Schlagwort-Archive: Autoren

Marion Brasch über Familie.

Wie bereits angekündigt, kommt heute Marion Brasch bei mir zu Wort. Im Februar ist ihr Roman “Ab jetzt ist Ruhe” erschienen.

Foto: Jürgen Bauer.

Marion Brasch wurde 1961 in Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie als gelernte Schriftsetzerin bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 wechselte sie zum Rundfunk und wurde beim Jugendsender DT64 Musikredakteurin. Heute ist Marion Brasch als freie Rundfunkjournalistin und -moderatorin bei radioeins tätig.

Klappentexterin: Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie beschlossen haben, Ihre Familiengeschichte aufzuschreiben? Wie haben Sie sich gefühlt?
Marion Brasch: Es war der Moment, da der Verlag S. Fischer mir gesagt hat, dass sie dieses Buch wollen. Ich hatte erst fünfundzwanzig Seiten geschrieben und war mir überhaupt nicht sicher, dass daraus ein Buch werden könnte. Nachdem ich den Vertrag unterschrieben habe, wusste ich, dass ich jetzt ran muss. Und ab diesem Zeitpunkt wollte ich auch ran.

Warum haben Sie sich für die Romanform entschieden und nicht für eine Autobiographie?
MB: Für eine Autobiographie fühle ich mich noch nicht alt und auch nicht interessant genug. Zudem hätte ich mich, um dieser Familie gerecht zu werden, von meinem eigenen, ganz subjektiven Blick entfernen müssen, und das wollte ich nicht. Eine Familienbiographie hätte ich auch nicht schreiben können, weil das umfangreiches Faktenwissen voraussetzt. Ich hätte mich in Archive und Bibliotheken setzen müssen, und dazu hatte ich keine Lust. Der Roman hat mir die Möglichkeit gegeben, Fakten und Fiktion zu mischen und dabei auch mal rumzuspinnen. Das hat Spaß gemacht.

Wollten Sie mit dem Roman Ihrer Familie ein kleines Denkmal setzen?

MB: Nein, das wollte ich nicht. Denkmal – das klingt so groß und bedeutungsschwer, und so habe ich meine Familie nie empfunden. Für mich war es ja normal und alltäglich mit und in dieser Familie zu leben, trotz der Brüche und Verluste, die damit verbunden waren. Ein wichtiger Impuls, diesen Roman zu schreiben, war meine eigene Tochter. Ihr ist das Buch gewidmet, denn es erzählt ja auch die Geschichte ihrer Familie.

Sie verzichten in Ihrer Geschichte bewusst auf Namen. Was hat Sie dazu bewogen?
MB: Auch das hat etwas mit der Romanform zu tun, für die ich mich entschieden habe. Die echten Namen meiner Familie hätten der Geschichte sofort wieder einen dokumentarischen Charakter gegeben, und das wollte ich nicht. Außerdem hat es mir Spaß gemacht, die berühmteren Figuren in diesem Roman, nur skizzenhaft zu umschreiben, und vielleicht trotzdem erkennbar zu machen.

Hat Sie Ihr Roman näher an Ihre Familie gebracht?
MB: Ja, unbedingt. Und ich habe beim Schreiben auch sehr viel besser verstanden, warum bestimmte Dinge in dieser Familie passiert sind bzw. passieren konnten. Dafür musste ich zum Teil auch meine ganz eigene Perspektive verlassen und mich bemühen, mich in die Mitglieder meiner Familie hineinzuversetzen. Das wiederum hat mich in die Lage versetzt, mich selbst von außen zu sehen, und das war ziemlich interessant. Ein Freund hat mal zu mir gesagt: Andere machen eine Therapie, Du schreibst das Buch – ich glaube, da ist was dran.

Das Verhältnis zwischen Ihrem Vater und Ihren Brüder war angespannt. Wie sind Sie mit dieser Situation zurecht gekommen?
MB: Das war oft schwer auszuhalten. Vor allem als ich noch klein war, habe ich sehr gelitten, wenn es Streit in der Familie gab. Ich habe mich dann immer sehr einsam gefühlt und hatte Angst. Als ich erwachsen wurde, stand ich oft zwischen den Fronten, was es auch nicht gerade leicht machte.

Waren Sie gern die kleine Schwester?

MB: Ja, das war ich. Ich fand es toll, drei große Brüder zu haben. Man kann ja prima damit angeben und sogar drohen. Nein, im Ernst: ich war stolz auf meine Brüder, sie waren groß und schön und alle drei sehr talentiert. Naja, mit meinem jüngsten Bruder Peter, der fünf Jahre älter war als ich, habe ich mich auch oft gestritten wie das Geschwister eben tun – doch bewundert habe ich ihn natürlich später auch.

Welchen Einfluss haben Ihre jüdischen Wurzeln auf Ihr Leben?

MB: Keine. Das Judentum hat bei uns zu Hause nie eine Rolle gespielt. Wir waren Kinder von Kommunisten – so sind wir herangewachsen, und das war auch das Selbstverständnis meiner Eltern. Mitte der 80er Jahre habe ich mich mal etwas intensiver mit meiner jüdischen Herkunft beschäftigt und bin ein paar mal zu Jüdischen Gemeinde in Ostberlin gegangen. Doch nicht sehr lange, weil ich mich immer fühlte, als ginge ich ins Theater. Es war interessant, hatte aber nichts mit mir zu tun.

