Die Augen lauern träge und werden nicht wach.

Der Vorhang bewegt sich langsam als könne er sich nicht richtig entscheiden, ob er Tageslicht durchs Fenster lassen will oder nicht. Im richtigen Zeitlupentempo lässt es nur stückchenweise etwas in den Raum. So geht es eine ganze Zeit, so scheint es zumindest – über 333 Seiten. Der Vorhang ist eigentlich ein Lid, denn die Augen des Lesers von Louise im gestreiften Leibchen bleiben stets ein Stückchen geschlossen, weil etwas fehlt. Ist es Louise? Ist es die Farbe Blau? Oder ist es etwas vollkommen anderes, was sich heimlich hinter den Buchstaben versteckt?

Mathias Nolte schickt in seinem neuen Roman Charlotte Pacou, genannt Charlie, als Privatdetektivin auf die Suche nach einem Bild, das den Titel Louise im gestreiften Leibchen trägt. Während ihrer Recherche gerät sie immer mehr in das Leben dieser Frau, dem Maler und das Leben Ende der Fünfziger Jahre in Berlin. Der Leser streift mit ihr zusammen durch Straßenzüge, besucht bekannte Lokale – das alles fühlt sich täuschend echt an. Doch die Menschen selbst in dem Roman sind leer, blutleer. Vor allem Charlie verwirrt durch ihr Verhalten, ihre Äußerungen. Würde sie eine Namenskette tragen, wäre das Wort suspekt genau das passende, das ihren Hals schmückte.

Die beiden Geschichten, die sich im Roman wiederfinden, sind raffiniert miteinander verwoben und bringen eine gewisse Spannung mit, aber das Buch bleibt die ganze Zeit auf dem gleichen Level, es gibt keinen Tiefpunkt und es gibt keinen Höhepunkt. Das ruhige Dahinplätschern von Wasser, das sachte aus einer Dachrinne auf den Boden tropft.
Mathias Nolte konnte mich dieses Mal kein bisschen überzeugen. Der Unterschied zwischen Roula Rouge und Louise im gestreiften Leibchen ist so enorm wie ich es selten bei einem Autoren erlebt habe. Schade, denn ich hätte ihm und mir etwas anderes gewünscht.

Louise im blauweiß gestreiften Leibchen.
Mathias Nolte.
Juli 2009, 19,90 €.
Deuticke im Zsolnay Verlag.

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