Sabrina Janesch über das Schicksal der Vertreibung.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute verrät uns Sabrina Janesch – die Autorin von „Katzenberge“ – warum sie sich u.a. für das Thema Vertreibung interessiert.

Foto: © Milena Schlösser

Sabrina Janesch wurde 1985 in Gifhorn geboren. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Polonistik in Krakau. Sabrina Janesch ist u.a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Sie war erste Stadtschreiberin von Danzig.

Klappentexterin: In deinem Roman „Katzenberge“ geht es um das Thema der Vertreibung. Wie kommt es, dass sich ein junger Mensch dafür interessiert? Hat dein Aufenthalt als Stadtschreiberin in Danzig dazu auch einen Anstoß gegeben?
Sabrina Janesch: Nein, der Aufenthalt in Danzig kam viel später, als ich das Manuskript für Katzenberge schon längst beendet hatte! Ich komme selber aus einer deutsch-polnischen Familie, die viel mit solchen Geschichten zu tun hatte. UND ich hatte diesen sehr charismatischen Großvater, der mir immer viel erzählte … es tun sich also durchaus Parallelen zur Nele meines Romans auf.

KT: Anhand vom Großvater Janeczko hast du das Schicksal der Kriegsgeneration sehr genau beschrieben. Mich hat das als Leserin sehr bewegt. Wie ist es dir bei der Recherche und den Gesprächen mit Zeitzeugen ergangen?
SJ: Für mich war meine Reise nach Ostpolen und die Ukraine ungeheuer inspirierend und emotional. Ich bin überall auf soviel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft getroffen, ohne all die Menschen wäre diese Reise unmöglich gewesen. Zugleich waren – auch die älteren und ganz alten Menschen – alle sehr offen und haben mir auch die intimsten und furchtbarsten Dinge aus jener Zeit erzählt. Man kann sagen, ohne sie wäre nicht nur die Reise nicht möglich gewesen, sondern auch nicht der Roman an sich. Vieles darin ist von ihnen inspiriert, nicht bloß von meiner eigenen Familie.

KT: Wieviel Sabrina Janesch steckt in der Ich-Erzählerin Nele Leibert?
SJ: Die Rahmenbedingungen decken sich sicherlich: Auch ich komme aus einer gemischten Familie und verbrachte große Teile meiner Kindheit auf diesem Hof in Niederschlesien, hatte eine sehr enge Beziehung zu meinem Großvater. Schon als Kind habe ich viele der Motive aus seinen Erzählungen verinnerlicht, die haben mich schon sehr geprägt. Etwa die Erzählung von dem Biest. Bis heute weiß ich nicht, wie mein Großvater das wirklich meinte… Aber natürlich ist dies ein fiktiver Roman: die Fiktion überwiegt. Auch was Nele angeht: Anders als sie habe ich nicht diese Skepsis gegenüber diesem Ort geerbt, habe mich in Schlesien immer sehr zuhause gefühlt.

KT: Du bist noch sehr jung und hast bereits einen ersten Roman veröffentlicht. Was gibst du anderen jungen Literaturschaffenden mit auf den Weg?
SJ: Mit sehr viel Konzentration an die Arbeit zu gehen, egal ob Roman oder Kurzgeschichte. Darüber nicht die Lust am Schreiben und am Text verlieren. Während der Arbeit am ersten Roman hing ein Zettel über meinem Schreibtisch, auf dem stand: Keine Panik!

KT: Schreibst du an einem neuen Roman?
SJ: Ja, ich arbeite bereits an meinem zweiten Roman und denke, dass er spätestens 2012 veröffentlicht wird. Es sei nur so viel verraten: Die Handlung spielt in Danzig….

Hier geht es zur Homepage der Autorin.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Sabrina Janesch weiterhin alles Gute.

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4 Gedanken zu “Sabrina Janesch über das Schicksal der Vertreibung.

  1. Danke für dieses tolle Interview, liebe Klappentexterin und liebe Sabrina Janesch. Mich hat „Katzenberge“ emotional sehr bewegt, und irgendwie fühlte ich mich dem Geschriebenen so unglaublich nah. So nah, als würde ich mich mit Nele durch die Nebelschwaden auf eine große Reise in die Vergangenheit begeben. Wenn man mich fragen würde, woran das liegt, dann wäre meine Antwort: Meine Großeltern! Schön zu wissen, dass ein zweiter Roman folgt, und sich die Handlung in Danzig abspielt.

    Viele liebe Grüße,
    Tanja

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    1. Liebe Tanja, vielen Dank für deine Grußworte und eigenen Gedanken. Du hast zum Buch eine ganz besondere Beziehung, das lese ich aus deinen Zeilen heraus und schenkt mir ein Lächeln. Freuen wir uns also gemeinsam auf das nächste Buch.

      Liebe Grüße zum Wochenende,
      Klappentexterin

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  2. Pingback: Jahresrückblick 2012 « zu den Sternen

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