Sie kennen Berlin schon sehr lange und haben die Veränderungen miterlebt. Vermissen Sie heute etwas in der Stadt? Oder hat sich Berlin für Sie ideal weiterentwickelt?
MB: Ich hänge sehr an Berlin. Hier bin ich geboren und verwurzelt, und da ich schon so lange in Prenzlauer Berg wohne, registriere ich jede Veränderung natürlich besonders stark. Die Bevölkerung hat sich inzwischen fast komplett ausgetauscht, und das tut dem Stadtteil nicht gut, weil er nicht mehr so heterogen und kontrastreich ist, wie er mal war – und dieser Prozess greift um sich und macht die Hauptstadt immer langweiliger. Clubs sterben, Zwischennutzungen werden plattgemacht – nein, ich mag dieses glatte Berlin der schönen Fassaden nicht besonders. Dennoch würde ich nie woanders hin ziehen.

Abschließend interessiert es mich sehr, ob Sie weiterschreiben werden. Darf ich mich irgendwann über ein weiteres Buch von Ihnen freuen?
MB: Ich würde sehr gern weiterschreiben. Mal sehen, was mir so einfällt…

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Marion Brasch alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

Marion Brasch liest am Mittwoch, 14.03., um 20 Uhr im Georg Büchner Buchladen (Moderation Julia Franck). Die Autorin ist auch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse zu Gast, z.B. am Donnerstag, 15.03. um 11.30 Uhr auf dem Blauen Sofa in der Glashalle. Weitere Lesetermine findet ihr hier.
Und hier geht’s zum Blog der Autorin.

Sabrina Janesch über das Schicksal der Vertreibung.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute verrät uns Sabrina Janesch – die Autorin von “Katzenberge” – warum sie sich u.a. für das Thema Vertreibung interessiert.

Foto: © Milena Schlösser

Sabrina Janesch wurde 1985 in Gifhorn geboren. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Polonistik in Krakau. Sabrina Janesch ist u.a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Sie war erste Stadtschreiberin von Danzig.

Klappentexterin: In deinem Roman “Katzenberge” geht es um das Thema der Vertreibung. Wie kommt es, dass sich ein junger Mensch dafür interessiert? Hat dein Aufenthalt als Stadtschreiberin in Danzig dazu auch einen Anstoß gegeben?
Sabrina Janesch: Nein, der Aufenthalt in Danzig kam viel später, als ich das Manuskript für Katzenberge schon längst beendet hatte! Ich komme selber aus einer deutsch-polnischen Familie, die viel mit solchen Geschichten zu tun hatte. UND ich hatte diesen sehr charismatischen Großvater, der mir immer viel erzählte … es tun sich also durchaus Parallelen zur Nele meines Romans auf.

KT: Anhand vom Großvater Janeczko hast du das Schicksal der Kriegsgeneration sehr genau beschrieben. Mich hat das als Leserin sehr bewegt. Wie ist es dir bei der Recherche und den Gesprächen mit Zeitzeugen ergangen?
SJ: Für mich war meine Reise nach Ostpolen und die Ukraine ungeheuer inspirierend und emotional. Ich bin überall auf soviel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft getroffen, ohne all die Menschen wäre diese Reise unmöglich gewesen. Zugleich waren – auch die älteren und ganz alten Menschen – alle sehr offen und haben mir auch die intimsten und furchtbarsten Dinge aus jener Zeit erzählt. Man kann sagen, ohne sie wäre nicht nur die Reise nicht möglich gewesen, sondern auch nicht der Roman an sich. Vieles darin ist von ihnen inspiriert, nicht bloß von meiner eigenen Familie.

KT: Wieviel Sabrina Janesch steckt in der Ich-Erzählerin Nele Leibert?
SJ: Die Rahmenbedingungen decken sich sicherlich: Auch ich komme aus einer gemischten Familie und verbrachte große Teile meiner Kindheit auf diesem Hof in Niederschlesien, hatte eine sehr enge Beziehung zu meinem Großvater. Schon als Kind habe ich viele der Motive aus seinen Erzählungen verinnerlicht, die haben mich schon sehr geprägt. Etwa die Erzählung von dem Biest. Bis heute weiß ich nicht, wie mein Großvater das wirklich meinte… Aber natürlich ist dies ein fiktiver Roman: die Fiktion überwiegt. Auch was Nele angeht: Anders als sie habe ich nicht diese Skepsis gegenüber diesem Ort geerbt, habe mich in Schlesien immer sehr zuhause gefühlt.

KT: Du bist noch sehr jung und hast bereits einen ersten Roman veröffentlicht. Was gibst du anderen jungen Literaturschaffenden mit auf den Weg?
SJ: Mit sehr viel Konzentration an die Arbeit zu gehen, egal ob Roman oder Kurzgeschichte. Darüber nicht die Lust am Schreiben und am Text verlieren. Während der Arbeit am ersten Roman hing ein Zettel über meinem Schreibtisch, auf dem stand: Keine Panik!

KT: Schreibst du an einem neuen Roman?
SJ: Ja, ich arbeite bereits an meinem zweiten Roman und denke, dass er spätestens 2012 veröffentlicht wird. Es sei nur so viel verraten: Die Handlung spielt in Danzig….

Hier geht es zur Homepage der Autorin.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Sabrina Janesch weiterhin alles Gute.

Tanya Stewner über Elfen und Phantasie.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Tanya Stewner – der Autorin von „Wie weckt man eine Elfe?” – was sie über Elfen und Phantasie zu sagen hat.


Tanya Stewner wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und widmet sich inzwischen ganz der Schriftstellerei. Ihre Kinderbuchreihe ›Liliane Susewind‹ ist ein riesiger Erfolg. Für den ersten Band wurde Tanya Stewner 2007 mit dem ›Goldenen Bücherpiraten‹ als beste Nachwuchsautorin ausgezeichnet. Die Autorin lebt und arbeitet in Wuppertal. © Fischer Verlag.

