Dauergrinsen garantiert!

Ich habe mich in ein Mädchen verliebt. In ein kleines Wesen, das mir seine Geschichte erzählt hat. Und wenn man sich verliebt, findet man bekanntlich keine Worte. Also stochere ich jetzt in meinem Kopf herum und suche nach den passenden Buchstaben, die all das beschreiben wollen und sollen. Damit sich auch andere in Flavia verlieben. Das wird jeder, der sie kennenlernt.

Ehrlich gesagt, habe ich das Buch vor einiger Zeit angefangen zu lesen und es nicht beendet. Mir fehlte etwas. Was, wusste ich bis dahin nicht, heute liegt die Antwort wispernd neben mir. Ach, was heißt leise. Sie schreit geradezu. Jetzt, wo mir Andrea Sawatzki die Kriminalgeschichte vorgelesen hat, finde ich mich in einem Strudel wahrer Begeisterung wieder. Es war die Stimme, genau die Stimme, die in das Puzzle gehörte. Nun haben wir den Salat: In meinem Kopf klebt ein Kaugummi, der es sich dort gemütlich macht. Und ich habe keinerlei Bedürfnis, ihn abzukratzen. Der Kaugummi heißt Flavia de Luce.

Flavia lebt zusammen mit ihrem verschrobenen Vater, Colonel de Luce, und ihren beiden Schwestern, Orphelia und Daphne auf Buckshaw. Dort hat sie ihr eigenes Labor, in dem sie viel herumexperimentiert und auch mal den Lippenstift ihrer Schwester, nun ja, wie soll man sagen, neu zusammensetzt, um Rache zu nehmen für die Boshaftigkeit, die sie teilweise erfährt. Orphelia und Daphne ärgern sie nämlich ganz gern. Das merkt sich die gescheite Flavia natürlich und taucht ein in ihr Leben als Giftmischerin.

Eines Morgens passiert nun etwas, dass das Leben der jungen Dame mächtig durcheinanderwirbelt: Sie findet im Gurkenbeet einen Mann, der seinen letzten Lebenshauch ausatmet. Ihr Vater wird daraufhin als Hauptverdächtiger festgenommen. Das sagt Flavia gar nicht zu. Sie ermittelt auf eigene Faust, weil der Inspektor nicht einer von der schnellsten Sorte ist.

Das Mädchen fasziniert vom ersten Ton an. Sie ist klug und frech, dass sich automatisch ein Dauergrinsen einstellt, wenn man die Geschichte hört. Ich erinnere mich besonders an die bildhaften Vergleiche. Bei ihr läuft die Nase nicht einfach, sondern „wie ein Forellenteich“. Es ist der Witz, der wie ein Brausestäbchen ständig in ihrem Mund blubbert. Ihre Gedanken sind raffiniert und geistreich. Damit spielt sie die Überheblichkeit einiger Erwachsenen mit einer Leichtigkeit aus, dass ich aus dem Staunen nicht herauskam. Und auch nicht aus dem Grinsen.

Flavia bleibt mir deshalb in bemerkenswerter Erinnerung, weil sie durch Andrea Sawatzki viel lebendiger geworden ist. Ich hatte das Gefühl, als würden wir uns schon sehr lange kennen. Die Schauspielerin hat der jungen Dame die perfekte Stimme gegeben und ihren wunderbaren Charakter meisterhaft mit Esprit versehen. Nicht nur das. Sawatzki ist es überdies gelungen, den anderen Personen in der Geschichte die richtige Tonlage zu verpassen, mal tief, mal hoch, mal langsam wie eine Schnecke, mal leicht verkatert und anderer Stelle piepsig wie eine Maus. Die Mischung aus der Sprache von Alan Bradley und Sawatzkis Stimme ist genial, durch nichts zu übertreffen.

Wenn man sich verliebt, wird man bekanntlich sehr hungrig uns sehnsüchtig. Man aalt sich in einem warmen sprudelnden Bad, vergisst leicht das Atmen und läuft die ganze Zeit mit einem breiten Grinsen durch die Welt. Genauso ist es mir ergangen. Flavia, ich danke dir für deine tolle Geschichte und das, was sie bei mir ausgelöst hat. Schon jetzt freue ich mich auf deine Fortsetzung.

Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet.
Alan Bradley.
Gelesen von Andrea Sawatzki.
2010, audible.de, 17,95 €.
Länge: 6 Std., 51 Min.

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2 Gedanken zu “Dauergrinsen garantiert!

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