„Es macht mich glücklich.“

Wer versteckt sich hinter dem Mützenmädchen, dem Wolkenmädchen und all den anderen zauberhaften Wesen vom Mädchenkalender 2011? Das habe ich mich gefragt. Die Illustratorin, Martina Hoffmann, hat mir nun geantwortet.

Martina Hoffmann hat nach einer Ausbildung zur Mediengestalterin als Junior Art Directorin gearbeitet und dann an der FHTW Berlin Kommunikationsdesign studiert. Den Mädchenkalender gibt es nun zum sechsten Mal. Martina Hoffmann hat außerdem das Kinderbuch „Lotta und der Zauber in der Nacht“ und die Graphic Novel “Der Pyjamaist” illustriert. Beide Titel sind im luxbooks Verlag erschienen.

Klappentexterin: Deinen Mädchenkalender gibt es nun schon sechs Jahre. Wie fühlt sich das für dich an?
Martina Hoffmann: Es macht mich glücklich. Und es lässt mich staunen, was auf dem Weg vom ersten Kalender bis heute alles passiert ist. Wie alles gewachsen ist, in kleinen aber bedeutsamen Schritten. Das ist wahnsinnig toll. Was mich besonders berührt ist der unglaublich herzliche Kontakt, den ich zu den Menschen habe, die sich meinen Kalender kaufen. Ich bekomme so schöne Reaktionen in Form von Emails, Anrufen und manchmal sogar Postkarten und Paketen. Das macht mich sehr dankbar.

KT: Wann ist die Idee zu deinem Mädchenkalender entstanden?
MH: Den ersten Kalender habe ich vor 6 Jahren als Weihnachtsgeschenk für meine engsten Freunde gezeichnet. Ich habe ihn damals auf meinem Drucker zu Hause ausgedruckt und mit Locher und Angelsehne gebunden. Weil mir im Nachhinein auffiel, dass ich nur Mädchen gezeichnet habe, habe ich ihn „Mädchenkalender“ genannt. Im Jahr darauf wünschten sich nicht nur meine Freunde einen neuen Kalender, es gab sogar Nachfragen von Freunden meiner Freunde. Und so sind die Auflagen von Jahr zu Jahr gestiegen. Inzwischen verschicke ich meinen Kalender bis nach Italien, Norwegen und sogar in die USA.

KT: Wo nimmst du die Inspiration für die Motive her?
MH: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal entstehen Bildideen aus einer Beobachtung heraus, zum Beispiel bei einem Herbstspaziergang, bei dem die Blätter durch die Luft wirbeln. Oder bei Alltagssituationen im Supermarkt oder in der Bahn. Manchmal erzählen mir Freundinnen, dass ihr Kind gerade Schafgarbe total toll findet, oder Pinguine. Dann überlege ich mir ein Motiv mit Schafgarbe oder Pinguinen. Manchmal sind es auch glückliche Begegnungen, wie bei meinem Motive mit dem Wolkenmädchen (dem Aprilbild). Eine sehr nette Frau bestellte in meinem Dawanda-Shop, ihr Benutzername ist „Wolkenwald“. Ich schrieb ihr, dass ich diesen Namen großartig finde, und sie erzählte mir von einem Wald auf Gomera, der so hoch in den Bergen liegt, dass die Baumwipfel in den Wolken verschwinden. Aus dieser Geschichte entstand das Wolkenmädchen.

KT: Dein Kalender ist sehr hochwertig. Suchst du alles selbst aus?
MH: Ja, ich lege sehr großen Wert auf Qualität. Das fängt bei den Farben und den Pinseln an, mit denen ich male und hört beim Verpackungsmaterial auf, das ich für meinen Versand benutze. Auf den Druck lege ich extrem großen Wert. Ich achte darauf, dass die Reproduktion, also der Druck selbst meinen Originalzeichnen so nah wie nur möglich kommt. Dass die Farben strahlen und die feinsten Strukturen der Zeichnung zu sehen sind. Und ich mag schweres, dickes Papier, das sich gut anfühlt, wenn man den Kalender in der Hand hält. Ich habe eine tolle Druckerei gefunden, bei der ich direkt an der Druckmaschine stehen und mit dem Drucker sprechen kann. All das kostet natürlich deutlich mehr als ein Standarddruck in einer Billigdruckerei, aber ich könnte meine Kalender und Karten nicht mit gutem Wissen verkaufen, wenn ich nicht selbst absolut zufrieden wäre mit dem Ergebnis.

