♥ Happy End.

Obwohl es eigentlich der Anfang von etwas Großem ist. Der Beginn einer besonderen Freundschaft zwischen einem Buch und mir.

Getroffen haben wir uns vor einigen Monaten im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Ich hatte davon berichtet. Während meine Freundinnen wie fleißige Bienen über ihren Magisterarbeiten saßen, bin ich auf leisen Sohlen durch die Gänge gewandert und habe einige Regale genauer inspiziert. Dabei entdeckte ich „Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt“ von Alfred Kerr. Ein Zwinkern und es stand vor mir. Vor lauter Freude entwich mir ein Jubelschrei und ich legte meine Hand auf den Mund, um die Ruhe der Bibliothek zu bewahren. Ich hatte das Buch nicht gesucht, es hatte mich gefunden. Noch vollkommen benommen setzte ich mich auf einen Elefantenfuß (so nenne ich die kleinen Tritte, auf die man steigen kann) und las darin.

Sofort war klar, dass ich es mitnehmen wollte. Als Leihgabe. Doch manche Bücher will man besitzen. So schaute ich zuhause im Internet nach und fand das Buch nicht, es war nicht mehr käuflich zu erwerben. Im Buchhandel nennt man das: Vergriffen. Knuff. Das tut genau dann weh, wenn man solche Schätze gefunden hat.

„Wo liegt Berlin? Briefe aus der Reichshauptstadt“ ist jedoch kein Buch, das ich in einem Zug lese. Ich hangel mich von Brief zu Brief, mit kleinen Pausen dazwischen. Das dauert eine Weile. So habe ich die Ausleihe verlängert, bis es nicht mehr ging. Dann musste ich es abgeben. Eine Trennung mit Schmerzen in der Brust. Aber vergessen konnte ich es nicht. Das passiert nicht mit Menschen und Dingen, die sich in das Herz gelegt haben.

Und nun hat mir meine liebe Freundin – übrigens eine der Magisterbienen – dieses Buch zu Weihnachten geschenkt. Sie konnte es antiquarisch erwerben. Wieder ist er da der Jubelschrei, und die Freude tänzelt um uns herum. Dieses Mal ist es noch ein bisschen anders. Größer eben. Ein Wiedersehen für immer. Keine Frist, die uns trennen wird.

Herr Kerr hebt seinen Hut, gibt mir seinen Arm und ich hake mich unter. Fortan immer dann, wenn ich mag.

♥ Happy End.

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9 Gedanken zu “♥ Happy End.

  1. Kanntest Du bzw. hattest Du schon mal von Alfred Kerr gehört? Mir war er bis jetzt kein Begriff. In letzter Zeit hat sich das bei mir oft so entwickelt, dass ich in Büchern auf neue Autoren stieß, die mich dann zu Rezensionen und Essays brachten, in denen wiederum andere Schriftsteller genannt werden. Das verzweigt sich dann natürlich schnell und man findet nicht wirklich ein Ende, aber so eine Art Liste, auf der ich mir Vielversprechendes notiere, macht auch irgendwie Spaß. Alfred Kerr ist da z.B. nun so ein Kandidat. Danke! 🙂

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  2. Die Klappentexterin dankt für die Blumen!
    Alfred Kerr war mir bekannt, aber gelesen habe ich ihn zuvor noch nicht. Ich mag seinen Schreibstil, diesen scharfen Beobachtungssinn und das lockere Lächeln zwischen den Zeilen. Eine wunderbare Entdeckung!

    Herzlichst,
    Klappentexterin

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  3. Alfred Kerr liegt irgendwo in der Mitte meines virtuellen Bücherstapels (das sind die Bücher, die ich nicht besitze und nicht gelesen habe, aber unbedingt irgendwann mal lesen will).
    Aber immerhin habe ich als Jugendliche mit Gewinn zwei Bücher seiner Tochter Judith Kerr gelesen.

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  4. Wie schön, wenn zwei sich finden…

    deine probleme bei der suche.. hast du eine bestimmte ausgabe (nämlich jenige) gesucht, weil ja ansonsten allein im bekannten versandhandel mehrere angebote der btb ausgabe von 99 zur auswahl stehen…?

    mit fragenden grüßen
    fs

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