Kriminalisten in Kreuzberg.

Die Krimiwelt erinnert mich an einen Marsch durch den Dschungel. Die Auswahl ist riesig und raubt mir oft meinen Durchblick. So bewege ich mich leicht blind durchs wilde, pieksende Gestrüpp. Richtungsweisende Trampelpfade tauchen so gut wie nie auf. Wie schön ist es da, dass es spezielle Buchhandlungen wie die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ gibt, die mir den richtigen Weg zeigen. Dort wird jeder Fall gelöst, wenn es darum geht: Welchen Krimi lese ich als nächsten? Genau die Buchhandlung möchte ich euch heute vorstellen.

Die „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ befindet sich im bekannten Bergmannkiez in Berlin Kreuzberg. Wenn man aus der Markthalle herauskommt, sind es nur wenige Schritte und schon steht man mittendrin in einer Welt, bei der alle Krimifans glücklich in die Hände klatschen. Spannung, wohin das Auge reicht! Links und rechts in den Regalen, auf den Tischen, an der Kasse und in einzelnen Schütten. Krimis und Thriller aus aller Welt. Bekannte Autoren sind ebenso dabei wie unbekannte. Von vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem Genre sind nahezu alle Werke vorhanden. Dazwischen entdecke ich auch neue Namen, die meine unbändige Neugier auf zauberhafte Weise wachkitzeln. Daher empfehle ich für den ersten Besuch, ein bisschen Zeit mitzubringen, denn die braucht man, wenn man sich durch dieses Kleinod bewegt.

Am Kassentresen erspähe ich eine TOP-TEN Liste. Auf jeder Zahl von 1 bis 10 liegen Bücher. Was ist das? „Das ist unsere eigene Bestsellerliste,“ sagt Heinz Scheffelmeier. Die TOP-TEN zeigt den Kunden, welche Bücher am häufigsten im Vormonat gekauft worden sind. Dort stoße ich auf Bestseller-Autoren wie Lars Kepler und Don Winslow, ebenso wie auf mir eher unbekannte Schriftsteller: D.B. Blettenberg und Thomas Ross. Alle sind vor allem aus der persönlichen Empfehlung dort gelandet. Respekt! Man entdeckt in der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ die sogenannte Mainstream-Lektüre und großartige Raritäten. Mein scharfer Miss Marple Blick fängt rechts neben der Kasse noch etwas auf: Eine kulinarische Krimiecke mit schwarzen Revolver-Nudeln, die man dort kaufen kann. „Die sind eins unserer beliebtesten Geschenke,“ sagt der Buchhändler. Passend zum Thema gruppieren sich kulinarische Krimis um das liebevoll-dekorierte Arrangement. Da läuft mir allein beim Anblick das Messer, ach Pardon, das Wasser im Mund zusammen.

Die beiden Räume, die zur Buchhandlung zählen, sind klein, doch der Schein trügt, denn hier steht eine riesige Auswahl an Krimi-Literatur. Die Kunden finden zahlreiche Kinderkrimis, True Crime Werke und Sekundärliteratur sowie 2500 neue deutsche Krimis, 700 englischsprachige Titel, 2500 antiquarische Werke, 1000 englische antiquarische Bücher sowie 1500 besonders gesuchte und vergriffene Werke. Für die ausrangierten Titel, die man im Buchhandel nicht mehr kaufen kann, gibt es einen extra Raum. Ich ziehe dort aus einer Schütte einen sehr gut erhaltenen Martha Grimes Roman. Den lege ich zu „Der Blinde von Sevilla“ von Robert Wilson. Eine persönliche Empfehlung von Heinz Scheffelmeier, nachdem ich ihm von Jussi Adler-Olsen vorgeschwärmt hatte.

