Dein ♥ Autor und du. Teil 2.

Vor kurzem habe ich darüber berichtet, wie es ist, Autorinnen und Autoren zu treffen. Genau so ist es Beatrice ergangen. Die Studentin ist ein großer Fan von Adam Davies. Sie war bei seiner Lesung und hat sich danach ihr Buch signieren lassen. Seitdem sieht die erste Seite so aus:

Natürlich lasse ich so etwas nicht spurlos an mir vorbeiziehen. Ich habe bei Beatrice nachgefragt, wie sie diese besondere Begegnung erlebt hat. Ob sie auch Herzrasen und einen roten Kopf hatte.

Klappentexterin: Du hast vor einigen Wochen Adam Davies getroffen. Wer ist das?
Beatrice: Adam Davies ist ein noch recht junger amerikanischer Autor und hat bisher drei ganz wunderbare Romane veröffentlicht.

KT: Wie bist du auf Adam Davies gestoßen?
B: Eine sehr gute Freundin hat mich auf sein erstes Werk Froschkönig aufmerksam gemacht. Selten hat mich ein Buch so berührt und amüsiert zugleich.

KT: Er ist einer deiner Lieblingsautoren. Warum findest du ihn klasse?
B: Mich berührt einfach, was und wie er es schreibt. In den Geschichten geht immer um die Beziehungen von Menschen und die Dramen, die sich daraus entspinnen können, wenn sie nicht mehr offen füreinander sind. Dabei schafft er es auf eine ganz magische Art und Weise, den schlimmsten Tragödien Humor und Ironie zu verleihen. Und anders ist es auch im richtigen Leben nicht: Wer in großen Krisen mal einen Schritt zurücktritt und das nahende Inferno von außen betrachten kann, der muss meist herzlich lachen. Adam Davies bringt eine große Weisheit auf den Punkt: Das Drama ist zwar immer dramatisch, aber auch sehr albern. Diese Mischung zwischen Tragik und Komik bei ihm ist sehr gut gelungen, denn er wird dabei nie zynisch oder verachtend für die Alltagsdramen der Menschen. Man merkt, dass er die Menschen mag und einen tollen Humor hat.

KT: Welches Buch von ihm magst du am liebsten?
B: Bei nur drei Büchern ist das ein wenig schwer zu sagen, weil ich glaube, dass er noch ganz viel Großartiges schreiben wird. Ich denke, das neueste Werk „Dein oder Mein“ mag ich im Moment am liebsten. Es ist eine rasante Geschichte, die trotz ihrer Tragik unglaublich intelligent und witzig ist.

KT: Warst du sehr aufgeregt, ihn anzusprechen? Hattest du Herzrasen und einen roten Kopf?
B: Es gab ja nur eine Lesung in Deutschland zu „Dein oder Mein“ und ich hatte den Froschkönig noch als jungfräuliches Exemplar zu hause, weil ich es eigentlich verschenken wollte. Also dachte ich mir, dass ich es einfach signieren lasse, wenn ich schon einmal die Gelegenheit dazu habe. Aber nach der Lesung hätte ich fast gekniffen, weil ich plötzlich so aufgeregt war. Herzklopfen, Kloß im Hals, Tomatenkopf – da war alles dabei. Dazu kam ein Anfall von Fremdschämen, weil ich dachte: Meine Güte, Du bist ja wie ein Groupie, wie peinlich. Aber eine Freundin hat mir dann Mut gemacht und ich bin als erste hin.

KT: Wie war das so Angesicht zu Angesicht?
B: An alle Einzelheiten kann ich mich nicht so gut erinnern, weil in meinem Kopf eine Stimme dröhnte, die immer wieder rief: Wow, Adam Davies, wow. Er sieht ja auch echt toll aus, das war mir vorher gar nicht so bewusst. Ich hab ihn dann gefragt, ob er das Buch für mich signieren würde und er fragte nach meinem Namen, den wir dann noch zusammen buchstabiert haben. Und als er schrieb, stand ich bestimmt wie ein Frettchen neben ihm, das versucht die Fassung zu wahren. Hinter mir standen dann noch ein paar Groupies. Also habe ich mich brav bedankt, wie ein Frettchen das halt in einer Situation so elegant wie möglich machen kann und bin mit dem breitesten Grinsen der ganzen weiten Welt von den Stufen geschwebt. Es war also ein wenig peinlich und sehr erhebend.

KT: Was gefällt dir an der Signatur besonders?
B: Lass mich noch mal drauf schauen. Zuallererst der Fakt, dass ich immer noch Grinsen und Quietschen muss, wenn ich sie sehe. Der Mann hat eine sehr prägnante Schrift, wirklich einfach nur schön. Und „lovely Beatrice“: das geht runter wie Öl.

KT: Was wirst du nun mit dem Buch machen? Bekommt es einen Ehrenplatz?
B: Bei mir gibt es ja einige Bücher in der Wohnung. Viele tummeln sich in den Regalen, aber ein paar Lieblinge kommen mit aufs Hochbett. Dort sind sie immer griffbereit, denn ich lese sehr oft im Bett, weil ich da oben die größte Ruhe finden kann. Außerdem werden sie da auch nicht immer gleich von allen Besuchern gesehen, sondern hüpfen auf Nachfrage die Stufen runter. Die signierte Ausgabe des Froschkönigs gehört auf jeden Fall dazu.

