Faszination Klassiker.

Sie sind gewaltig, fast überirdisch, groß wie ein Berg, der beinah den Himmel berührt. Wenn ich vor ihnen stehe, verneige ich mich automatisch. Ich erröte, wenn ich sie in den Händen halte. Die Rede ist von den Klassikern.

Mir ist aufgefallen, dass sie heutzutage im hektischen Strudel schnell verlorengehen. Jedes Jahr erscheinen tausende Neuerscheinungen auf dem Markt, die mich und alle anderen zum Lesen verführen. Kaum hat man ein neues Buch beendet, schwupp, liegt auch schon das nächste vor einem und wedelt aufgeregt mit den Seiten. Schnell geraten da jene in Vergessenheit, die genauso viel Aufmerksamkeit verdienen. Werke, die aber manchmal ein bisschen mehr Zeit und Ruhe einfordern als die zeitgenössischen Werke.

Deshalb habe ich beschlossen, Klassiker bei mir leben zu lassen. Ich möchte das Schweigen brechen und sie aus meinem Regal ziehen, vorbei an den jungfräulichen, neuen Büchern. Und ich möchte mit einem roten Gesicht lesen, mit der Ehrfurcht in den Augen und einem Staunen im Hals. Ja, ich denke, das Leseklassikererlebnis ist etwas Besonderes. Deshalb werde ich es jeden Sonntag zelebrieren mit dieser Formel: Klassiker+Tee+Zeit=Glückseligkeit.

Ich beginne mit:

Ich wäre hocherfreut, wenn ich nicht allein bliebe. Vielleicht gibt es dort draußen weitere Bücherfreunde, die die Faszination Klassiker mit mir teilen wollen, mir ihre Schätze zeigen. Und da huschen auch schon die ersten Fragen aus meinem Kopf: Welche Klassiker haben euch beeindruckt? Welche Werke wollt ihr irgendwann einmal lesen? Welche habt ihr nie beendet und warum?

Eine erste Meinung zu den Klassikern habe ich schon eingefangen. Vor einiger Zeit hat mir Benedict Wells verraten, wie er über Klassiker denkt. Mehr dazu findet ihr hier.

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14 Gedanken zu “Faszination Klassiker.

  1. Wunderschönes Thema – ich war schon drauf und dran, ein ähnliches aufzumachen.
    Gerade ältere englische Literatur – du hast da eines meiner Lieblingsbücher erwischt – mag ich sehr.
    Zuletzt gelesen: Dicken’s „David Copperfield“, Scott’s „Ivanhoe“.

    Von Charlotte Bronte liebe ich aber „Villete“ eigentlich mehr.

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  2. Ich finde einige Klassiker auch sehr schön. Besonders beeindruckt war ich von Stolz & Vorurteil und von Sturmhöhe. Beide Bücher sind einfach fantastisch und sollten irgendwann einmal gelesen werden.

    Jane Eyre habe ich leider noch nicht gelesen. Es liegt aber schon in meinem Regal und ich werde es hoffentlich in naher Zukunft auch mal lesen 😉

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  3. Was, verehrte Klappentexterin, ist für dich ein Klassiker, wodurch definiert er sich? Durch sein Alter, dadurch, daß er von vielen Büchern, die erschienen sind, die Jahrhunderte im Gedächtnis (und in den Buchkatalogen) überdauert hat? Oder definiert er sich durch seinen Inhalt, daß er Fragen grundsätzlicher Bedeutung in besonderer Art und Tiefe durchleuchtet? Sind Werke von Dürrenmatt oder Frisch schon klassisch zu nennen oder immer noch zu wenig abgelagert, um ihre Tauglichkeit für „immer“ nachgewiesen zu haben?

