
Lieber John Irving,
zunächst möchte ich Ihnen nachträglich alles Gute zum Geburtstag wünschen! Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, ist es mir eine Herzensangelegenheit, Ihnen zu gratulieren. Ich habe am 2. März an Sie gedacht, fast jedem Bekannten und Freund von mir angepiekst und gesagt: „Heute hat John Irving Geburtstag.“ Leider kam meist nur ein: „Ach, ja?“ Mehr nicht, das war mir eigentlich zu wenig, nur konnte ich dies meinem Gegenüber nicht sagen. Zumal es mir nicht zusteht, Sie über alles zu loben, wo ich ja bislang nur ein Buch von Ihnen gelesen habe. Ja, tatsächlich. Ein wenig schäme ich mich dann doch, aber es hat sich bisher einfach nicht ergeben, obwohl ich doch einige Bücher von Ihnen bei mir zu Hause zu stehen habe: „Das Hotel New Hampshire“, „Zirkuskind“, „Bis ich dich finde“ und „Witwe für ein Jahr.“ Letzteres habe ich übrigens gelesen, vor langer, langer Zeit. Und die anderen warten noch auf mich, viel zu lange schon, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.
Wieso eigentlich? Nun, Sie haben nicht gerade schmale Bände geschrieben und unter uns gesagt, scheue ich mich vor so gewaltigen Werken. Das ist so eine Marotte von mir. Immerhin bin ich von vielen Büchern umgeben, auch von Berufswegen und möchte stets viele Bücher nacheinander lesen. Ich bin eine Fließbandleserin. Die Zeit sitzt mir im Nacken und hämmert auf mich ein. Nun, ich schweife ab. Sie werden verehrt, vor allem von uns Deutschen. Ihre Bücher verkaufen sich in unserem Land öfter als in den USA und Kanada zusammen. Wow! Das allein macht mich sprachlos und zeigt einmal mehr, wie großartig und wertvoll Ihr Schaffen ist. Mit Ihren 70 Jahren können Sie auf zwölf, bald dreizehn, Werke blicken. Das ist eine beachtliche Leistung, bedenkt man die vielen Seiten und die Welten, die Sie den Lesern eröffnen. Solche Welten, die die Augen verdrehen und Strudel in die Köpfe der Menschen setzen. Und da habe ich bislang nur ein Buch von Ihnen gelesen? Ich bin selbst erstaunt und schäme mich immer noch.
Allein Ihr Werk „Das Hotel New Hampshire“ wurde mir von unzähligen Menschen ans Herz gelegt. Menschen, die unterschiedlich sind wie Tag und Nacht, waren sich alle einig und sagten: „Was für ein Buch! Das musst du lesen!“ Ein junger Autor berichtete mir, dass er viel aus dem Roman gezogen hat. Sie begeistern nicht nur jede Menge Leser, sondern sind gleichzeitig ein großes Vorbild für Nachwuchsautoren. Ist das nicht schön? Und Sie schaffen bei einer Leserin, die bislang nur ein Werk von Ihnen gelesen hat, ein Leuchten im Kopf, das an ein Feuerwerk erinnert.
Wie machen Sie das nur? Wo ziehen Sie die Geschichten heraus, entwickeln die verrückten Charaktere? Wo holen Sie das her? Haben Sie eine Maschine in Ihrem Kopf zu stehen, die Ihnen die wundersamen Geschichten ausspuckt? Ein Knopfdruck und schon macht es klack, klack? Es ist Ihr Markenzeichen und Ihr Geheimnis, das sollen sie auch bleiben. Ich möchte nicht daran rütteln, sondern nur meine Hochachtung für Ihr schriftstellerisches Schaffen zum Ausdruck bringen. Und seien Sie sich sicher: Ich werde Ihnen folgen und Ihre Werke lesen. Nicht etwa, weil ich mich weniger schämen möchte, sondern weil Sie es wert sind und ich sehr neugierig auf den Sog bin, der von Ihren Büchern ausgeht.
Bleiben Sie gesund und schreiben Sie bitte weiter! Ihre Fans werden es Ihnen danken und ich natürlich auch!
Hochachtungsvoll,
Ihre Klappentexterin
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