Klappentexterin: Das sind alles phantastische Geschichten, die Sie erzählen. Wo nehmen Sie die Inspiration her?

Tanya Stewner: Ich verrate Ihnen gern mein Geheimnis: Ich bete jedes Mal, bevor ich anfange zu schreiben, und bitte um gute Ideen und einen guten Schreibfluss. Bisher hat das immer sehr gut funktioniert.

KT: Was kann Phantasie alles bewirken?
TS: Im Grunde ist die Phantasie der Motor, der alles antreibt. Wenn man etwas erreichen möchte, muss man es sich zuerst ausdenken. Phantasie ist der Beginn von allem Großen, was je passiert ist.

KT: Scheint es nur so oder haben Kinder tatsächlich mehr Phantasie als Erwachsene?
TS: Kinder haben wahrscheinlich gar nicht “mehr” Phantasie als Erwachsene, aber sie räumen ihr viel mehr Platz ein. Kinder trauen sich, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und ihr ein Stückweit zu folgen. Viele Erwachsene machen das leider nicht mehr.

KT: Gibt es eine Tageszeit wo bei Ihnen die Ideen mehr sprudeln?
TS: Ich bin ein Morgenmensch und schreibe am liebsten morgens und vormittags. Wenn es gut läuft, nehme ich den Nachmittag und Abend allerdings meistens noch hinzu.

KT: Was meinen Sie: Wäre es eine bessere Welt, wenn alle ein bisschen mehr Phantasie hätten?

TS: Das könnte gut sein. Sie wäre zumindest bunter und ein bisschen “verrückter”.

KT: Haben Sie eine bestimmte Technik, um auf phantastische Ideen zu kommen?
TS: Ich gucke aus dem Dachfenster, das sich über dem alten Sofa befindet, auf dem ich immer schreibe. Ich schaue in den Himmel, und dann kommen die Ideen wie von selbst.

KT: In Ihrem neuen Buch “Wie weckt man eine Elfe?” stehen Elfen im Mittelpunkt. Sind Sie schon einmal einer begegnet?
TS: Leider noch nicht. (Lacht.)

KT: Sie sehen zwischen Elfen und Feen einen großen Unterschied. Welchen finden Sie besonders erwähnenswert?
TS: Elfen und Feen werden heutzutage oft “übertrieben schön”, mit viel Rosa und Glitzer dargestellt. Da wollte ich mit meinen pummeligen, zerzausten Elfen gern ein Gegengewicht setzen. Meine Feen sind hingegen trotz allem noch schön, da ich ebenso finde, dass man jemanden nicht nur, weil er bezaubernd aussieht, gleich für oberflächlich halten darf. Mein neues Buch “Wie weckt man eine Elfe?” ist also ein Plädoyer dafür, hinter die äußere Erscheinung zu schauen.

KT: Diese Frage formuliert natürlich die Neugier: Schreiben Sie an einem neuen Buch?

TS: Ja, aber ich darf leider noch nicht verraten, woran ich schreibe.

Hier geht es zur Hompage der Autorin.
Hier trefft ihr die Autorin bei Facebook.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Tanya Stewner weiterhin alles Gute.

Ihr habt gefragt. Sebastian Fitzek hat geantwortet.

© Foto: Lucia Fuster

Wird man eigentlich mit dem Wunsch, großer und bekannter Krimiautor zu werden, geboren? Das wollte Max von Sebastian Fitzek wissen. Dies war eine Frage von vier weiteren. Heute gibt es für euch die Antworten.

Max: Wird man eigentlich mit dem Wunsch, großer und bekannter Krimiautor zu werden, geboren?
Sebastian Fitzek: Nein, ich wollte eigentlich alles mögliche werden: Schlagzeuger, Tennisspieler, Tierarzt (hab 3 Monate Veterinärmedizin studiert;), Boss einer Plattenfirma (deswegen studierte ich Jura) und bin dann beim Radio gelandet. Ich habe aber immer gerne gelesen und es irgendwann dann selbst einmal ausprobiert, ob mir auch eine Geschichte gelingen würde.

Biene: Wo kommen die besten Ideen?
SF: Die besten Ideen kommen mir beim Autofahren, wenn ich durch Brandenburg düse, durch Wälder hindurch und an traumhaften Seen vorbei (rund um Potsdam!) und ich ganz in Ruhe nachdenken kann.

Martina: Welches Medium liebt Sebastian Fitzek mehr: Das Buch oder das Radio? Und was schätzt er besonders an ihnen?
SF: Das ist wie die Frage, welches seiner Kinder man lieber mag. Im Augenblick ist das Buch natürlich aufregender (Radio mache ich schon seit 17 Jahren!) und hier kann ich mich noch mehr austoben.
Im Radio hab ich noch nie jemanden sterben lassen. (Lacht.) Bei beiden Medien schätze ich am meisten, dass sie die Phantasie anregen und das sogenannte “Kino im Kopf” bedienen. Leser wie Hörer sind immer die eigenen Regisseure eines Filmes, der von dem Urheber nur angetriggert wird.

