Nahaufnahme über Menschen wie du und ich.


Das Paradies sieht anders aus. Das weiß der Leser schon nach der ersten Seite und folgt der Geschichte auf leisen Sohlen, in der Hoffnung vielleicht doch irgendwo ein Stück vom Paradies zu finden.
Yael Hedaya hat ein Netz um die Einzelschicksale der Menschen gewoben, die in der Siedlung Eden, vor den Toren Tel Avivs, leben. Psychologisch und sensibel gibt sie jedem Protagonisten die richtige Stimme, malt das Bild so authentisch, dass man nicht das Gefühl hat, dies sei irgendein Roman, sondern viel mehr eine spannende Reportage, eine Nahaufnahme, über Menschen wie du und ich, die eigene Sehnsüchte, Träume haben und dennoch nicht vom Schicksal verschont bleiben.
Yael Hedaya schreibt ohne große Absätze, reiht die Geschichten aneinander und addiert alles zu einem großartigen Roman. Da wären einmal Mark und Alona, noch verheiratet, leben getrennt und sind Eltern von zwei Kindern. So ganz ohne können sie nicht auskommen, aber als Ehepaar funktionieren sie nicht mehr. Es fehlt ein Dazwischen, doch das will sich nicht so einfach einstellen. Ronny, die frühreife Tochter aus Marks erster Ehe, verliebt sich in ältere Männer, vor allen in den jungen Schriftsteller, Uri, den Alona als Lektorin betreut. Und dann ist auch noch Eli, mit dem sie eine Affäre hat. Eli wiederum ist verzweifelt, ein ehemaliger Yuppie, mittlerweile Rechtsanwalt und versucht mit seiner Frau, Dafna, seit sieben Jahren eigene Kinder zu zeugen, was einfach nicht gelingen will, trotz etlicher medizinischer Befruchtungsversuche.

Der Autorin berichtet mit einem geschulten psychologischen Auge über die seelischen Abgründe der Menschen – fesselnd und fantasievoll. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund und schreibt lieber über Ficks statt über Liebe machen. Wie Zeruya Shalev gelingt es ihr mit einer leichten Radikalität feinfühlig zu bleiben, aber nicht zu emotional zu werden.

Eden.
Yael Hedaya.
September 2008, 24.90 €.
Diogenes.

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Ein Gedanke zu “Nahaufnahme über Menschen wie du und ich.

  1. Die Rezension des Buches mag ja im Prinzip ganz ordentlich sein, darüber will ich mir kein Urteil erlauben, aber Israel ein „zerrüttetes Land“ zu nennen, geht dann doch an der israelischen Wirklichkeit meilenweit vorbei!
    Israel ist vielschichtig, kapriziös, kreativ, modern und antik zugleich und vor allem hat es Probleme mit seinen Nachbarn, die es gerne von der Landkarte verschwinden lassen würden.

    Israel ist faszinierend lebendig und alles andere als zerrüttet! Aber vielleicht ist das Buch ja nicht so schlecht, wie das Fazit, das seine Rezensentin hier zieht!

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