Eine perfekte Suppe, in der man baden möchte.

Eine Liebe ist nur liebenswert, wenn sie auch böse ist. Jedenfalls ein bisschen. Sonst schmeckt sie nach einer Suppe, die salzlos ist. Wenn immer alles nett und schön ist, einer von beiden stets nachgibt, nicht mal brüllt, mit den Krallen wetzt, fehlt etwas. Wer das nicht glaubt, wird sich in Amélie Nothombs neuestem Werk Der japanische Verlobte überzeugen lassen. Nun aber von vorn und langsam.

Die Autorin schreibt in ihrem sehr persönlichen Werk über ihre zwei Jahre, die sie in Japan gelebt hat. Dort lernt sie Rinri kennen, ihren Privatschüler, dem sie Französisch beibringt und mit dem sie selbst ihr Japanisch verbessern möchte. Relativ schnell entwickelt sich mehr zwischen dem Schüler und der Meisterin, wie Rinri sie eines Tages nennt, als er sie seinen Freunden vorstellt. Es passiert etwas Feines, nichts Großes und irgendwie denkt man die ganze Zeit an eine Ouvertüre, so zart und zurückhaltend ist sie. Das Hauptwerk tritt aber nicht ein. Die Beziehung plätschert vor sich hin, hat ein sehr schönes Level an Respekt und Liebeswürdigkeit, doch es fehlt eine Sache, eine Kleinigkeit, die sehr wichtig ist. Erst eine große Frage bringt Amélie schließlich dazu, sich der Wahrheit zu stellen.

Dieses Buch ist ein kleines, feines Meisterwerk! Amélie Nothomb schreibt wie gewohnt einzigartig. Sie ist dabei amüsant, manchmal leicht melancholisch, nachdenklich, an einigen Stellen unbeschwert, hier und da etwas überheblich. Kurz: Sie ist die perfekte Suppe, die alle Sterne verdient hat, die man als Gourmetkoch bekommen kann. Jetzt noch möchte ich in ihrer Suppe baden bis ich satt bin, obwohl ich weiß, dass ich von ihr nicht genug bekommen kann. Amélie schildert ihre Liebesgeschichte auf eine zauberhaft-leichte und sensible Art, ist überhaupt nicht kitschig. Außerdem erfährt man einiges über die Japaner, ihre Sitten und Bräuche. Das sind viel mehr die Zutaten am Rande, die perfekt passen und die einem nach einem Seufzen ein frisches, munteres Lächeln auf das Gesicht legen, nur kurze Zeit bis bald ein Kopfschütteln folgt. Ja, es regt sich vieles, wenn man Madame Nothomb liest und genau das macht sie zu einer wahren Meisterin vor der man sich würdevoll verbeugt.

Der japanische Verlobte.
Amélie Nothomb.
Februar 2010, 163 Seiten, 18,90 €.
Diogenes Verlag.

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2 Gedanken zu “Eine perfekte Suppe, in der man baden möchte.

    1. Liebe Monika,
      ich wünsche es dir sehr! „Kosmetik des Bösen“ habe ich nie gelesen, weiß jedoch, dass Mme Nothomb sehr böse sein kann. Hier war sie es nicht. Kein bisschen. Möge sie dir schmecken!

      Herzlichst,
      Klappentexterin

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