Ein glücklichmachendes Fundstück am Sonntag.

Heute raschelt die sonst von mir geschätzte Süddeutsche Zeitung besonders laut. Sie buhlt um meine Aufmerksamkeit. Die schenke ich jedoch jemand Anderem. Meine Augen bleiben den ganzen Morgen in einem Fundstück haften. Da kann die SZ rascheln und flattern bis sich die Buchstaben lösen und davonfliegen. Nein, nein, nein! TRAFFIC heißt der Fremdkörper auf dem Frühstückstisch. Ich habe die Zeitung am Freitag in der Buchhandlung Hundt Hammer Stein auf dem Treppenabsatz entdeckt und in meine Tasche gesteckt. Zufälligerweise lag neben der Ausgabe aus dem Juni auch die aus dem Mai. Vom freundlichen Ladeninhaber habe ich schließlich die Ausgabe aus dem April erhalten. So breitet sich nun ein Triplett vor mir aus und stiehlt der SZ, der Teetasse, dem Marmeladenglas sowie dem Brötchen ein bisschen die Show.

TRAFFIC erscheint monatlich. Dem Impressum nach zu entnehmen, wechseln die Autoren und Fotografen. Die Gäste werden auf der zweiten Seite mit einer kurzen Vita und Foto vorgestellt. Stilistisch und inhaltlich bewegt sich das Blatt auf höchstem Niveau. Kein Wunder. Die Macher schreiben selbst, dass sie sich an eine anspruchsvolle Leserschaft richten. Freunde guter Literatur, Kunst und Kultur rubbeln sich beim Durchblättern kurzweilig die Augen. Das, was dort auf dem gedruckten Papier zu lesen ist, fühlt sich viel zu gut an, um wahr zu sein. Wir erfahren Aktuelles über Ausstellungen, lesen in Auszügen von Manuskripten, die bald als Buch erscheinen, erfahren, was es für neue Bücher gibt – besondere, gute Literatur – folgen anderen Kultur-, Kunst-, und Literaturschaffenden in ihre Welten und erfreuen uns an wunderbaren Rubriken wie „Das Wetter“. All das ist so exzellent kreativ und raffiniert verarbeitet, dass es einfach nur Freude bereitet darin zu lesen. Ob an einem Sonntag oder einem Mittwoch.

Wo kann man TRAFFIC erhalten?
Entweder als Abonnement. Dann flattert das Blatt jeden Monat verlässlich in den Briefkasten. Kosten: 29,50 € für 12 Ausgaben; 24,50 € ermäßigt für Studenten. Oder als „Free Press!“ – so steht es rechts oben in der Ecke. Die Zeitung liegt in drei Städten (Berlin, Hamburg, Amsterdam) in ausgewählten Orten zum Mitnehmen aus. Damit man nicht wie ein blinder Maulwurf durch die Gegend läuft, lässt sich aus einer Karte entnehmen, wo die TRAFFIC zu finden ist. Weitere Infos gibt es hier.

Die SZ raschelt jetzt weniger, weil sie in den Fremdkörper geschaut hat. „Ja“, sagt sie, „oft lohnt sich der Blick über den eigenen Tellerrand. Blöd nur, wenn du das ausgerechnet am Sonntag tust, dem einzigen Tag, den wir miteinander haben. Gut jedoch, wenn es dann so was ist wie dies Fundstück hier.“
Ist es nicht schön, dass auch Zeitungen ein Herz haben und vergeben können? „Ja, oh ja“, sage ich leise, stecke die SZ sanft in meine Tasche. Morgen ist auch noch ein Tag, mein Tag für die SZ. Der Sonntag ist hiermit gerettet.

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2 Gedanken zu “Ein glücklichmachendes Fundstück am Sonntag.

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