Oliver Bottini über Fernöstliches.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Oliver Bottini – der Autor von „Mord im Zeichen des Zen“ – was er über Fernöstliches zu sagen hat.

© Foto: Annina Luzie Schmid.

Oliver Bottini, in Nürnberg geboren, studierte in München Neuere deutsche Literatur, Italianistik und Markt- und Werbepsychologie. Er erhielt für seine beiden Kriminalromane »Mord im Zeichen des Zen« und »Im Sommer der Mörder« jeweils den Deutschen Krimi Preis. Beide Romane standen monatelang auf der KrimiWelt-Bestenliste und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2007 wurde er für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman nominiert. Sein dritter Roman, »Im Auftrag der Väter«, stand 2007 auf der Shortlist des Münchener Tukan-Preises. Auch der vierte Roman, »Jäger in der Nacht«, war sehr erfolgreich. Oliver Bottini lebt in Berlin. © Text: Fischer Verlag.

Klappentexterin: Seit über zehn Jahren praktizieren Sie Qi Gong und Kung Fu. Haben Sie gezielt damit begonnen oder eher zufällig?
Oliver Bottini: Eigentlich eher zufällig. Ein Freund von mir hat die Werbung der neuen Schule gesehen, und so sind wir hingegangen. Daraus wurden dann 13 schöne Jahre … Nach meinem Umzug nach Berlin 2008 habe ich leider nichts Gleichwertiges mehr gefunden. Aber ich suche weiter!

KT: Die Meditation ist eine hohe Kunst. Wie gelingt es am besten, die Gedanken komplett abzuschalten?
O.B.: Indem man es gar nicht erst versucht. Nicht dass ich das könnte! Aber die Anweisung lautet ja: die Gedanken anschauen, vorbeiziehen lassen, sie nicht als positiv oder negativ bewerten, sich nicht dranheften. Wenn man es doch tut: immer wieder von Neuem versuchen. Aber eben ohne es zu versuchen …

KT: In Ihrem Krimi „Mord im Zeichen des Zen“ ist auch vom Qi die Rede. Erklären Sie einem Laien doch bitte mal, was es ist.
O.B.: Der chinesische Begriff Qi bedeutet wörtlich etwa „Atem, Energie, Luft“. Qi ist, traditionellen Quellen zufolge, die Energie im Menschen genauso wie im Universum, ohne die kein Leben entstehen und bewahrt werden kann. Es ist aus dem steten Wechsel von Yin und Yang entstanden, und solange sich die beiden im Gleichgewicht befinden, ist auch das Qi im Gleichgewicht. Falls die Balance verlorengeht, kann das Qi im Körper nicht mehr ungehindert fließen, oder es kommt zu einem Mangel – oder zu einem Überfluss an verbrauchtem Qi. Man wird krank. Auf der anderen Seite kann man dieses innere Qi, die „Energie“, die überall im Körper vorhanden ist, durch gesunde Ernährung, richtige Bewegung und korrektes Atmen nähren.

KT: Immer mehr Menschen bei uns sind vom Zen und dem Buddhismus fasziniert. Was meinen Sie, woran das liegt?
O.B.: Das hat sicherlich viele Gründe. Ich kann nur sagen, was mich für eine Weile daran fasziniert hat (ohne dass ich je Buddhist hätte sein wollen; und inzwischen ist bei mir ohnehin eine andere Phase angebrochen). Beim Zen die Kargheit, die Strenge, die Reduktion auf das Wesentliche, die Konsequenz, die Wertschätzung noch der geringsten Tätigkeit und des geringsten Wesens. In allem liegt ja Zen, und alles enthält die Anlage zum Buddha. Ich fand den Gedanken bestechend, dass man sich, egal was man tut, vollkommen eben nur auf diese eine Tätigkeit konzentrieren „soll“. Da schwingt für mich die Verheißung einer ungeheuren Freiheit mit, der Fülle des einen Momentes, des Einswerdens mit sich selbst. Und wie man kann die die heutige Flut von Informationen, Eindrücken, Geräuschen etc. besser aushalten, als wenn man sich davon überhaupt nicht mehr beeindrucken lässt? Sicher habe ich das Zen in meiner späteren Jugend aber schlicht auch romantisiert – Stichworte Samuraifilme, Exotik, Kunst des Bogenschießens … Für die eher esoterischen (in unserem Sinne), verwestlichten Formen des Buddhismus konnte ich mich dagegen nie begeistern.

KT: Fernost und der Westen – passt das zusammen?
O.B.: Überhaupt nicht. Aber das ist ja das Spannende. Zwei vollkommen unterschiedliche Arten, mit der Welt umzugehen. Ist doch ungeheuer bereichernd, wenn man sich etwas so Fremdes mal genauer ansieht. Man lernt viel.

KT: Haben Sie Ihre Bücher nach Zen sortiert?
O.B.: Ich wüsste nicht mal, was das ist. Sie stehen nach Sprachen gruppiert und dann alphabetisch nach dem Autorennamen sortiert. Kann aber sein, dass ich sie nach dem nächsten Umzug anders stelle, nach Farben zum Beispiel. Sieht bestimmt gut aus. Und wenn’s mir dann für die richtige Balance zu wenig rote Bücher sind, kaufe ich mir halt noch ein paar rote Romane …

KT: Wieviel Zen bestimmt die Einrichtung Ihrer Wohnung?
O.B.: Wenig. Den Versuch, mich karg einzurichten, habe ich schon aufgegeben – es gibt so viel Schönes zu kaufen! Bis auf zwei, drei chinesische Möbelstücke und drei sehr schöne Buddhastatuen gibt es keine Zen-Einflüsse. Sieht man von ein paar verstaubten Kung-Fu-Lanzen ab, die in der Ecke stehen.

KT: Mögen Sie Tee und auch die Zeremonien?
O.B.: Tee ja, für die Zeremonie bin ich zu ungeduldig. Und die Tassen sind mir viel zu klein. Da müsste ich ja dauernd nachschenken.

KT: Nun von Fernost zum Krimi: Wie ist die Idee damals zu Ihrer Krimireihe mit der Kommissarin Louise Bonì entstanden?
O.B.: Ich hatte damals gerade ein Sachbuch über Zen geschrieben, und da kam mir im Gespräch mit einer befreundeten, mittlerweile leider verstorbenen Lektorin die Idee, die beiden scheinbaren Gegensätze Krimi und Zen zu kombinieren. So ist „Mord im Zeichen des Zen“ entstanden.

KT: Am 5. Oktober erscheint Ihr neuer Krimi „Das verborgene Netz“. Arbeiten Sie bereits am nächsten?
O.B.: Ja, ich bin am Recherchieren und Konzipieren. Louise macht nach dem „Netz“ mal Pause, im nächsten Roman ist sie nicht dabei. Sie braucht eine Auszeit und kehrt in das französische Zen-Kloster aus „Mord im Zeichen des Zen“ zurück. Und ich brauch mal eine Auszeit von ihr. Aber sie fehlt mir schon, und ich freue mich auf den sechsten Band mit ihr.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Oliver Bottini weiterhin alles Gute!

Hier geht es zur Rezension zu „Mord im Zeichen des Zen“.
Hier findet ihr die Autoren-Homepage.

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3 Gedanken zu “Oliver Bottini über Fernöstliches.

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