Kleine Wohlfühlbibel für gewisse Stunden.

Das habe ich jetzt davon. Ich weiß neuerdings vier Dinge, die mich zutiefst verwirren. Sie entlocken mir ein Staunen und ein Lächeln zugleich. Das Auge zwinkert nervös und verhält sich so als hätte sich darin eine Fliege verfangen. Was ich nun also weiß:

1. Ich habe vier unsichtbare Brüder. Sie tragen die Poesie, Intelligenz, Freundschaft und Stärke in sich.
2. Hormone, die beim Sex ausgestoßen werden, halten Knieknorpel elastisch.
3. Meine Haare müssen nicht auf Ewigkeiten dünn bleiben.
4. Alle Menschen mit gebrochenem Herzen sollen vor allem viel Vitamin E zu sich nehmen, viel Wasser trinken, schlafen und meditieren.

Die Quelle dieses Wissens findet man in „Eat Pray Love“ von Elizabeth Gilbert. Vor Kurzem war das Buch noch eher unbekannt bei uns, doch jetzt ist es in aller Munde. Es mag wohl auch daran liegen, dass immer mehr Frauen das Buch lesen, einfach so oder aus einer Empfehlung heraus. Und natürlich zoomt die Werbemaschinerie, die den gleichnamigen Film pusht, ganz weit nach vorn in den Mittelpunkt. Heute startet übrigens „Eat Pray Love“ – mit Julia Roberts in der Hauptrolle – in unseren Kinos.

Liz heißt die Ich-Erzählerin des Romans. Die Amerikanerin hat sich von ihrem Mann scheiden lassen. Dadurch ist sie mehr zu einem Schattenkind ihrer Selbst geworden. Fortan verbringt sie viele tränenreiche Nächte, ist komplett kraftlos und verzweifelt. Nein, so darf es nicht weitergehen. Also beschließt sie eines Tages vor dem ganzen Wahnsinn zu flüchten. Aus New York und ihrem Leid. Sie begibt sich auf eine Reise, die gleichzeitig eine Suche zu sich selbst sein soll. Dazu hat sie sich drei Länder ausgesucht, die alle mit dem gleichen Buchstaben anfangen: I – Italien, Indien und Indonesien. Wenngleich Liz die Länder nicht zufällig für ihre Reise ausgesucht hat, sieht sie das Ergebnis als gutes Omen für eine Entdeckungsreise ins eigene Ich.

Liz reist als Erstes nach Italien und isst sich glücklich. Sie liebt das „La Dolce Vita“ und die Leute, auf die sie hier trifft. Das Herzliche und manchmal leicht Verrückte tun ihr gut. Vor allem die kulinarischen Köstlichkeiten, die sie verputzt, machen aus einer tränenreichen Liz eine lachende Liz. Danach fliegt sie weiter nach Indien in ein Ashram-Kloster. Dort will die Amerikanerin meditieren und entdecken, wer sie wirklich ist und nimmt sogar eine harte Schule in Kauf. Liz übt sich in Enthaltsamkeit und im frühen Aufstehen. Danach reist sie nach Indonesien und besucht einen Medizinmann, den sie vor einiger Zeit kennengelernt hat. Er hatte ihr damals schon prophezeit, dass sie zurückkommen wird.

Was ist das für ein Buch? Das habe ich mich anfangs gefragt. Die beiden Wörter „Eat“ und „Love“ fand ich ja schon ansprechend, aber das „Pray“, ja, das hat mich irgendwie gestört. Sofort hatte ich das Bild von Heiligen vor mir. Beten. Das ist mir fern. Dass es allerdings mehrere Formen des Betens, des Innehaltens gibt, weiß ich erst seit „Eat Pray Love“. Unsere Welt da draußen ist so verdammt schnell geworden. Auch ich laufe der Zeit manchmal hinterher und rufe: „Halt! Stehengeblieben!“ Wir sind permanent auf Achse, stehen unter Strom und können kaum Luft holen. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten, essen zwischendurch und ersticken fast im Zeitstrudel, der uns mitreißt. Wann halten wir wirklich mal an? Selten, viel zu selten. Liz hat mir gezeigt und mich quasi verführt, einfach mal auf dem Stuhl sitzen zu bleiben und nach draußen zu schauen. Den Wolken zu folgen und dem Rauschen der Blätter zu lauschen.

