Normalerweise schreibe ich über Bücher, doch ich lese nicht nur Buchstaben aus Büchern auf. Also verlasse ich heute meinen bekannten Pfad und stelle euch eine wunderschöne Zeitschrift vor, die mich glücklich macht. Und unter uns gesagt: Ich finde, sie hat noch mehr glückliche Leser verdient! Gefunden haben wir uns an einem kalten Oktoberabend in einem Zeitschriftenladen in Berlin Neukölln. Dort blinzelte mich „Fräulein“ an. Es dauerte nur wenige Sekunden und schon war es um mich geschehen. Für nur 2,50 € habe ich mir die Zeitschrift gekauft, hielt sie fest in meinem rechten Arm und wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, was ich für herrliche Lesemomente mit dem Blatt erleben würde.
Ich falle nach dem Aufschlagen nicht in eine Anzeigenstrecke, sondern direkt in Miranda Julys Arme. Auf zwei Seiten erstreckt sich ein Fotomeer von der Ausnahmekünstlerin, die mich schon einige Jahre begeistert. Sie ist eine jener Menschen, die mir fantasievoll den Alltag vergoldet. Weiter hinten im Heft darf ich mich über ein reizendes Interview mit der Dame freuen. Nach der sagenhaften Begrüßung stoße ich auf erste Anzeigen, bis mir das Editorial vom Chefredakteur vor die Augen fällt. Götz Offergeld hat sich entschieden, eine kleine Moralpredigt zu halten. Im Mittelpunkt stehen die Empörung und das Unverständnis über unsere Politiker und deren Taten. Was können wir tun angesichts der Probleme in der Welt? Dieser Frage stellt er sich in einem für mich beeindruckendem Maße. Wenn es so weiter geht, dann Hut ab!
Und genau das tut es. Ich falle von einer kreativen Bildstrecke in die nächste, erfreue mich an vielen starken Frauen, die zu Wort kommen. Aber auch Männer nehmen mal das Zepter in die Hand. Nicht umsonst schmückt sich das Heft mit dem Slogan: “Das Frauenheft, das Männer lieben!” An manchen Stellen tauchen gnadenlos gute Sätze ins Bild wie das von Marlene Dietrich: „Wenn ich mein Leben noch einmal Leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“ Lesen, verdauen, noch mal lesen und dann entzückt in die Hände klatschen.
„Fräulein“ zeichnet sich durch ein klares, ansprechendes Design aus. Das Blatt widmet sich vorrangig den Menschen und beflügelt mich mit den Gedanken, die den Interviewten aus den Mündern purzeln, wohl überdacht und äußerst bemerkenswert. „Fräulein“ überrascht gleichzeitig mit kleinen Schmunzelmomenten und klärt auf wie mit der Rubrik „Sachen gibt es.“ Dort widmet sich der aktuelle Beitrag der Biene, die vorm Aussterben bedroht ist. Dies nahm “Fräulein” zum Anlass, um über das Nutztier zu schreiben und 12 von weltweit 16.000 Arten abzubilden. Die Mode kommt hier ebenfalls nicht zu kurz, selbst wenn sie für mich nicht bezahlbar ist, zum Träumen und Inspirieren erweist sie jedoch die besten Dienste. Und wo ich gerade beim aufregenden Thema Mode bin, sei noch verraten, für emsige Schneiderinnen gibt es sogar ein Schnittmuster für einen Penn Coat.
„Fräulein“ ist charmant, stilvoll und in allem ein sehr kluges Mädchen, das mich nun zur neuen Freundin hat. Wer es jetzt nicht gleich zum Kiosk schafft, kann sich auf der Homepage schon mal umschauen. Dem gesamten “Fräulein”-Team spreche ich meine Hochachtung aus und wünsche dem Heft viel Erfolg, denn solche tollen Zeitschriften braucht das Land!

















































