

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  4. Ich sehe, es wird Zeit, ihre Bücher aus dem Regal zu holen.
    Erst einmal pumpe ich mich noch mit Jules Verne voll, aber danach würde ich wirklich gerne im Sommerregen tanzen.
    Denn, wie mir mein neuerdings wieder ganztägig geöffnetes Fenster heute ins Gedächtnis rief, das Leben kehrt zurück!
    Und wenn wir schon fast wieder Frühling haben, dann kann der Sommer ja auch garnicht mehr so weit weg sein.
    Liebe Grüße!

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