Der Inhaber, Christian Koch, hat 1999 die Buchhandlung übernommen. Zusammen mit Heinz Scheffelmeier führt er seinen Laden. Ein großes Vorbild war dazu auch die Buchhandlung „Wendeltreppe“ aus Frankfurt. Mit jedem Schritt spüre ich die Leidenschaft der beiden Buchhändler, die ich hier und auch im Internet auffange. Auf der eigenen Internetseite finden sich neben informativen Links zu Suchdatenbanken auch aktuelle Nachrichten aus dem Genre sowie über 850 Rezensionen aus den letzten acht Jahren.

Im Fokus der Buchhandlung stehen vor allen Hardboiled Krimis wie Hammett oder Chandler und Noir. Gleich links am Eingang begrüßen einen die großen Meister auf zwei Plakaten. „Gerade das Lebensgefühl der Noir passt wunderbar nach Kreuzberg,“ sagt Scheffelmeier. Man stelle sich das mal in Charlottenburg vor! Fühlt sich irgendwie ein bisschen verdreht an. Ich kann mir zunächst unter dem Genre „Noir“ nur grob etwas vorstellen. Sofort eilt mir der Buchhändler zur Hilfe und reicht mir „Westküstenblues“ von Jean-Patrick Manchette. Beim Lesen des Klappentextes denke ich an wunderbare Chabrol Filme. Und nach einer kurzen Recherche später Zuhause entdecke ich, dass beide auch gemeinsam Filmarbeit geleistet haben. „Ein guter Roman Noir ist ein Sozialroman, ein sozialkritischer Roman, der die Geschichte eines Verbrechens als vordergründige Handlung nimmt.“ Dieses Zitat habe ich bei Wikipedia entdeckt und konnte es nicht wortlos dort stehen lassen. Ich ging zu „HAMMETT“ und entdeckte für mich nun auch ein neues Genre. Die Krimiwelt darf gerne weiterhin ein undurchsichtiger Dschungel sein. Ich weiß ja nun, wo ich einen guten Trampelpfad finde. Der „HAMMETT-Krimibuchhandlung“ sei Dank!

HAMMETT-Krimibuchhandlung
Friesenstraße 27
10965 Berlin
Telefon: 030 – 691 58 34
Internet: www.hammett-krimis.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

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7 Gedanken zu “Kriminalisten in Kreuzberg.

  1. Das finde ich im wahrsten Sinne des Wortes sehr spannend und ich wäre sehr froh gewesen, wenn es so eine Buchhandlung in meiner Nähe gegeben hätte, als ich die Krimis für mich entdeckte. Sollte ich jemals in Berlin sein, werde ich dort bestimmt vorbeischauen, wobei ich besonders die TOP 10 Liste beruhend auf Empfehlungen toll finde!
    Vielen Dank für diese wunderbare Vorstellung!*

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    1. Liebe Ada,
      als ich dort war, habe ich auch an dich gedacht, ob du es glaubst oder nicht. Vielleicht klappt es ja irgendwann mal, dass wir da zusammen hineinschauen. Ansonsten kannst du dich auf die Ferne bei „HAMMETT“ gut informieren… das Internet macht dies ja möglich.

      Spannende Grüße,
      Klappentexterin

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  2. Liebes Mondenkind,

    wie schön, dass du wie ich lächelst. Nun ja, es ist ja so, dass ich eine große Freundin des Sammelns bin… Bücher, Karten, Buchhandlungen… Ich werde einfach nicht satt.

    Liebe Virginia,

    das wäre eine feine Sache! Ich bin noch nie in Zürich gewesen, kann mir aber vorstellen, dass es dort auch solche bemerkenswerte Buchhandlungen gibt. Ein schöner Blog, ich habe euch natürlich gleich besucht.

    Herzliche Grüße
    Klappentexterin

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  3. Ich bilde mir ein vor kurzem einen Raymond Chandler in den Händen gehalten zu haben – aus dem, wie ich wette, das obige Zitat stammt. und ich rechne aus, wo ich noch weitere Bücher reinquetschen könnte. Dabei hatte ich das Buch so erfolgreich verdrängt – und dein wunderbarer Eintrag holt alles wieder an’s Tageslicht. 😉

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