Elisabeth Rank über die Gegenwart.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Elisabeth Rank – der Autorin von Und im Zweifel für dich selbst – wie sie über die Gegenwart denkt.

Elisabeth Rank wurde 1984 in Berlin geboren. Sie hat Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie Europäische Ethnologie studiert und arbeitet als freie Autorin. Sie lebt in Hamburg und Berlin. © Suhrkamp.

Klappentexterin: Wie beeinflusst deiner Meinung nach die Vergangenheit die Gegenwart?
Elisabeth Rank: Die Vergangenheit stellt oft Weichen. Bei einem selbst liegt es dann, ob man sich diesen Weichen unterwirft oder sich selbst neue bastelt. Ich glaube, dass es wichtig ist, die Weichenpläne zumindest abzuspeichern, um manche Fehler nicht wieder zu machen oder sich an gute Dinge zu erinnern. Man sollte aber nicht vergessen, dass sich mit den Zeiten die Menschen, die Dinge und die Umstände ändern und es deswegen auch wichtig ist, neue Wege zu gehen.

KT: Kann man aus der Gegenwart für die Zukunft lernen?

ER: In jeder Sekunde. Ich glaube aber auch, dass man nicht für jede Situation gewappnet sein kann, egal, wie lange man lebt. Dass es auch nicht gut ist, für jede Situation gewappnet zu sein, weil in manchen Fehltritten und Fehlern Dinge stecken, die man nur so lernt. Indem man nicht vorbereitet war. Das sind Erfahrungen, die oft zwar weh tun, aber einen auch im Umgang mit anderen zu dem machen, was man ist.

KT: In deinem Roman „Und im Zweifel für dich selbst“ hat die Gegenwart ein schweres Paket der Vergangenheit zu tragen. Kennst du das aus deinem eigenen Leben?
ER: Ich glaube, das kennen viele aus ihrem Leben. Ich will mir gar nicht anmaßen zu sagen: „Oh Gott, ich hatte eine schwere Vergangenheit, oh Gott, jetzt ist alles so schwierig.“ Natürlich sind ein paar Dinge passiert, die scheiße waren, die vielleicht hätten anders laufen können, wenn man es sich hätte aussuchen können. Allerdings finde ich, dass im Gegensatz dazu ziemlich viel bei mir auch ziemlich toll gelaufen ist und ich sehr glücklich bin mit dem, was es geworden ist.

KT: Auf deinem Blog berichtest du über Alltägliches und widmest dich gern den kleinen Dingen. Suchst du sie gezielt aus oder fallen dir die Sachen direkt vor die Augen?

ER: Eigentlich fallen mir die Sachen direkt vor die Augen. Ich sitze auf dem Fahrrad und sehe ein Plakat, bleibe stehen, photographiere es, fahre weiter und lade es später hoch. Manchmal ergeben sich die Gedanken beim Photographieren, manchmal auf dem Weg zum Upload, manchmal passt ganz aus Versehen ein Bild von vor vielen Jahren zu einem Gedanken von heute Morgen. Das, was da auf meinem Blog ist, sind Schnipsel aus vielerlei Zeiten, aus vielerlei Hirn- und Gefühlsschichten, das sind auch nicht immer Dinge, die mir so passiert sind, sondern die mir vielleicht nur erzählt wurden und dann etwas in mir ausgelöst haben. Kleine Bewegungen.

KT: Woran mag es wohl liegen, dass wir oft mit unseren Gedanken woanders sind – nur nicht im Hier und Jetzt?

ER: Ich glaube, dass das an der Verletzbarkeit der Menschen liegt, an einer großen Unsicherheit, an dem Druck auf der einen Seite, der oft von außen kommt, sich doch bitte und sofort für immer alles zurecht zu legen und zu entscheiden, und dem Druck auf der anderen Seite, doch bloß ewig flexibel zu bleiben, sich nicht zu binden und immer weiter zu orientieren und zu gehen. Dass man da sein eigenes Gleichgewicht findet, hat was mit Auslotung und einer guten Beziehung zu sich selbst zu tun. Ich glaube, dass man mehr im Hier und Jetzt sein kann, wenn man mit sich selbst gut befreundet ist.

KT: Du bist wieder zurück nach Berlin gezogen. Warum?

ER: Weil ich hier ein neues Jobangebot bekommen habe. Weil hier meine Familie, meine Freunde und auch mein Freund wohnen. Weil Berlin immer noch mein Zuhause ist.

KT: Wieviele Stunden verbringst du täglich mit dem Schreiben?
ER: Puh, das ist schwer zu sagen. Ich verbringe zwar meinen Tag in der Agentur damit, Dinge aufzuschreiben, aber das sind Online Konzepte, Kampagnen und Ideen. Das hat wenig mit dem Schreiben wie für ein Buch oder ein Blog zu tun. Manchmal komme ich dazu, zwischendurch zu bloggen, aber eigentlich verlagert sich das Schreiben in Zwischensituationen, in den Abend, die Nacht oder das Wochenende. Das sind nicht mehrere Stunden pro Tag zur Zeit, das stückelt sich herum.

KT: Wenn du schreibst, bist du dann ganz hier in der Gegenwart oder schweifen deine Gedanken auch mal woanders hin?
ER: Ich glaube, Zeit ist da eine ziemlich einschränkende Komponente. Das hat oft nichts mit gestern, heute oder morgen zu tun. Wichtige oder schwere Gedanken haben oft Einfluss auf viele verschiedene Zeitebenen, weil sie mit Erinnerungen und Plänen für die Zukunft zusammenhängen und sich wie ein Puzzle zusammensetzen.

KT: Wie bist du zum Schreiben gekommen? Vielleicht durch deinen Job?

ER: Ich hab schon immer geschrieben. Also seit ich schreiben kann. Ich hab mir schon Geschichten ausgedacht und Lieder, als ich noch ganz klein war. Das hat sich dann nach und nach ergeben, bei jetzt.de habe ich die ersten Geschichten veröffentlicht, als ich noch in der Schule war. Der Job hat sich eigentlich eher aus dem Schreiben und Ideen-Entwickeln ergeben.

KT: Arbeitest du an einem neuen Buch?

ER: Arbeitet man nicht immer an einem neuen Buch? Ähem.. Also ja, es gibt Ideen, aber momentan war so viel los mit Umzug und Jobwechsel, dass ich zu ganz konkreten Plänen noch nicht gekommen bin. Sie sind aber in Arbeit.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Elisabeth Rank weiterhin alles Gute.

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