Dein ♥ Autor und du.

Wir haben sie alle: Unsere Lieblingsautoren. Jedesmal freuen wir uns auf ihre Neuerscheinungen und sind glücklich, sie entdeckt zu haben. Manchmal reicht das nicht. Wir wollen mehr und besuchen ihre Lesungen. So ist es auch mir ergangen, etliche Male. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es sei ein gewöhnlicher Abend gewesen. Nein, das war es nicht und das wird es nie sein. Never! Ich freue mich immer wieder, bin aufgeregt als hätte ich meinen ersten Schultag vor mir und habe am Anfang eine große Klappe. Mit erhobenem Kopf sitze ich auf meinem Stuhl, wippe leicht und sage dann: „Nach der Lesung gehe ich nach vorn und hole mir meine Unterschrift.“ Locker, leicht wie eine Schneeflocke, die vom Himmel herabrieselt? Weit gefehlt. Kaum, dass die Lesung zu Ende ist, pumpt mein Herz wie blöde, rast das ganze Blut in meinen Kopf und ich sehe aus wie ein Rotbäckchen.

Ich erinnere mich beispielsweise an meine Begegnung mit Katja Lange-Müller an einem kalten Wintertag im Buchhändlerkeller. Dort las die Berliner Autorin aus ihrem Roman „Böse Schafe“. Die Lesung war großartig, weil die Schriftstellerin eine unglaubliche Stimme hat. Außerdem zählt Katja Lange-Müller zu den Autorinnen, die hervorragend lesen können. Man hängt als Zuhörerin förmlich an ihren Lippen. Mit dem Vortragen hat sie dem Buch noch einen anderen Ton gegeben als ich ihn bisher mit den Augen erfasst hatte. Im Anschluss wollte ich zu ihr hingehen und sagen: „Ich habe Ihren großartigen Roman jeden Kunden empfohlen und Julia Francks Mittagsfrau aus den Händen gezerrt und gesagt: „Das sollten Sie lesen, denn Frau Lange-Müller ist die eigentliche Gewinnerin des Deutschen Buchpreises!“

Katja Lange-Müller war 2007 zusammen mit Julia Franck für den Deutschen Buchpreis nominiert worden. Für mich war Katja Lange-Müller die Gewinnern. Böse Schafe fand ich einfach überwältigend. Um so enttäuschter war ich, dass es für die Autorin nicht geklappt hat. Das hielt mich allerdings nicht davon ab, dem Werk beharrlich meine Ehre zu erweisen und dies weiter zu geben. Ist es mir geglückt? Und ob! Manchmal guckten mich die Kunden verdutzt an. Dann habe ich einfach Denis Scheck zitiert: „Vertrauen Sie mir. Ich weiß, was ich tue.“

All das wollte ich Katja Lange-Müller sagen. Wollte, wollte, wollte. Und saß nach der Lesung wie festgeklebt auf dem Stuhl sitzen. „Los mach schon“, feuerte mich meine Freundin an. Mein Mund war trocken, mein Herz, oh nein, das kann ich nicht sagen, wie es klopfte. Aber irgendwie habe ich es geschafft, bin zu ihr hin und habe erst stockend, dann fließend berichtet, alles habe ich gesagt. Sie hat mir zugehört, gelächelt und daraufhin schöne Sachen geantwortet. Leider war ich nicht die Einzige, die den Mut gefunden hatte. Und so musste ich mich bald verabschieden.

Was mir bleibt und keiner nehmen kann, ist eine Unterschrift in meinem Buch und das Wissen, das Autoren auch nur Menschen sind wie du und ich.

Was mich nun beschäftigt: Bin ich die Einzige mit dem roten Kopf und dem springendem Herzen, was die Sache angeht? Habt ihr schon selbst ähnliche Erfahrungen gesammelt? Das interessiert mich wirklich brennend!

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13 Gedanken zu “Dein ♥ Autor und du.

