Achtung! Scharf geschrieben!


Sie ist scharf. So verdammt scharf, meine Zunge brennt jetzt noch und der Kopf zischt. Die Geschichte ist vorüber und ich sehe aus wie eine Peperoni, glühend rot und glänzend. Das hat man also nun davon, wenn man einem Hörbuch lauscht, das ordentlich gepfeffert ist. Alina Bronsky hat mit ihrem zweiten Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ ihren Lesern ordentlich die Köpfe aufgeheizt.

Die Autorin erzählt von der Tatarin Rosalinda. Sie hat viel damit um die Ohren, ihre ungeschickte und hässliche Tochter Sulfia zu erziehen. Zu allem Überfluss ist Sulfia nun auch noch schwanger, angeblich über Nacht und einfach so. Rosalinda erleidet fast einen Nervenzusammenbruch.

Die Tatarin ist – mit Verlaub – eine äußerst bemerkenswerte Frau! Ihre Willenskraft und ihr Engagement erzeugen bei mir Respekt bei denen ich lauthals rufe: Chapeau! Chapeau! Eine echte Kämpferin, die stets nur das Beste für ihre Lieben will. Leider vergisst sie dabei alles um sich herum und sie fragt nicht, was die anderen von ihren Plänen halten. Rosalinda beschließt, was gut und was schlecht ist. Alle anderen haben sich gefälligst danach zu richten. Und wehe dem nicht, dann hagelt es aber mächtig Pfeffer. Ja, sie ähnelt einer richtigen Pfeffermühle, die mahlt und mahlt, ohne Luft zu holen. Also als Mutter möchte man Rosalinda nicht haben. Doch dafür als schräge Tante, die gelegentlich zu Besuch kommt und mit ihrem herben Charme lustige Geschichten erzählt.

Sophie Rois spricht die Rosalinda so, wie man sich das schon in Gedanken vorgestellt hat. Sie fühlt sich in ihr ein, quiekt an der richtigen Stelle, sprudelt vor Emotionen, dass man fast denkt: Gleich verschluckt sie sich an den schnellen Worten. Sie nimmt Luft aus der Stimme, wenn Rosalinda vor Erschöpfung zusammenklappt wie ein Kartenhaus, das der Wind eben angehaucht hat. Sophie Rois hat den Biss und den Charme, den die Tatarin umgeben.

Wenn man der Geschichte lauscht, fühlt man mit. So sehr, dass ein Aufstöhnen oder ein Japsen nicht still im Hals stecken bleiben. Sie schießen fontänenartig einfach empor. Hinterher lächelt man, leicht beschämt, wenn man in der S-Bahn sitzt, aber das ist egal. Rosalinda wäre das auch schnuppe. Schließlich steht das Menschsein an vorderster Stelle. Also ist total egal, ob wir hinterher aussehen wie eine glühend rote Peperoni, die glänzt. Hauptsache uns ist warm, warm vom Lachen und warm vor Glück.

Alina Bronsky.
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche.
Gesprochen von Sophie Rois.
05 Std. 20 Min., 13,95 €.
audible.de

Advertisements

Ein Gedanke zu “Achtung! Scharf geschrieben!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s