Michael Gantenberg über Heimat.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Michael Gantenberg – der Autor von Zwischen allen Wolken – wie er über Heimat denkt.

Michael Gantenberg, geboren 1961, war WDR-Radiomoderator, Gastgeber des Satiremagazins »Extra 3« und schrieb für ›Die Zeit‹ und die ›FAZ‹. Für die RTL-Komödie »Ritas Welt« erhielt er den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Er entwickelte »Alles Atze« und »Nikola« und arbeitete als TV-Autor für den »Großen Deutschtest« (mit Hape Kerkeling). 2008 lief sein erster Kinofilm »U-900« mit Atze Schröder und Yvonne Catterfeld. Sein erster Roman Neu-Erscheinung erschien 2009. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe des Sauerlandes.

Klappentexterin: Was bedeutet Heimat für Sie?
Michael Gantenberg: Das variiert, manchmal ist Heimat eine geografische Einstellung, ein Ort, der mir die Sicherheit des Vertrauten schenkt und eine emotionale Wohlfühltemperatur, manchmal aber ist Heimat auch schon dort, wo es einfach nur lecker ist, oder schlicht nur schön. In jedem Fall ist Heimat immer da, wo meine Liebsten sind.

KT: Kann man an einem fremden Ort leben und sich trotzdem heimisch fühlen?
MG: Oh ja, ich erliege schnell dem Zauber fremder Orte und es braucht nicht viel, um mich heimisch zu fühlen. Aber wenn ich es dann bin, dann wird es für mich immer sehr schwer, mich von diesen Orten auch wieder zu trennen.

KT: Leben Sie noch in Ihrer Heimat?
MG: Ich lebe nicht mehr an dem Ort, in dem ich geboren wurde. So gesehen, habe ich meine Geburtsurkundenheimat verlassen. Dort, wo ich nun lebe, erklang der Lockruf der Liebe, ich bin ihm gerne gefolgt.

KT: Ist der Begriff Heimat heute ein anderer als vor 50 Jahren?
MG: Wenn damit die historische Sicht gemeint ist, dann sicherlich. Wenn Heimat auch was mit Bundesfarben, Flaggen und Hymnen zu tun hat, dann gibt es in diesem Land wohl auch wieder die zaghafte Bereitschaft sich öffentlich zu dieser Heimat zu bekennen. Meistens gehört dazu aber auch ein sportliches Großereignis. In meiner Branche ist es aber auch kein Problem mehr von Heimatfilmen zu sprechen, vor 50 Jahren roch so was nach dem Förster im Silberwald, heute duftet es nach Detlef Buck oder Fatih Akin, beide sind ganz wunderbare Heimatfilmer.

KT: Heimkehr, Heimweg, Heimweh, Heimsuchung, Heimathafen – es gibt einige Wörter, die ein Stückchen Heimat enthalten. Welches mögen Sie am liebsten und warum gerade das?
MG: Ich mag ganz besonders den Heimweg, weil mich dort immer etwas Schönes erwartet.

KT: Gesa – die Protagonistin aus Ihrem Roman „Zwischen allen Wolken“ – will zu Beginn der Geschichte ihre Heimat verlassen und tut es doch nicht. Warum haben Sie sie nicht von der Insel wegziehen lassen?
MG: Weil Gesa am Ende lernt, das man sich bestimmten Dingen stellen muss und Flucht ganz selten der richtige Wege ist, um das Glück zu finden. Manchmal muss man bleiben, um das Glück zu spüren. Das ist wie bei einem netten Besuch, wenn man ständig weg ist, kommt keiner mehr.

KT: Wenn man Gesas Geschichte liest, hat man wahrlich das Gefühl, eine junge Frau vor sich zu haben. Wie macht man das als Mann, sich so in die Rolle der Frau zu fühlen?

MG: Ich höre viel hin und dann zu. Meine Tochter wird das bestätigen.

KT: In Ihrem Roman werden auch Sandflöhe erwähnt. Was würde wohl passieren, wenn die aus Versehen in einem Strandtuch gewickelt, mitgenommen und woanders ausgeschüttet würden? Ob sie dann wohl Heimweh hätten?
MG: Sandflöhe fühlen sich überall heimisch, so lange die klimatische Grundvoraussetzungen stimmen. Da unterscheide ich mich massiv von den krabbelnden Kollegen.

KT: Sie schreiben Drehbücher und Romane, entwickeln witzige Dialoge für Comedyserien. Woher nehmen Sie all die ganzen Ideen?
MG: Das wüsste ich auch gerne, dann könnte ich diese Frage endlich mal für alle beantworten.

KT: Verraten Sie mir, woran Sie gerade arbeiten?

MG: An einem Roman, in dem ein Mann mit einem Esel durch die Uckermark wandern muss, weil seine Frau es von ihm verlangt. Ein Roadmovie auf sechs Beinen, erscheint 2011.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Michael Gantenberg weiterhin alles Gute.

Hier geht es zur Autoren-Hompage.
Hier zur Rezension zum Roman „Zwischen allen Wolken“.
Hier liest Michael Gantenberg am 24. Juli aus seinem Roman.

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