  1. *lach* Ein wenig kommt mir das tatsächlich bekannt vor! Ich weiß noch, wie ich mir mein allererstes Buchautogramm geholt habe. Das war 2005 in Frankfurt/Main, nachdem ich mir das Karl-May-Programm von Roger Willemsen angeschaut habe. Während da alle in der Signierschlange eben jenes May-Buch von ihm zum Unterschreiben in der Hand hatten, krallte ich mich an meinem „Gewaltakte“ fest, das er mit Helke Sander zusammen geschrieben hatte. Als ich dann dran war, konnte ich absolut nichts sagen. Nur blöd grinsen. Und Willemsen fand’s total cool, dass ich diesen alten Schinken ausgegraben habe und das Buch überhaupt kennen würde. Tja, und als ich dann noch ein Kompliment für mein „bezauberndes Lächeln“ bekam, konnte ich nur noch zur Tomate mutieren. Peinlich, peinlich, peinlich!
    Inzwischen wummert mein Herz nicht mehr so. Und ich bin auch recht locker. Aber ich weiß noch, wie aufgeregt ich war, als ich vor zwei Jahren Simon Beckett interviewen durfte. Gosh, ich habe mir fast in die Hose gepinkelt! Und der Mann war ja sooooo nett! Hach…

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  2. Wie großartig! Toll! Ich danke dir für deinen Beitrag. Ich habe mich köstlich amüsiert. Beruhigt bin ich außerdem ein wenig, dass du das mit dem roten Kopf und all den anderen Sachen, die so Begegnungen nach sich ziehen, ebenfalls kennst. Na, bei Willemsen und Beckett hätte es mir auch die Sprache verschlagen. Ich hätte nicht mal mehr einen englischen Satz formulieren können. Verrat mir doch bitte, wie du das hinbekommen hast…

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  3. So ähnlich ging es mir auch, als ich letztes Jahr Sabina Naef bei einer Lesung traf und sie danach noch vor der Kneipentür stehen sah. Langes durchatmen und dann doch mit rotem Kopf und (vor Nervosität und Euphorie) zitternde Stimme um eine Widmung gebeten…. :o)

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  4. Na ja, ich habe am Anfang einfach ganz stur, mit zitternden Händen und vielen Verhasplern vom Fragenblatt abgelesen. Aber Simon (jepp, der Mann hat gleich vorweg gesagt, dass er nicht „Mister Beckett“ ist) war so locker, dass auch ich mich dann nach und nach entspannt habe. Wir haben hinterher sogar noch locker geplaudert und die vorgesehene Zeit überschritten. Aber eines habe ich mich dann doch nicht getraut: Meine Bücher von ihm signieren zu lassen. Immerhin war das Interview ja für ein Magazin. Kam mir irgendwie unprofessionell vor, wenn ich dann meine Bücher rauskrame und unterschreiben lasse. Ich war eh schon viel zu viel Fan! 😉

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    1. Das nächste Mal keine Skrupel haben! Für Autoren ist das Signieren so ähnlich wie Applaus, man nährt sich davon an den Tagen, an denen gar nichts funktionieren will. 😉

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  5. 2008 war ich auf einer Lesung mit Arnon Grünberg, den ich sehr bewundere. Meine Buchhändlerin wusste das und lud mich ein im Anschluss mit dem Autor und einer Handvoll anderer Leute essen zu gehen. Letzten Endes saß ich dem Autor gegenüber, habe fast nichts von meinem Essen herunterbekommen und kaum etwas gesagt. Mmpf. 🙂

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  6. Ich kann zwar nur als kleine Leuchte mitreden, erlebe aber das Gleiche umgekehrt. Ich sitze beim Signieren, zittere und bin aufgeregt und denke bei mir: „Wieso merken die eigentlich nicht, dass ich genauso schüchtern bin wie sie?“ Irgendwann kommt zwar Routine, aber die Angst ist immer dabei: „Was, wenn der mich jetzt etwas aus meinem Buch fragt, woran ich mich nicht erinnern kann?“

    Mein schönstes Erlebnis war eine Lesung bei 42 Grad Außentemperatur unterm Dach. Ich hielt mich an Wasserglas und Fächer fest, merkte aber, dass mein Publikum langsam davonschmelzen würde. Das war ohnehin wegen einer Großveranstaltung recht übersichtlich.

