Elisabeth Herrmann über Träume.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Elisabeth Herrmann – der Autorin von Lilienblut – wie sie über Träume denkt.

Elisabeth Herrmann geboren 1959 in Marburg/Lahn kam erst auf Umwegen zum Schreiben. Nach einer abgebrochenen Lehre als Bauzeichnerin arbeitete sie zunächst als Betonbauerin und Maurerin, ehe sie auf dem Frankfurter Abendgymnasium ihr Abitur nachholte und ein Studium absolvierte. Heute arbeitet sie als Fernsehjournalistin für den RBB und lebt in Berlin. © Random House.

Klappentexterin: Wovon haben Sie als junges Mädchen geträumt?
Elisabeth Herrmann: Vom Reisen. Immer wieder vom Reisen.

KT: Wovon träumen Sie heute?
EH: Von einem kleinen Haus mit Garten.

KT: In Ihrem Jugendroman „Lilienblut“ ist Sabrina oft zwischen dem Herz und dem Verstand hin- und hergerissen. Wie reagieren Sie in solchen Momenten? Hören Sie auf das Herz oder den Verstand?
EH: Natürlich erst auf das Herz, dann auf den Verstand. Und dann nochmal aufs Herz …

KT: Träume Wirklichkeit werden lassen. Wer möchte das nicht? Nur wenige machen das. Wie kommt das Ihrer Meinung nach?
EH: Träume verwirklichen bedeutet Veränderung. Und Veränderung bedeutet Mühe und Arbeit. Ich unterscheide zwischen Träumen und Wünschen. Träume haben oft etwas Unerfüllbares. Wünsche können öfter Wirklichkeit werden.

KT: Glauben Sie, dass wenn einen die eigenen Träume so sehr beflügeln, man mit ihnen Erfolg haben wird?
EH: Kommt auf die Träume an. Wenn sie auch nur den Hauch einer realistischen Chance haben und sie einen immer wieder inspirieren, dann werden sie Wirklichkeit.

KT: Eine Frage an Ihre Phantasie: Was passiert mit den Träumen, die nicht gelebt werden? Gibt es irgendwo „Das-Archiv-der-nicht-gelebten-Träume“?
EH: Schön wär´s! Da würde ich gerne mal reinschauen. So wie in Hogwarts „Raum der Wünsche“, so hieß er doch. Oder? Nein, ungelebte Träume sind wie nie gesungene Lieder. Vielleicht hat man Sehnsucht nach genau dieser Melodie, aber man vergisst sie irgendwann.

KT: Ich habe gelesen, dass Sie bei Ihrem ersten Krimi – Das Kindermädchen – Absagen von Verlagen erhalten haben. Woher haben Sie die Kraft genommen, weiter an Ihrem Traum festzuhalten?
EH: Wenn man ein 400-Seiten-Manuskript in der Hand hat, gibt man nicht so einfach auf. Ich habe über 50 Absagen erhalten, und der einzige Grund, warum ich heute sagen kann, „Ich bin Schriftstellerin“, ist, dass ich auch ein 51. Mal zum Briefkasten gegangen bin. Oft ist Erfolg kein Zeichen von Genialität oder einfach nur Glück, sondern die Zähne zusammenbeißen und es einfach nochmal versuchen. Und nochmal. Und nochmal. Und bevor man es aufgibt, noch ein letztes Mal. Ein allerletztes Mal. Und plötzlich macht es Klick.

KT: Das Kindermädchen wird nun verfilmt. Ist ein weiterer Traum für Sie wahr geworden?
EH: Absolut. Triumph! Ein Buch, das kein Verlag haben wollte, wurde 90.000 Mal verkauft. Eine Geschichte, der keiner auch nur eine Chance gab, wird von Millionen gesehen. Ich nehme es nicht wahr als Erfüllung eines Traumes, sondern eher als einen Sieg. Ein Sieg über die Diktatur des Mittelmaßes und den Hochmut von Menschen in verantwortlichen Positionen, die mir ins Gesicht gesagt haben, eine Geschichte über Zwangsarbeiter interessiert doch gar keinen. Sorry, Leute, es interessiert eben doch. Zumindest so, wie ich sie erzählt habe.

KT: Dürfen die Elisabeth Herrmann Fans von einem neuen Krimi träumen?
EH: Nein. Denn es wird ihn geben und damit wird aus dem Traum ja eher der Wunsch, bald einen zu lesen. Im nächsten Frühjahr erscheint bei List mein neuer Thriller. Wieder ein Blick zurück in die jüngere deutsche Geschichte und mein erster Spionagethriller. Ich bin gespannt, wie er ankommt und freue mich riesig darauf.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Elisabeth Herrmann weiterhin alles Gute.

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