Pure Zauberei. Wie schön!


Wahrscheinlich laufe ich nun Gefahr, für verrückt erklärt zu werden, aber das ist mir egal. Ich bin nämlich nicht mehr allein. Weder wenn ich in meine Schuhe schlüpfe, noch wenn ich mein Handy anschalte, weil sie jedes Mal neben mir hocken und aufpassen: Die kleinen Elfen. Woher ich das weiß? Von Hummelbi, der Hummelelfe, die Hummeln beim Fliegen hilft. Die Insekten haben zu kurze Flügel, so dass sie eigentlich nicht fliegen können. Sie sind zu schwer, um sich allein in der Luft fortbewegen zu können. Hummelbi hilft ihnen. Die Elfe ist eine besondere Heldin von vielen aus dem neuen Buch von Tanya Stewner.

„Wie weckt man eine Elfe?“ heißt es. Die Autorin erzählt, wie der Titel schon sagt, die Geschichte von Elfen und zwei Mädchen. Florentine und Pauline sind zwei Zwillingsschwestern und verschieden wie Tag und Nacht. Pauline schreibt tolle Geschichten, die ihren Vater, der Lektor ist, jedesmal entzücken. Florentine hat nichts, keine große Begabung, die andere ebenso mitreißt. Das glaubt sie zunächst. Diese Feststellung schafft natürlich Unmut. Trost findet sie im Wald. Und natürlich im Elfenbuch, das sie jeden Abend mit ihrer Mutter in der eigenen Buchhandlung liest. Es ist ein besonderes Buch, das zwischen den Regalen lag. Eines Abends, als sich mal wieder alles um Paulines Geschichten dreht, sitzt Florentine traurig bei ihrer Mutter. Die erzählt ihr ein Geheimnis, dem Florentine sich nicht entziehen kann. Schon am nächsten Morgen macht sie sich auf den Weg und stößt auf etwas, das ihr Leben verändern wird.

Tanya Stewner hat eine Geschichte geschrieben, die wahrlich zauberhaft ist. So zauberhaft, dass man wirklich anfängt an das zu glauben, was dort drin steht und man am Ende vielleicht für verrückt erklärt wird, wenn man anderen zu ihren kaputten Socken sagt: „Da hat wohl Sockimo geschlafen, weil wieder ein Mädchen eher ein Feenbuch gelesen hat als eins über Elfen.“ Das ist hier übrigens ein Thema, was offensiv angegangen wird. Dieses Missverständnis, das zwischen beiden Wesen herrscht. Die Menschen verwechseln allzu gern Elfen und Feen. Oftmals werden in Elfenbüchern nur Feen gezeigt, weil sie viel hübscher sind als Elfen. Sie haben funkelnde Zauberstäbe und sind stets von einem Glanz umgeben. Elfen hingegen haben zottelige Haare, kurze dicke Beine. Sie sind alles andere als zauberhaft und schon gar keine Prinzessinnen. Und weil alle Menschen mehr über Feen lesen, an sie denken, geraten Elfen in Vergessenheit und halten einen tiefen Schlaf. Doch das muss nicht sein, wie Hummelbi und Florentine in dem Buch zeigen. Es geht alles, man muss nur der eigenen Macht der Gedanken vertrauen. Tanya Stewner verzaubert nicht nur, sie beflügelt die eigenen Gedanken. Sie gibt ihren jungen Lesern jede Menge Botschaften mit auf den Weg. Und zeigt, dass in jedem Menschen etwas Besonderes steckt.

Ich bin oft und gern auf einigen Seiten mit den Augen liegen geblieben, weil mich die Bilder amüsiert und beglückt haben. Die Illustratorin Nadine Jessler hat die Seiten des Buches mit wunderschönen Zeichnungen und Motiven versehen, die das Zauberhafte unterstreichen. Die Augen wollen sich von manchen Bildern gar nicht lösen und wenn man genau lauscht, hört man sie hier und da lachen.

Nun bin ich also eine waschechte Anhängerin von kleinen, zotteligen Wesen geworden. Auch wenn ich sie (noch) nicht sehen kann, glaube ich an sie. Jeden Tag. Und wer weiß, vielleicht sitzt eines Tages Sockimo in meiner Sockenschublade, grinst mich schelmisch an und fragt: „Bist du verrückt?“

Tanya Stewner.
Wie weckt man eine Elfe?
Altersempfehlung: 8 – 9 Jahre.
August 2010, 235 Seiten, 10,95 €.
Fischer Verlag.

Mehr über Elfen und über die Phantasie verrät Tanya Stewner am Freitag in einem Interview bei mir.

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5 Gedanken zu “Pure Zauberei. Wie schön!

  1. Eine wunderbare, elfenhafte und warme Rezension. Ich freue mich, dass ich dieses Buch auch in meinem Regal stehen habe. Nun werde ich es bald lesen. Vielleicht glaube ich dann auch an die kleinen Wesen?
    Übrigens finde ich die Illustrationen wirklich gelungen. Ich habe mir eins von diesen Bildern kopiert und über meinem Computer bei der Arbeit aufgehängt. So grinst mich die Elfe jeden Tag frech an…

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  2. Liebe Bibliophilin,
    merci! Aber sicherlich wirst du das, ganz bestimmt! Du bist doch schon längst im Elfenkreis aufgenommen, wenn ich mir das mit dem Bild über deinem Computer genau betrachte… : )

    Elfenhafte Grüße

    Klappentexterin

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  3. Liebe Klappentexterin,
    „Elfen hingegen haben zottelige Haare, kurze dicke Beine. Sie sind alles andere als zauberhaft und schon gar keine Prinzessinnen. “
    Ich freue mich auf dieses Buch! Als jemand, die viele Kinder von FreundInnen um sich hat, wundere ich mich schon manchmal über diesen rosaroten Prinzessinenhype, zu dem symbolisch wohl auch die süßen Feen gehören (obwohl es auch ein wunderschönes Prinzessinnen-Buch gibt: „Prinzessinnen“ von Philippe Lechermeier, Rébecca Dautremer, und Antoinette Gittinger, kennst Du bestimmt ). Jedenfalls braucht es wohl auch Pippi Langstrumpf-Nachfolgerinnen wie diese Elfen. In diesem Sinne: herzlich, Elke

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