Jana: Ich wuesste gern, WIE er schreibt. Was braucht er um sich herum, wie konzentriert er sich, wann befindet er sich in einer kreativen Phase…
SF: Ich schreibe immer dann, wenn ich mich in einer guten Stimmung befinde. Dabei habe ich gelernt, dass meine Stimmung und Lust wächst, wenn ich mich in einer schönen Umgebung befinde. Daher steht mein Schreibtisch in dem Raum, in dem ich mich am wohlsten fühle. Nicht im Arbeitszimmer, sondern im Wintergarten. Paradoxerweise muss meine Umgebung also um so schöner sein, je grausamer das Kapitel ist, an dem ich arbeite.

Bibliophilin: Fitzek sieht ja „nicht schlecht“ aus und ich kann mir vorstellen, dass einige Leserinnen ihn wegen seinem Aussehen und nicht wegen den Büchern, die er schreibt toll finden. Fühlt er sich manchmal wie ein Pop-Star? Bekommt er während einer Lesung BHs auf die Bühne geworfen?
SF: Sehr lustige Frage. (Lacht.) Danke sehr erstmal für das Kompliment – aber nein, ich habe noch nie einen BH bekommen und auch keine (ernst gemeinten) Heiratsansträge. Ein einziges Mal wollte eine Frau nicht meine Unterschrift, sondern meine Telefonnummer bei der Autogrammstunde, aber das war vermutlich auch nur ein Scherz. Ich fühle mich also keineswegs wie ein Popstar und bin auch sehr froh darüber, dass mich niemand erkennt, wenn ich völlig übermüdet, mit wild abstehenden Haaren im Jogginganzug zur Tanke fahre, weil Sonntag ist und ich mal wieder vergessen habe, etwas einzukaufen.

Die Klappentexterin dankt an allen FragestellerInnen und Sebastian Fitzek für das Interview. Sie wünscht dem Autor weiterhin viel Erfolg!

Hier findet ihr die Autoren-Homepage.

Christian Schünemann über Krimis.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Christian Schünemann – der Autor von “Die Studentin – Ein Fall für den Frisör” – was er über Krimis zu sagen hat.


Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und absolvierte die Evangelische Journalistenschule in Berlin. Beim Internationalen Wettbewerb junger Autoren, dem Open Mike 2002, wurde ein Auszug aus dem Roman ›Der Frisör‹ preisgekrönt. Christian Schünemann lebt in Berlin.
© Text: Diogenes Verlag.

Klappentexterin: Sie schreiben Krimis. Lesen Sie auch welche?
Christian Schünemann: Es ist so: Wenn ich schreibe, lese ich kaum. Das Lesen lenkt mich von meiner eigenen Arbeit am Roman ab. Und ich weil ich ständig schreibe, kommt das Lesen viel zu kurz.

KT: Welche Krimi-Autoren sind Ihre liebsten?
CS: Simenon. Weil er genial einfach ist und sprachlich wunderschön.

KT: Welche Krimis mochten Sie gar nicht?
CS: Das verrate ich Ihnen nicht.

KT: Was zeichnet einen guten Krimi aus?
CS: Das, was jedes gutes Buch auszeichnet: Dass man es nicht mehr zur Seite legen mag. Dass man in die Geschichte eintaucht und alles um sich herum vergisst. Dass man traurig ist, wenn das Buch ausgelesen ist und man sich wieder dem Leben zuwenden muss.

KT: Miss Marple ist ja eine der bekanntesten Ermittlerinnen. Mochten Sie die Geschichten von Agatha Christie?
CS: Als Schüler habe ich alles von Agatha Christie verschlungen, als Student in Moskau habe ich sie wiederentdeckt und viele ihrer Krimis noch einmal gelesen – auf Russisch. Das war prima, um die Sprache zu lernen.

KT: Die Krimis von Stieg Larsson sind in aller Munde. Haben Sie eine Erklärung dafür?
CS: Stieg Larsson liegt noch unter Friedrich Dönhoffs englischem Tänzer und der Geschichte Serbiens. Aber dann ist er dran.

KT: Der Friseur Tomas Prinz ist der Ermittler in Ihren Krimis. Wie kamen Sie auf die Idee?
CS: Die Idee, einen Frisör zum Ermittler zu machen, liegt doch so nahe: Ein Frisör erfährt mehr als die Polizei, ihm vertraut man in Fortsetzungen sein Leben und seine Geheimnisse an. Er hat eine ganz besondere Sicht auf die Menschen und die Dinge. Er ist ein perfekter Ermittler, finden Sie nicht?

KT: Sie leben in Berlin. Welche Orte in der Stadt finden Sie besonders inspirierend?
CS: Die Lesesäle der Bibliotheken: Feste Öffnungszeiten, konzentrierte Menschen, emsige Ruhe – herrlich!

KT: Haben Sie in Berlin einen Lieblingsfriseur?
CS: Mein Frisör schneidet in seiner Freizeit bei sich zu Hause in der Küche – immer samstags von zwölf bis vier. Ich muss bald mal wieder hin.

KT: Und zu guter Letzt: Schreiben Sie an einem neuen Tomas Prinz Krimi?
CS: Ich bin gerade fertig geworden. „Daily Soap“ heißt der neue Fall für den Frisör und erscheint Ende Januar. Ich liebe dieses Buch!

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Christian Schünemann weiterhin alles Gute.

Solltet ihr noch weitere Fragen an den Autor haben, dann trefft ihr
Christian Schünemann auch bei


Oliver Bottini über Fernöstliches.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Oliver Bottini – der Autor von “Mord im Zeichen des Zen” – was er über Fernöstliches zu sagen hat.

© Foto: Annina Luzie Schmid.

