Nichts bleibt wie es ist, aber alles ist machbar, wenn man sich ein bisschen mehr anstrengt.

Voreingenommen, das war ich und bin es nun nicht mehr. Voreingenommen, wenn Schauspieler einen Roman schreiben. Ihr Platz ist auf der Bühne und nicht hinter der Schreibmaschine. Sicherlich war diese Einstellung etwas überheblich, aber sie existierte nun mal und hockte die ganze Zeit neben mir, als ich das Buch von dem Schauspieler Max Urlacher las. Nun ist sie auf und davon geflogen.

Rückenwind ist sein zweiter Roman. Der Erstling war ein Briefroman. Zusammen mit Franka Potente hat er damals über Sehnsüchte, Freundschaft, Träume, Liebe, Heimweh und Fernweh geschrieben. Einiges davon beschäftigt den Schauspieler erneut im Rückenwind. Er erzählt von Tobias und Anton, die sich als kleine Lausbuben begegnen und gemeinsam groß werden. Sie erleben all das zusammen, was man eben durchmacht, wenn man vom Kind zum Mann wird. Das ist das eine Thema. Ein anderes ist die Liebe, die Anton in seinen jungen verzweifelt sucht und sie irgendwann findet. Aber sie bleibt nicht so, wie es Anton sich erhofft. Freundschaft und Liebe bestehen manchmal nicht ein Leben lang, weil etwas passiert – mit einem selbst oder mit dem anderen – so dass man loslassen muss, ob man mag oder nicht.

Max Urlacher hat einen wunderbaren Roman geschrieben, weil er das beschreibt, was jedem in uns beschäftigt. Leider war er dabei etwas zu großzügig, weil er zu viele Themen auf einmal angefasst hat. Oft hört eine Sequenz plötzlich auf, gerade dann, wenn man sich richtig eingefunden, es sich quasi gemütlich gemacht hat und weiter aufgehen möchte. Nach dem Abbruch fühlt sich das Ganze wie ein Kuchen an, der nur halb gebacken ist. Einige wenige Stellen sind noch weich und ein bisschen roh. Dennoch schmeckt der halbfertige Kuchen, weil der Autor Zauberpuder drüber gestreut hat. Ich meine damit besondere Sätze über die man sich freut und die man nicht so schnell aus den Augen lassen kann.
„Ich wünschte, ich wäre ein Lufthauch, den du einatmest und könnte dich von innen erkunden.“ / „Manchmal muss man auch die Häppchen essen, wo die Wurst nach oben gerollt ist und der Käse schwitzig ist.“ / „Der Mond sieht aus wie hinter Spinnweben, als müsse man nur den Vorhang zur Seite schieben und könnte nach ihm greifen.“

Nichts bleibt wie es ist, aber alles ist machbar, wenn man sich ein bisschen mehr anstrengt, loslässt von Dingen, die man nicht mehr ändern kann, nach vorne läuft. Das hat mir Max Urlacher gesagt. Es ist ihm gelungen.

Rückenwind.
Max Urlacher.
März 2010, 332 Seiten, 8,95 €.
Knaur.

Max Urlacher liest am Mittwoch, 19. Mai um 20:00 Uhr im Berliner Heimathafen aus seinem Roman.

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