Die Autorin hat eine besondere Art, zu schreiben. Es macht Spaß, jede Seite zu lesen. Bei ihr rastet ein Mantra beispielsweise nicht richtig im Hirn ein. Flott und salopp plappert sie los. Sie ist sehr ironisch und witzig. An anderen Stellen steigt sie jedoch in die dunkle Tiefe der Seele ab und erzählt feinfühlig über ihre Gefühlswelt. Wir hören ihr Weinen, ihre Zweifel, das Wispern der Tränen. Liz setzt sich mit allem auseinander, was sie betrifft und ist sehr selbstkritisch. Genau diese bunte Mischung macht’s.

Liz hat mich sehr glücklich gemacht. Sie ist zu einer guten Freundin geworden. Sie spricht all das aus für das wir manchmal vielleicht keine Worte finden oder Gedanken vor denen wir uns scheuen. Ich möchte sie am liebsten jeder Frau unters Kopfkissen legen. Eine kleine Wohlfühlbibel für gewisse Stunden.

Weil diese Lektüre jede Frau glücklich macht (zumindest, die, die ich kenne und die es gelesen haben), gibt es morgen ein kleines Interview-Intermezzo zwischen Jana, Beatrice und der Klappentexterin. Eat Pray Love – das sind drei große Bausteine, die man nicht einfach wortlos zurück in den Bücherschrank stellen kann. Seid also gespannt!

Elizabeth Gilbert.
Eat Pray Love.
Juli 2007, 480 Seiten, 11,90 €.
bvt Verlag.

Aktuell zum Film gibt es auch eine Filmausgabe
ISBN: 9783833306877
Preis: 10,95 €

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6 Gedanken zu “Kleine Wohlfühlbibel für gewisse Stunden.

  1. Liebe Klappentexterin,
    es hat mich wieder mal berührt, Deine Rezension zu lesen.
    Ich habe „Eat, Pray, Love“ schon so oft in der Hand gehalten, um es gleich wieder auf den Bücherstapel in der Buchhandlung zurück zu legen. Das Buch hat mich nicht gereizt, oder nur wenig. Jetzt aber ist meine Neugier dermaßen geweckt, dass ich morgen ein bisschen länger bei dem Buch verweilen werde.
    Einen schönen Abend!
    Bibliophilin

    P.S. Ich freue mich auf das Interview!

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  2. Liebe Jana,
    wie gut, dass du mich jetzt nicht sehen kannst… nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe. Eine rote Tomate hockt da, wo sonst mein Kopf sitzt. Ich danke dir ganz doll und verrückt, auch für den Buchtipp, denn ohne dich hätte ich es nie gelesen.

    Liebe Bibliophilin,
    genau wie du bin ich oft an dem Buch herumschlawenzelt… bis zu dem Tag, als mir eine gute Freundin diese Lektüre wärmstens ans Herz legte. Ich dachte: „Einen Blick kannst du ja reinwerfen“. Doch dabei blieb es nicht. Es wurden viele Blicke, besondere Augenblicke. Wenn du es liest, wirst du wissen, was ich meine.

    Aufrichtige Grüße

    Klappentexterin

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  3. Ich würde dir gerne etwas zeigen – dieses Video habe ich schon vor einigen Monaten, vielleicht sogar einem Jahr gefunden – seitdem steht „Eat-Pray-Love“ auch auf der Liste der Bücher, die ich mir einmal näher anschauen möchte. Sie spricht in diesem Vortrag vom Schreiben als Akt des kreativen Auslebens, auch über den Erfolg von „Eat Pray Love“, von Problemen bei der Entwicklung von Kreativität oder aber der Formulierung dessen, was wir als Ideen oder Inspirationen betrachten => „Elizabeth Gilbert on nurturing creativity“

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  4. Liebe Unbekannte Leserin,
    danke für den Film! Sie macht dies sehr unterhaltsam.

    Liebe Stephie,
    dankeschön! Der Film hat bei den Kritikern übrigens nicht so gut abgeschnitten, leider. Aber vielleicht kommst du ja trotzdem in die Versuchung…

    Aufrichtige Grüße

    Klappentexterin

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