Oliver Bottini, in Nürnberg geboren, studierte in München Neuere deutsche Literatur, Italianistik und Markt- und Werbepsychologie. Er erhielt für seine beiden Kriminalromane »Mord im Zeichen des Zen« und »Im Sommer der Mörder« jeweils den Deutschen Krimi Preis. Beide Romane standen monatelang auf der KrimiWelt-Bestenliste und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2007 wurde er für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman nominiert. Sein dritter Roman, »Im Auftrag der Väter«, stand 2007 auf der Shortlist des Münchener Tukan-Preises. Auch der vierte Roman, »Jäger in der Nacht«, war sehr erfolgreich. Oliver Bottini lebt in Berlin. © Text: Fischer Verlag.

Klappentexterin: Seit über zehn Jahren praktizieren Sie Qi Gong und Kung Fu. Haben Sie gezielt damit begonnen oder eher zufällig?
Oliver Bottini: Eigentlich eher zufällig. Ein Freund von mir hat die Werbung der neuen Schule gesehen, und so sind wir hingegangen. Daraus wurden dann 13 schöne Jahre … Nach meinem Umzug nach Berlin 2008 habe ich leider nichts Gleichwertiges mehr gefunden. Aber ich suche weiter!

KT: Die Meditation ist eine hohe Kunst. Wie gelingt es am besten, die Gedanken komplett abzuschalten?
O.B.: Indem man es gar nicht erst versucht. Nicht dass ich das könnte! Aber die Anweisung lautet ja: die Gedanken anschauen, vorbeiziehen lassen, sie nicht als positiv oder negativ bewerten, sich nicht dranheften. Wenn man es doch tut: immer wieder von Neuem versuchen. Aber eben ohne es zu versuchen …

KT: In Ihrem Krimi “Mord im Zeichen des Zen” ist auch vom Qi die Rede. Erklären Sie einem Laien doch bitte mal, was es ist.
O.B.: Der chinesische Begriff Qi bedeutet wörtlich etwa “Atem, Energie, Luft”. Qi ist, traditionellen Quellen zufolge, die Energie im Menschen genauso wie im Universum, ohne die kein Leben entstehen und bewahrt werden kann. Es ist aus dem steten Wechsel von Yin und Yang entstanden, und solange sich die beiden im Gleichgewicht befinden, ist auch das Qi im Gleichgewicht. Falls die Balance verlorengeht, kann das Qi im Körper nicht mehr ungehindert fließen, oder es kommt zu einem Mangel – oder zu einem Überfluss an verbrauchtem Qi. Man wird krank. Auf der anderen Seite kann man dieses innere Qi, die “Energie”, die überall im Körper vorhanden ist, durch gesunde Ernährung, richtige Bewegung und korrektes Atmen nähren.

KT: Immer mehr Menschen bei uns sind vom Zen und dem Buddhismus fasziniert. Was meinen Sie, woran das liegt?
O.B.: Das hat sicherlich viele Gründe. Ich kann nur sagen, was mich für eine Weile daran fasziniert hat (ohne dass ich je Buddhist hätte sein wollen; und inzwischen ist bei mir ohnehin eine andere Phase angebrochen). Beim Zen die Kargheit, die Strenge, die Reduktion auf das Wesentliche, die Konsequenz, die Wertschätzung noch der geringsten Tätigkeit und des geringsten Wesens. In allem liegt ja Zen, und alles enthält die Anlage zum Buddha. Ich fand den Gedanken bestechend, dass man sich, egal was man tut, vollkommen eben nur auf diese eine Tätigkeit konzentrieren “soll”. Da schwingt für mich die Verheißung einer ungeheuren Freiheit mit, der Fülle des einen Momentes, des Einswerdens mit sich selbst. Und wie man kann die die heutige Flut von Informationen, Eindrücken, Geräuschen etc. besser aushalten, als wenn man sich davon überhaupt nicht mehr beeindrucken lässt? Sicher habe ich das Zen in meiner späteren Jugend aber schlicht auch romantisiert – Stichworte Samuraifilme, Exotik, Kunst des Bogenschießens … Für die eher esoterischen (in unserem Sinne), verwestlichten Formen des Buddhismus konnte ich mich dagegen nie begeistern.

KT: Fernost und der Westen – passt das zusammen?
O.B.: Überhaupt nicht. Aber das ist ja das Spannende. Zwei vollkommen unterschiedliche Arten, mit der Welt umzugehen. Ist doch ungeheuer bereichernd, wenn man sich etwas so Fremdes mal genauer ansieht. Man lernt viel.

KT: Haben Sie Ihre Bücher nach Zen sortiert?
O.B.: Ich wüsste nicht mal, was das ist. Sie stehen nach Sprachen gruppiert und dann alphabetisch nach dem Autorennamen sortiert. Kann aber sein, dass ich sie nach dem nächsten Umzug anders stelle, nach Farben zum Beispiel. Sieht bestimmt gut aus. Und wenn’s mir dann für die richtige Balance zu wenig rote Bücher sind, kaufe ich mir halt noch ein paar rote Romane …

KT: Wieviel Zen bestimmt die Einrichtung Ihrer Wohnung?
O.B.: Wenig. Den Versuch, mich karg einzurichten, habe ich schon aufgegeben – es gibt so viel Schönes zu kaufen! Bis auf zwei, drei chinesische Möbelstücke und drei sehr schöne Buddhastatuen gibt es keine Zen-Einflüsse. Sieht man von ein paar verstaubten Kung-Fu-Lanzen ab, die in der Ecke stehen.

KT: Mögen Sie Tee und auch die Zeremonien?
O.B.: Tee ja, für die Zeremonie bin ich zu ungeduldig. Und die Tassen sind mir viel zu klein. Da müsste ich ja dauernd nachschenken.