    Aber egal wie man es definiert, ich bin kein Klassiker-Leser. Der Hauptgrund wird sein, daß ich mich ihnen nicht gewachsen fühle, sie mir zuviel Ehrfurcht einflößen… Interessieren würden mich die Russen, Tolstoi, Dostojewski….

    mit klassischen Grüßen
    fs

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  4. Welch wunderbare neue Sonntagstradition! Ich liebe Klassiker! Ich liebe Jane Austen, die Bronte-Geschwister (und zwar alle drei), Charles Dickens, Goethe, Schakespeare, Lessing, Schiller, Melville. Mit Tolstoi und Dostojewski hatte ich so meine Schwierigkeiten, weil in mir wohl keine russische Seele wohnt. Tschechow (oder Cechov, wenn man ihn ursprünglicher schreiben möchte) ging und geht mich da schon eher etwas an. Mit James Joyce konnte ich auch nichts anfangen.

    Die Frage von Flattersatz finde ich ziemlich berechtigt. Ich meine, einen Klassiker zu definieren, ist jetzt nicht so schwierig, aber die Grenze zu ziehen. Und ja, Dürrenmatt, Frisch und Thomas Mann (der Heinrich natürlich auch) sind für mich ebenso Klassiker. Moderne Klassiker. Schwieriger wird es da mit Leuten wie Grass, die also noch atmen und arbeiten. Obwohl „Die Blechtrommel“ garantiert ein Klassiker von morgen ist.

    „Jane Eyre“ wird von mir immer mal wieder gelesen und geliebt. Underdogs, die sich ihren Weg durchs Schicksal fräsen und trotz moralischer Verwerflichkeit glücklich sein wollen (oder nicht – siehe Jane, der geht die Konvention ja über alles, weswegen Rochester sich weiter quälen muss, dann sogar noch physisch), bis auch ihr das Leben zeigt, dass Liebe unbezähmbar ist. Herrlich! Schade nur, dass am Ende die Glückseligkeit mit wiederkehrendem Augenlicht und so ein wenig too much für meinen Geschmack ist. Zusammengefundene Herzen hätten gereicht. Aber mein Seelchen mag dieses „Am Ende wird alles gut“ dann doch irgendwie. Denn das ist literarischer Balsam.
    Häufiger als das Buch gucke ich mir allerdings die BBC-Verfilmung aus den 1990ern an, was aber daran liegt, dass mein Lieblingsschauspielgott Ciarán Hinds dort den Rochester spielt. Und er ist so herrlich unbändig und ungestüm. Hach, jetzt komme ich aber ins Schwärmen! Ich bin schon sehr, sehr gespannt, welcher Roman nächsten Sonntag vorgestellt wird.

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  5. Ich mag manche Klassiker sehr gerne, mit anderen wiederum werde ich so gar nicht warm. Bin bekennende Dostojewski- und Tolstoi-Liebhaberin, liebe Fontane, Storm, Goethe, Schiller, Frisch, Dürrenmatt oder auch Thomas Mann (in meiner Definition sind die schon Klassiker 😉 ). Womit ich leider so gar nichts anfangen kann, sind die Bronte-Schwestern und Jane Austen.
    Zwei Dingen habe ich mich bisher nicht gewachsen gesehen, möchte sie aber unbedingt noch einmal in Angriff nehmen: Dantes „Göttliche Komödie“ und Goethes „Faust II“. Auch von Cevantes habe ich zwar einiges hier stehen, mich aber irgendwie noch nie an mehr als den „Don Quijote“ getraut.

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  6. Liebe SonntagsleserInnen,

    danke für eure zahlreichen Kommentare! Die englischen Bücher erfreuen sich ja großer Beliebtheit.
    @ Stephie & Rheinsberg: Habt ihr die Bücher wie Bibliophilin in der Originalsprache gelesen oder in Deutsch? Ich frage mich ernsthaft, wieviel in der Übersetzung verlorengeht. Irgendwie scheue ich mich noch ein bisschen vor Jane Austen. Ich weiß auch nicht, warum.