KT: Möchtest du Adam Davies einmal wiedersehen?
B: Auch wenn ich dann wieder einen roten Kopf kriegen würde – Ja!

KT: Wenn du Adam Davies in New York auf der Straße treffen würdest, was würdest du ihm sagen?
B: Das hinge davon ab, ob vor lauter Stammeln auch was Brauchbares aus mir raus kommen würde. Ich würde ihm natürlich sagen, dass er ein ganz großartiger Autor ist und dass ich normalerweise nicht so ein Frettchen bin, wenn ich mit Leuten rede. Und ich würde ihn bitten, noch sehr viel mehr zu schreiben, damit mein signiertes Exemplar nicht so einsam ist.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Beatrice weiterhin viele Glücksmomente mit Adam Davies.

Diese Bücher hat Adam Davies bereits geschrieben:

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4 Gedanken zu “Dein ♥ Autor und du. Teil 2.

  1. „Aber nach der Lesung hätte ich fast gekniffen, weil ich plötzlich so aufgeregt war. Herzklopfen, Kloß im Hals, Tomatenkopf – da war alles dabei. Dazu kam ein Anfall von Fremdschämen, weil ich dachte: Meine Güte, Du bist ja wie ein Groupie, wie peinlich. „

    Als Leserin ist es immer eine schöne Gelegenheit, wenn man nicht nur in den Dialog mit einem Buch tritt, was einen bereichert, inspiriert, sondern auch die Möglichkeit bekommt mit dem Menschen zu sprechen, der verantwortlich ist für diese neue Welt, die in unserem Kopf entsteht.
    Ich hatte das große Vergnügen Thomas Glavinic bei einer Lesung zu „Das bin doch ich!“ zu erleben; ich war mit meinen zwei Begleiterinnen dort, habe mich zuerst an meiner Kaffeetasse festgehalten und dann überlegt „Soll ich wirklich gehen? Ist signieren nicht auch eine nervige Angelegenheit?“ und wollte zuerst nach der Lesung den Saal verlassen. Dann kam eines zum anderen, eine Begleitung hat eine neue Ausgabe erstanden und zog mich – weil sie genauso wenig alleine gehen wollte – einfach mit. Die Schlange war etwas länger, wir haben gewartet und der erste Kontakt war: ein Lächeln und die Frage „Na, wie geht’s euch? Hat es euch gefallen?“, woraufhin wir beide nur enthusiastisch genickt und ihn damit zum Lachen gebracht haben. Dieser Gedanke „Oh, mein Gott, da sitzt er!“ hat mich auch verfolgt – ich wurde aber schnell abgelenkt, nachdem er bemerkt hatte, dass ich offensichlich hochdeutschsprechend mich in einer österreichischen Kleinstadt aufhalte, aus Berlin komme und er sich ein wenig über die mürrische Art dieses Publikums belustigt hat.

    Ich kann diese Aufregung sehr gut nachvollziehen – ich habe sie jedes Mal, wenn ich zu einer Lesung gehe (wie demletzt bei Anna Mitgutsch) und mich anstelle, einfach, weil es auf der anderen Seite (auf der einen ist die Nervosität) ein inspirierendes, schönes Erlebnis ist, den Menschen kennen zu lernen, der mir schlaflose Nächte (positiver Art) bereitet hat.

    Zu Adam Davies: „Goddbye Lemon“ war mein Lieblingsbuch des Jahres 2009. „Froschkönig“ liegt auf meinem Stapel ungelesener Bücher und ich bedanke mich – voller Vorfreude – für den Hinweis, dass er ein neues Buch veröffentlicht hat! 😉

    Liebe Grüße,
    Sternenwanderer

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  2. Adam Davies, der alte Charmeur! Aber „lovely Beatrice“ liest sich auch toll 😀
    Zu den Büchern: Froschkönig konnte mich noch nicht richtig begeistern. Ich fand es gut und unterhaltsam, aber auch nicht mehr. Goodbye Lemon hingegen hat mir ausgesprochen gut gefallen, vielleicht weil die Thematik und die Worte auf mich nicht so „flapsig poppig“ (ich finde keine passende Umschreibung) wie beim Froschkönig wirkten. Da steckten mehr Tiefe und Wärme drin.
    Den neuesten Roman kenne ich allerdings noch nicht.

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  3. Hallo Sternenwanderer,
    vielen lieben Dank für deinen schönen Beitrag. Ich habe mich sehr gefreut, ihn zu lesen und schmunzele immer noch.
    Zu Adam Davies: Mir hat der „Froschkönig“ am besten gefallen.

    Liebe Ada,
    ja, du bringst es auf den Punkt: Adam Davies, der alte Charmeur! Es ist interessant, wie unterschiedlich vor allem sein „Froschkönig“ wahrgenommen wird.

    Aufrichtige Grüße

    Klappentexterin

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