KT: Nun von Fernost zum Krimi: Wie ist die Idee damals zu Ihrer Krimireihe mit der Kommissarin Louise Bonì entstanden?
O.B.: Ich hatte damals gerade ein Sachbuch über Zen geschrieben, und da kam mir im Gespräch mit einer befreundeten, mittlerweile leider verstorbenen Lektorin die Idee, die beiden scheinbaren Gegensätze Krimi und Zen zu kombinieren. So ist “Mord im Zeichen des Zen” entstanden.

KT: Am 5. Oktober erscheint Ihr neuer Krimi “Das verborgene Netz”. Arbeiten Sie bereits am nächsten?
O.B.: Ja, ich bin am Recherchieren und Konzipieren. Louise macht nach dem “Netz” mal Pause, im nächsten Roman ist sie nicht dabei. Sie braucht eine Auszeit und kehrt in das französische Zen-Kloster aus “Mord im Zeichen des Zen” zurück. Und ich brauch mal eine Auszeit von ihr. Aber sie fehlt mir schon, und ich freue mich auf den sechsten Band mit ihr.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Oliver Bottini weiterhin alles Gute!

Hier geht es zur Rezension zu “Mord im Zeichen des Zen”.
Hier findet ihr die Autoren-Homepage.

Michael Gantenberg über Heimat.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Michael Gantenberg – der Autor von Zwischen allen Wolken – wie er über Heimat denkt.

Michael Gantenberg, geboren 1961, war WDR-Radiomoderator, Gastgeber des Satiremagazins »Extra 3« und schrieb für ›Die Zeit‹ und die ›FAZ‹. Für die RTL-Komödie »Ritas Welt« erhielt er den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Er entwickelte »Alles Atze« und »Nikola« und arbeitete als TV-Autor für den »Großen Deutschtest« (mit Hape Kerkeling). 2008 lief sein erster Kinofilm »U-900« mit Atze Schröder und Yvonne Catterfeld. Sein erster Roman Neu-Erscheinung erschien 2009. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe des Sauerlandes.

Klappentexterin: Was bedeutet Heimat für Sie?
Michael Gantenberg: Das variiert, manchmal ist Heimat eine geografische Einstellung, ein Ort, der mir die Sicherheit des Vertrauten schenkt und eine emotionale Wohlfühltemperatur, manchmal aber ist Heimat auch schon dort, wo es einfach nur lecker ist, oder schlicht nur schön. In jedem Fall ist Heimat immer da, wo meine Liebsten sind.

KT: Kann man an einem fremden Ort leben und sich trotzdem heimisch fühlen?
MG: Oh ja, ich erliege schnell dem Zauber fremder Orte und es braucht nicht viel, um mich heimisch zu fühlen. Aber wenn ich es dann bin, dann wird es für mich immer sehr schwer, mich von diesen Orten auch wieder zu trennen.

KT: Leben Sie noch in Ihrer Heimat?
MG: Ich lebe nicht mehr an dem Ort, in dem ich geboren wurde. So gesehen, habe ich meine Geburtsurkundenheimat verlassen. Dort, wo ich nun lebe, erklang der Lockruf der Liebe, ich bin ihm gerne gefolgt.

KT: Ist der Begriff Heimat heute ein anderer als vor 50 Jahren?
MG: Wenn damit die historische Sicht gemeint ist, dann sicherlich. Wenn Heimat auch was mit Bundesfarben, Flaggen und Hymnen zu tun hat, dann gibt es in diesem Land wohl auch wieder die zaghafte Bereitschaft sich öffentlich zu dieser Heimat zu bekennen. Meistens gehört dazu aber auch ein sportliches Großereignis. In meiner Branche ist es aber auch kein Problem mehr von Heimatfilmen zu sprechen, vor 50 Jahren roch so was nach dem Förster im Silberwald, heute duftet es nach Detlef Buck oder Fatih Akin, beide sind ganz wunderbare Heimatfilmer.

KT: Heimkehr, Heimweg, Heimweh, Heimsuchung, Heimathafen – es gibt einige Wörter, die ein Stückchen Heimat enthalten. Welches mögen Sie am liebsten und warum gerade das?
MG: Ich mag ganz besonders den Heimweg, weil mich dort immer etwas Schönes erwartet.

KT: Gesa – die Protagonistin aus Ihrem Roman “Zwischen allen Wolken” – will zu Beginn der Geschichte ihre Heimat verlassen und tut es doch nicht. Warum haben Sie sie nicht von der Insel wegziehen lassen?
MG: Weil Gesa am Ende lernt, das man sich bestimmten Dingen stellen muss und Flucht ganz selten der richtige Wege ist, um das Glück zu finden. Manchmal muss man bleiben, um das Glück zu spüren. Das ist wie bei einem netten Besuch, wenn man ständig weg ist, kommt keiner mehr.

KT: Wenn man Gesas Geschichte liest, hat man wahrlich das Gefühl, eine junge Frau vor sich zu haben. Wie macht man das als Mann, sich so in die Rolle der Frau zu fühlen?

MG: Ich höre viel hin und dann zu. Meine Tochter wird das bestätigen.

KT: In Ihrem Roman werden auch Sandflöhe erwähnt. Was würde wohl passieren, wenn die aus Versehen in einem Strandtuch gewickelt, mitgenommen und woanders ausgeschüttet würden? Ob sie dann wohl Heimweh hätten?
MG: Sandflöhe fühlen sich überall heimisch, so lange die klimatische Grundvoraussetzungen stimmen. Da unterscheide ich mich massiv von den krabbelnden Kollegen.