    @ Flattersatz. Eine gute Frage: Welche Klassiker meine ich? Bei dem Begriff scheiden sich einige Geister. Ich habe mich auf Bücher bis zu den 50er Jahren bezogen – also Klassiker und Moderne Klassiker. Dazu zählt ebenfalls für mich ein „Stiller“ von Max Frisch. Andere sind da vielleicht anderer Meinung. Wikipedia sagt zum Begriff Klassiker übrigens folgendes:
    „Im engeren Sinne werden die antiken griechischen oder lateinischen Schriftsteller, deren Werke auch heute noch Bedeutung besitzen, als Klassiker bezeichnet. In der Literaturgeschichte als deutsche Klassiker sind die Dichter der Blütezeit der deutschen Literatur zur Zeit Goethes, Schillers und Hölderlins gemeint, im engeren Sinne als „Weimarer Klassiker“ Wieland, Herder, Goethe und Schiller.
    Als Moderne Klassiker bzw. Gegenwartsklassiker werden Künstler bzw. deren zum allgemein anerkannten Literatur- bzw. Kunstkanon gehörende Werke jüngeren Datums bzw. der Gegenwart bezeichnet, z. B. der Schriftsteller Thomas Mann und seine Buddenbrooks oder der Kinderbuch-Klassiker Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren, Der Steppenwolf von Hermann Hesse; als Krimi-Klassiker die Werke von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle.“

    Zu guter Letzt die Frage an dich: Hast du denn schon mal einen Klassiker-Versuch gestartet? Von Dostojewski kann ich dir da sehr „Der Spieler“ empfehlen.

    @ Nantik: Ich habe erst 40 Seiten gelesen, aber schon jetzt kann ich dir nachempfinden, wenn du schreibst: „„Jane Eyre“ wird von mir immer mal wieder gelesen und geliebt.“ Ein wunderbares Werk ist das!
    Zum Thema Klassiker gibt es einige Titel, die den Begriff allein dadurch tragen, dass sie klassisch sind wie Flattersatz – „Oder definiert er sich durch seinen Inhalt, daß er Fragen grundsätzlicher Bedeutung in besonderer Art und Tiefe durchleuchtet?“ ansprach. „Die Blechtrommel“ von Grass ist dafür ein gutes Beispiel.

    @ Grete_o_Grete: Faust ist ein Mysterium, das ich während meines Literaturstudiums mit neuen Augen für mich entdeckt habe. Ich habe das Werk zu Schulzeit gelesen und bin damit nicht warm geworden, doch einige Jahre später sah das ganz anders aus. Vielleicht ist das so mit den Klassikern: Sie brauchen ihre richtige Zeit des Entdeckens. Die „Göttliche Komödie“ steht auch auf meiner Leseliste.

    Mit klassischen aufrichtigen Grüßen

    Klappentexterin

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  7. Ja, ich bin für Klassiker! Vor allem für die vielen Unbeachteten. Klassiker sind manchmal schon langweilig. Schwer zugänglich. Schwer verdaulich. Aber wenn man sich mal mit ihnen befasst, geben sie einem so viel mehr als die stinknormalen Bücher, die sicher in ein paar Jahren wieder von der Bildfläche verschwunden sein werden.

    http://blauraum.net/endlich-mal-echte-historische-romane-lesen/ War quasi mein Plädoyer für Klassiker 😉

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  8. Meine 10er Liste (ich beschränke mich auf Romane):
    Jane Austen: Pride and Prejudice
    Jane Austen: Persuasion
    Fjodor M. Dostojewski: Die Brüder Karamasow
    Theodor Fontane: Der Stechlin
    Bettina von Arnim: Die Günderrode
    Anne Bronte: Die Herrin von Wildfeld Hall
    Ford Madox Ford: The saddest story
    Virginia Woolf: Orlando
    Johann Wolfgang Goethe: Werther

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  9. Ja, die englischen Bücher lese ich lieber im Original. Was ich heftig vermisse, ist auch mein Exemplar von „Vanity Fair“ – etwas albern, aber so vielschichtig, dass ich es immer gerne wieder las.
    Dann, natürlich – Fontane. Ich liebe Fontane. Jemandem schon mal mein Nick aufgefallen? 😉
    Und Schiller. Den habe ich noch ganz jung im Bücherschrank meines Vaters entdeckt, und viel gelesen. Lessing darfs aber auch sein – bei Goethe habe ich meist gestreikt.