    Ich unterbrach: „Haben Sie auch so schrecklich heiß wie ich?“ Erlöstes Nicken. Ich weiß nicht mehr, wie ich dazu kam, aber plötzlich hörte ich mich vorschlagen, die Lesung abzubrechen und stattdessen zu jenem Fest im Park zu wechseln und etwas Kühles zu trinken…
    Es war ein herrlicher Abend. Ich saß mit den Leuten noch bis Mitternacht, las noch ein wenig im Kühlen – und unterhielt mich bis zum großen Feuerwerk.

    Auch für die LeserInnen war es unvergesslich, die schwärmten auch, dass Autoren ja ganz normale Menschen seien. Tja, wir sind ja eigentlich auch Leser…

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  7. Das ist sooo ein bewegender Text!
    Ich war von Böse Schafe sehr beeindruckt. Hatte es mir als Hörlektüre auf dem MP3 geladen und dann, erst dachte ich ich muss wieder ausschalten… Doch irgendwann hat diese Stimme so sehr zum Buch gepasst…

    Ein Buch das wirklich an die Nieren geht…

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  8. Guten Abend dietauschlade,

    es tut gut zu wissen, dass es dir auch so ergangen ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid, wobei man ja eigentlich mehr vom Glück spricht. Aber du weißt schon, wie ich das meine.

    Liebe Nantik,

    wow! Ich ziehe meinen Hut vor dir! Wo kann man das Interview denn lesen? Das nächste Mal lässt du aber deine Bücher signieren, ja? ; )

    Liebe Jule,

    dein Beitrag las sich vorzüglich! Ich kann die Aufregung total nachvollziehen. Ich hoffe, das Essen war nicht allzu lecker… dass du etwas Feines verpasst hast. Auch wenn dein Magen leer war, warst du aber gefühlt sehr voll, angenehm voll, was?

    Liebe Petra,

    ach, das ist immer so leicht gesagt. Oft ist es die Ehrfurcht vor den Autorinnen und Autoren, die einen dann irgendwie lähmt und schrumpfen lässt. Aber wir alle hier wissen ja, dass ihr auch nur Menschen seid. Aber auch besondere Wesen, denen man ja nicht täglich übern Weg läuft. Schön war dein Bericht. Ich wäre gern im Park dabei gewesen.

    Liebe Augenfarben,

    danke, dass du mich zu dir mitgenommen hast.

    Liebe Karfie,

    merci! Bewegt bin ich immer wieder, wenn ich daran zurückdenke. Du bist also auch in den Genuss kommen. Das ist wunderbar. Ich stimme dir vollkommen zu: Das Buch geht einen wirklich sehr nah, ist gerade deshalb so bemerkenswert und hätte dafür diesen Preis verdient.

    Aufrichtige Grüße

    Klappentexterin

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    1. Liebe Klappentexterin,

      aber sicher werde ich mir die Bücher das nächste Mal signieren lassen – wenn ich nicht beruflich auf einen meiner Lieblingsautoren spreche. 😉
      Hauptächlich brauchte ich das Interview mit Beckett für ein Autorenporträt im Toro (Lifestyle-Magazin, gibt es inzwischen leider nicht mehr). Aber ich durfte des zum Glück zweitverwerten. Du findest die drei Teile hier:
      http://krimis-thriller.suite101.de/article.cfm/interview_simon_beckett_ueber_die_body_farm
      Hier:
      http://krimis-thriller.suite101.de/article.cfm/interview_simon_beckett_ueber_seine_krimis
      Und hier:
      http://krimis-thriller.suite101.de/article.cfm/interview_simon_beckett_ueber_menschenmonster
      🙂

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