KT: Sie schreiben Drehbücher und Romane, entwickeln witzige Dialoge für Comedyserien. Woher nehmen Sie all die ganzen Ideen?
MG: Das wüsste ich auch gerne, dann könnte ich diese Frage endlich mal für alle beantworten.

KT: Verraten Sie mir, woran Sie gerade arbeiten?

MG: An einem Roman, in dem ein Mann mit einem Esel durch die Uckermark wandern muss, weil seine Frau es von ihm verlangt. Ein Roadmovie auf sechs Beinen, erscheint 2011.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Michael Gantenberg weiterhin alles Gute.

Hier geht es zur Autoren-Hompage.
Hier zur Rezension zum Roman “Zwischen allen Wolken”.
Hier liest Michael Gantenberg am 24. Juli aus seinem Roman.

Dein ♥ Autor und du.

Wir haben sie alle: Unsere Lieblingsautoren. Jedesmal freuen wir uns auf ihre Neuerscheinungen und sind glücklich, sie entdeckt zu haben. Manchmal reicht das nicht. Wir wollen mehr und besuchen ihre Lesungen. So ist es auch mir ergangen, etliche Male. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es sei ein gewöhnlicher Abend gewesen. Nein, das war es nicht und das wird es nie sein. Never! Ich freue mich immer wieder, bin aufgeregt als hätte ich meinen ersten Schultag vor mir und habe am Anfang eine große Klappe. Mit erhobenem Kopf sitze ich auf meinem Stuhl, wippe leicht und sage dann: “Nach der Lesung gehe ich nach vorn und hole mir meine Unterschrift.” Locker, leicht wie eine Schneeflocke, die vom Himmel herabrieselt? Weit gefehlt. Kaum, dass die Lesung zu Ende ist, pumpt mein Herz wie blöde, rast das ganze Blut in meinen Kopf und ich sehe aus wie ein Rotbäckchen.

Ich erinnere mich beispielsweise an meine Begegnung mit Katja Lange-Müller an einem kalten Wintertag im Buchhändlerkeller. Dort las die Berliner Autorin aus ihrem Roman “Böse Schafe”. Die Lesung war großartig, weil die Schriftstellerin eine unglaubliche Stimme hat. Außerdem zählt Katja Lange-Müller zu den Autorinnen, die hervorragend lesen können. Man hängt als Zuhörerin förmlich an ihren Lippen. Mit dem Vortragen hat sie dem Buch noch einen anderen Ton gegeben als ich ihn bisher mit den Augen erfasst hatte. Im Anschluss wollte ich zu ihr hingehen und sagen: “Ich habe Ihren großartigen Roman jeden Kunden empfohlen und Julia Francks Mittagsfrau aus den Händen gezerrt und gesagt: “Das sollten Sie lesen, denn Frau Lange-Müller ist die eigentliche Gewinnerin des Deutschen Buchpreises!”

Katja Lange-Müller war 2007 zusammen mit Julia Franck für den Deutschen Buchpreis nominiert worden. Für mich war Katja Lange-Müller die Gewinnern. Böse Schafe fand ich einfach überwältigend. Um so enttäuschter war ich, dass es für die Autorin nicht geklappt hat. Das hielt mich allerdings nicht davon ab, dem Werk beharrlich meine Ehre zu erweisen und dies weiter zu geben. Ist es mir geglückt? Und ob! Manchmal guckten mich die Kunden verdutzt an. Dann habe ich einfach Denis Scheck zitiert: “Vertrauen Sie mir. Ich weiß, was ich tue.”

All das wollte ich Katja Lange-Müller sagen. Wollte, wollte, wollte. Und saß nach der Lesung wie festgeklebt auf dem Stuhl sitzen. “Los mach schon”, feuerte mich meine Freundin an. Mein Mund war trocken, mein Herz, oh nein, das kann ich nicht sagen, wie es klopfte. Aber irgendwie habe ich es geschafft, bin zu ihr hin und habe erst stockend, dann fließend berichtet, alles habe ich gesagt. Sie hat mir zugehört, gelächelt und daraufhin schöne Sachen geantwortet. Leider war ich nicht die Einzige, die den Mut gefunden hatte. Und so musste ich mich bald verabschieden.

Was mir bleibt und keiner nehmen kann, ist eine Unterschrift in meinem Buch und das Wissen, das Autoren auch nur Menschen sind wie du und ich.

Was mich nun beschäftigt: Bin ich die Einzige mit dem roten Kopf und dem springendem Herzen, was die Sache angeht? Habt ihr schon selbst ähnliche Erfahrungen gesammelt? Das interessiert mich wirklich brennend!

Elisabeth Herrmann über Träume.

Wie bereits im Vorfeld angekündigt, lässt die Klappentexterin auch Autorinnen und Autoren zur Sprache kommen. Heute erfahren wir von Elisabeth Herrmann – der Autorin von Lilienblut – wie sie über Träume denkt.

Elisabeth Herrmann geboren 1959 in Marburg/Lahn kam erst auf Umwegen zum Schreiben. Nach einer abgebrochenen Lehre als Bauzeichnerin arbeitete sie zunächst als Betonbauerin und Maurerin, ehe sie auf dem Frankfurter Abendgymnasium ihr Abitur nachholte und ein Studium absolvierte. Heute arbeitet sie als Fernsehjournalistin für den RBB und lebt in Berlin. © Random House.

Klappentexterin: Wovon haben Sie als junges Mädchen geträumt?
Elisabeth Herrmann: Vom Reisen. Immer wieder vom Reisen.