    Russen: wenig. Ausnahme: Tolstois Krieg und Frieden. Auch ein Buch zum Wiederlesen.

    Hach – gibt soooo viel schöne Bücher!

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  10. @ Friederike: Danke für deinen Vermerk! Und du hast es wunderbar zusammengefasst, was Klassiker ausmachen.

    @ Melusine Barby: Eine bemerkenswerte Zusammenstellung ist das! Von jedem was dabei! Dankeschön! An Virginia Woolf bin ich bislang leider gescheitert.

    @ Rheinsberg: Ich dachte mir schon, dass es zum Rheinsberg einen Bezug gibt. : ) Ach, der gute Fontane. Ein großgewachsener Herr ist Theodor Fontane gewesen, mit schmalem Seitenbärchen und grauem Schnurrbart. Alfred Kerr hat ihn seinerzeit in seinem „Wo liegt Berlin?“ sehr detailliert beschrieben. Gleich zu Beginn. Kennst du das Buch? Ein Fundstück, das hier auch bald zur Sprache kommt. Aber psst. Ich finde es gut, englische Bücher im Original zu lesen. Leider scheue ich mich noch ein wenig davor. Noch. Bald sicherlich nicht mehr. Welches Werk von Schiller empfiehlst du mir? Warum kein Goethe?

    Ja, es gibt soooo viele schöne Bücher und sooo wenig Zeit.

    Mit besten klassischen Grüßen

    Klappentexterin

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  11. Warum kein Goethe? Gute Frage – ich bin mit ihm nie warm geworden, er spricht nicht zu mir. Mal das eine oder andere seiner Gedichte – das wars.

    Schiller – dessen Gedichte liebe ich eigentlich alle. Zu „Kassandra“ habe ich ein besonders enges Verhältnis.
    Viele fangen ja mit den „Räubern“ an, Schiller zu mögen, auch wenn man sich in der Schule Mühe gab, uns mir der „Bürgschaft“ von ihm abzuschrecken. Bei mir war es aber seine „Jungfrau von Orleans“, die mir den größten Eindruck machte. Oder „Maria Stuart“ – vielleicht auch, weil ich generell ein Faible für Geschichte habe. So lese ich auch gerne Shakespeares Königsdramen und alles, was mit den Rosenkriegen zu tun hat.

    Englisch im Original: irgendwann sollten wir für die Schule ein Buch auf englisch lesen. Ich nahm mir für die Sommerferien irgendeine Westernstory mit – hatte Glück, und ahnungslos Zane Grey erwischt -, tat mir noch recht schwer, aber biss mich doch durch die Handlung durch. Seither habe ich das beibehalten, mit zunehmender Leichtigkeit, so dass ich mein Englisch immer gepflegt hielt. Jane Eyre fände ich für den Einstieg nicht schlecht, auch wenn manche älteren Ausdrücke etwas schwierig sein können. Austen liest sich auch gut, wenn man sich ein wenig dran gewöhnt hat.
    Wem das schwer fällt – vielleicht mal Grisham im Original.

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  12. Also ich muss sagen, dass ich ein großer Fan von Jane Austen bin. Habe fast alle Bücher von ihr gelesen und mochte „Emma“ & „Stolz und Vorurteil“ am liebsten.
    „Stürmhöhe“ & „Krieg und Frieden“ sind aber auch wundervolle Bücher, ich mag auch „Der Graf von Monte-Christo“.
    Zum Abgewöhnen finde ich ja Goethe (schlagt mich ruhig, ich mag seinen Stil nicht). Ich habe auch einfach keine Zeit und Ruhe im Moment um Victor Hugo’s „Glöckner von Notre-Dame“ zu lesen.
    Aber deine Idee finde ich ganz toll!

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  13. Liebe Lisa,
    es freut mich, einen großen Jane Austen Fan heute an meinem Klassikertag zu treffen. Dankeschön! Ich wünsche dir ganz bald die Zeit, die du für Victor Hugo brauchst.

    Mit besten klassischen Grüßen

    Klappentexterin

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