KT: Wie lange sitzt du an einem Bild?
MH: Auch das ist verschieden. Es gibt Motive, bei denen ich allein 3 Tage an den Haaren zeichne, für andere Bilder brauche ich einen Tag (also ca. 12 Stunden). Grob geschätzt habe ich etwa 2 Monate an dem aktuellen Kalender gearbeitet.

KT: Kein Mädchenkalender gleicht dem anderen. Wie schaffst du das?

MH: Das erstaunt auch mich immer wieder. Aber eigentlich ist es nicht so schwer zu erklären. Ich entwickle meine Zeichentechnik ständig weiter. Und alles, was mich interessiert oder bewegt, fließt – bewusst und unbewusst – in meine Arbeiten mit ein. So habe ich mich zum Beispiel im Frühjahr sehr genau mit der Anatomie des Gesichtes beschäftigt. Ich habe noch mal genauer hingeguckt, wie eine Nase funktioniert, wie das Unterlid aufgebaut ist und wie eine Lippe aussieht. Ich habe wochenlang Haare und Augenpartien und Oberlippen gemalt. Und so lässt es sich erklären, dass einige Bilder aus dem Kalender so detailliert und ausformuliert sind. Aber all das ist nicht geplant oder beabsichtigt. Meine Bilder „passieren“ einfach. Sie entstehen beim Machen. Ohne großes Konzept vorher.

KT: Denkst du irgendwann auch mal an die Jungs und kreierst einen Jungskalender?

MH: In den letzten Jahren wurde ich sehr oft gefragt, wann es denn einen Jungskalender geben wird. Dieses Jahr kann ich endlich sagen: DIESES JAHR! Aktuell zeichne ich noch daran, in wenigen Tagen geht er in Druck und ab Anfang Dezember kann man ihn dann kaufen. So viel sei aber schon verraten: es wimmelt darin von Piraten, Wikingern, Ballonfahrern, Rittern und vielen vielen Monstern (die aber alle total harmlos sind, die sehen nur furchteinflößend aus). Der Jungskalender wird in einer kleinen Auflage erscheinen, wer sich also einen sichern will, sollte mir eine Vorbestellung an folgende Emailadresse schicken: hallo@stiftundpapier.de

Mehr über die Illustratorin erfahrt ihr auf Martina Hoffmanns Homepage.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Martina Hoffmann weiterhin alles Gute!

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4 Gedanken zu “„Es macht mich glücklich.“

  1. Es ist schön, in dieser Form einen kleinen Blick hinter das Papier erhaschen zu können. Die Bilder habe ich früher schon bei jetzt.de immer gerne angeschaut und die Kalender sind wirklich sehr, sehr schön!

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  2. Ein interessantes Interview und schöne Bilder, ich kannte den Mädchen-Kalender noch nicht, aber man sieht gleich, dass viel Gefühl in jedem einzelnen Bild steckt … sowohl was Farben als auch Technik angeht.
    Hmm … scheint mir Aquarell zu sein, aber nicht nur (vielleicht kombiniert mit hochwertigen Buntstiften). Ich guck mal auf der HP … danke für den schönen Tipp!

    Lieben Gruß,
    Svenja

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  3. Liebe Ada und liebe Svenja,
    wenn es euch freut, freut es mich noch mehr! Für die eine war es ein Blick hinter die Kulissen und für die andere ein vollkommen neuer, den sie so schnell nicht vergisst. Habt in jedem Fall viel Freude mit der leuchtenden Zauberwelt zwischen den Zahlen.

    Herzlichst,
    Klappentexterin

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