KT: Wovon träumen Sie heute?
EH: Von einem kleinen Haus mit Garten.

KT: In Ihrem Jugendroman “Lilienblut” ist Sabrina oft zwischen dem Herz und dem Verstand hin- und hergerissen. Wie reagieren Sie in solchen Momenten? Hören Sie auf das Herz oder den Verstand?
EH: Natürlich erst auf das Herz, dann auf den Verstand. Und dann nochmal aufs Herz …

KT: Träume Wirklichkeit werden lassen. Wer möchte das nicht? Nur wenige machen das. Wie kommt das Ihrer Meinung nach?
EH: Träume verwirklichen bedeutet Veränderung. Und Veränderung bedeutet Mühe und Arbeit. Ich unterscheide zwischen Träumen und Wünschen. Träume haben oft etwas Unerfüllbares. Wünsche können öfter Wirklichkeit werden.

KT: Glauben Sie, dass wenn einen die eigenen Träume so sehr beflügeln, man mit ihnen Erfolg haben wird?
EH: Kommt auf die Träume an. Wenn sie auch nur den Hauch einer realistischen Chance haben und sie einen immer wieder inspirieren, dann werden sie Wirklichkeit.

KT: Eine Frage an Ihre Phantasie: Was passiert mit den Träumen, die nicht gelebt werden? Gibt es irgendwo “Das-Archiv-der-nicht-gelebten-Träume”?
EH: Schön wär´s! Da würde ich gerne mal reinschauen. So wie in Hogwarts “Raum der Wünsche”, so hieß er doch. Oder? Nein, ungelebte Träume sind wie nie gesungene Lieder. Vielleicht hat man Sehnsucht nach genau dieser Melodie, aber man vergisst sie irgendwann.

KT: Ich habe gelesen, dass Sie bei Ihrem ersten Krimi – Das Kindermädchen – Absagen von Verlagen erhalten haben. Woher haben Sie die Kraft genommen, weiter an Ihrem Traum festzuhalten?
EH: Wenn man ein 400-Seiten-Manuskript in der Hand hat, gibt man nicht so einfach auf. Ich habe über 50 Absagen erhalten, und der einzige Grund, warum ich heute sagen kann, “Ich bin Schriftstellerin”, ist, dass ich auch ein 51. Mal zum Briefkasten gegangen bin. Oft ist Erfolg kein Zeichen von Genialität oder einfach nur Glück, sondern die Zähne zusammenbeißen und es einfach nochmal versuchen. Und nochmal. Und nochmal. Und bevor man es aufgibt, noch ein letztes Mal. Ein allerletztes Mal. Und plötzlich macht es Klick.

KT: Das Kindermädchen wird nun verfilmt. Ist ein weiterer Traum für Sie wahr geworden?
EH: Absolut. Triumph! Ein Buch, das kein Verlag haben wollte, wurde 90.000 Mal verkauft. Eine Geschichte, der keiner auch nur eine Chance gab, wird von Millionen gesehen. Ich nehme es nicht wahr als Erfüllung eines Traumes, sondern eher als einen Sieg. Ein Sieg über die Diktatur des Mittelmaßes und den Hochmut von Menschen in verantwortlichen Positionen, die mir ins Gesicht gesagt haben, eine Geschichte über Zwangsarbeiter interessiert doch gar keinen. Sorry, Leute, es interessiert eben doch. Zumindest so, wie ich sie erzählt habe.

KT: Dürfen die Elisabeth Herrmann Fans von einem neuen Krimi träumen?
EH: Nein. Denn es wird ihn geben und damit wird aus dem Traum ja eher der Wunsch, bald einen zu lesen. Im nächsten Frühjahr erscheint bei List mein neuer Thriller. Wieder ein Blick zurück in die jüngere deutsche Geschichte und mein erster Spionagethriller. Ich bin gespannt, wie er ankommt und freue mich riesig darauf.

Die Klappentexterin dankt für das Interview und wünscht Elisabeth Herrmann weiterhin alles Gute.

Ein glücklichmachendes Fundstück am Sonntag.

Meine Reise nach schönen Literaturbeiträgen am Sonntag führt mich heute auf diese Seite. Obwohl ich mich seit einigen Monaten von der ZEIT distanziert habe, ist dieses Interview mit Alice Munro sehr, sehr lesenswert. Der Artikel ist zwar schon etwas älter, doch die Gedanken sind immer noch wunderbar und zeitlos. Sie zaubern jedem ein Lächeln aufs Gesicht. Danke, Frau Munro!

Und hier noch drei Buchtipps von der besagten bemerkenswerten Autorin:


Tanz der seligen Geister, 380 Seiten, 23,90 €, Dörlemann Verlag. Augenfarben hat über dieses Buch bereits eine sehr schöne Rezension geschrieben, die ich wärmstens empfehle. Ich besitze es leider noch nicht, doch habe es auf meiner Wunschliste bereits notiert.


Tricks. Acht Erzählungen, 384 Seiten, 9,95 €, Fischer Verlag.

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und deshalb bekommt es hier einen Platz. Tricks ist eines solcher literarischen Werke, die man nicht vergisst. Sie bleiben dir erhalten, dein Leben lang.


Wozu wollen Sie das wissen? 384 Seiten, 9,95 €, Fischer Verlag.

Dies ist ein Must-Have für alle Munro-Fans. In dem Buch erzählt sie zauberhaft die Geschichte ihrer Familie. Hier tauchen Elfen und andere Fabelwesen auf. Es liegt noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher, aber ich freue mich schon jetzt auf das persönlichste Werk der Autorin.